IamTheMainstream 04.01.2008, 19:07 Uhr 0 1

Plötzlich Ehrlichkeit.

Die typischen dramatischen Liebesgeschichten gehen mir ein bisschen auf die Nerven. Hier mal eine etwas andere Liebesgeschichte.

Als Sie in der Küche mit dem Kochen anfing, legte er seine Lieblings-Album in die Anlage. Schon nach den ersten drei Sekunden des ersten Liedes, die sie wahrnahm, rollte sie mit den Augen und schloss heimlich die Küchentür. Sie stellte das Radio ein wenig lauter, aber die seichte Stimme des „The Kooks“-Sängers entgingen ihr trotzdem nicht ganz. Sie stellte den Radiosender von Radio Paradise nach Radio 1 um. Er lehnte sich in seinem alten Sessel aus Kindertagen zurück und genoss die simple Gitarrenmusik. Er überlegte, ob sie in der Küche Radio hörte, es kam ihm so vor. Nein, dachte er, sie mag doch auch „The Kooks“. Während seiner Überlegungen schnitt sie in der Küche Zwiebeln. Schnell schaltete sie das Radio aus, sie hörte seine schritte auf dem Parkett im Flur. Er trat in die Küche und sah ihre roten Augen. Er fragt, ob sie geweint hätte. Sie lächelt und schüttelt mit dem Kopf. Er legt ihr die Hand auf die Hüfte und sagt, dass ihn „Seaside“ auch manchmal sehr berührt. Sie ärgert sich, schweigt aber.

Als sie am Tisch sitzen, öffnet er eine Flasche Wein, sie trinkt Bier, er guckt ein bisschen komisch. Sie fragt, ob sie die Musik beim Essen vielleicht ausmachen können. Er sagt, das sei in Ordnung, steht auf, drückt auf Pause und setzt sich wieder. Er sagt, er fände es wunderbar, dass er mit ihr seinen Musikgeschmack teilen könne. Sie gibt nur ein hmm von sich. Er sagt, dass er dieses neue Lied, wie heißt es noch gleich, achja, „Here There Delilah“ so schön fände. Er überlege, sich das Album zu kaufen. Sie grinst innerlich ein bisschen, erst gestern hatte sie sich mit ihrer Freundin im Café über die Schnulze lustig gemacht.

Sie fragt, ob er nicht mal wieder Lust hätte, mit ihr tanzen zu gehen. Ja, sicher, sagt er. Ich hatte mir schon länger überlegt, dass wir doch auch mal einen Tanzkurs machen könnten, sagt er. Sie hustet, und sagt, dass sie gerne mal wieder so richtig tanzen gehen wollen würde, so wie früher eben. Er meint, dass er sich dafür zu alt fühlt. Sie seufzt und stellt die Teller übereinander. Er fragt besorgt, ob alles in Ordnung sei, sie käme ihm so gereizt vor.

„Nichts ist in Ordnung verdammt, deine Dudeldidum-Musik geht mir total auf den Sack, ich hab keinen Bock mehr auf diese ewigen Kuschelabende, ich will mal wieder so richtig auf den Tischen tanzen und morgens heiser sein und einen Kater haben, ich will auf Konzerte gehen, ganz laut mitsingen und in der verschwitzten Masse tanzen und nachts auf den Straßen wettrennen in Einkaufswagen machen. Ich steh total auf Metal, Deathmetal, Hardrock, Punk und Goa find ich auch geil. Übrigens will ich ein Tattoo und Piercings im Gesicht und löchrige Hosen. Meine Gitarre steht im Keller, die hol' ich da bald raus, und meinen Verstärker auch, und dann sollten die Kooks vielleicht lieber mal Pause machen. Ich halt das Lindgrün im Flur übrigens nicht mehr aus hier. Die Wände in meinem Arbeitszimmer sollen schwarz werden, am Fenster pink und ich will die englische Lampe gegen Neonröhren austauschen. Und meine Bandplakate hänge ich auch auf. Und zwar nicht das Wir sind Helden-Plakat, sondern auch das von System of a down, Canibal Corpse, Grave und Autopsy.“

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