biervernichter88 23.07.2009, 01:36 Uhr 16 1

Paradoxon

Der Wunsch nach Liebe...

Wieder hatte Robert Angst davor, zu Bett zu gehen. Alleine. Er fühlte sich dann immer so einsam, irgendwie.

Robert überlegte, was er alternativ tun könnte. Er mochte kein Fernsehen schauen. Er schaute selten fern in letzter Zeit. Es war doch immer das gleiche. Irgendwann kamen dann doch wieder die Szenen. Die Szenen, die Robert so fürchtete.
Egal ob er einen Krimi, einen Horrorfilm, eine Komödie ansah. Irgendwann musste er doch wieder die Paare sehen, die sich küssten. Die sich liebten.

Und dann kamen all die Gefühle in ihm wieder hoch. All die Gefühle, die er eigentlich verdrängen wollte. Die er so gerne aus seinem Kopf verbannt hätte.

Die er aber nicht verbannen konnte.

Denn er wurde ja ständig daran erinnert. Im Fernsehen. Das war schon schlimm. Oder auch auf der Straße. Das war noch schlimmer. Denn konnte er sich bei Filmen noch damit trösten, dass da alles gewissermaßen konstruiert, eine fiktive Welt erschaffen worden war, so konnte er das bei den Szenen, die sich in der Stadt abspielten, nicht. Denn die Stadt war die REALE Welt. Die Welt in der er lebte. Leben musste.

Manchmal merkte Robert, wie ein unterschwelliger Hass in ihm aufstieg, wenn draußen ein glückliches Pärchen an ihm vorüberging. Dann fragte Robert sich oft, ob das eigentlich normal sei. Auf jemanden einen Hass zu haben, nur weil er glücklich war.

Aber andererseits, dachte Robert, war das doch irgendwie auch verständlich. Oder?

Schließlich hatten die meisten seiner Freunde eine Freundin.
Schließlich musste er doch mit ansehen und dabei zuhören, wenn seine Freunde, seine Bekannten, seine Klassenkameraden sich fürs Wochenende mit Mädchen zu einem Diskobesuch verabredeten. Und war er dann mal auf einer Party, so kam er sich unter all den Paaren irgendwie fremd vor.


War es da nicht irgendwie gerecht, ein kleines bisschen Hass zu empfinden? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Robert wusste es nicht.

Jedenfalls fragte sich Robert auch, ob es denn wirklich seine Schuld sein konnte. Dass er einsam war. Dass er schüchtern war. Dass er sich nichts traute. Dass er in Sachen Aussehen vielleicht nicht irgendwelchen ungeschriebenen Normen gerecht wurde.

Oder war es vielleicht GERADE seine Schuld?

Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Robert wusste es nicht.

Oder er versuchte wieder, zu verdrängen.

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16 Antworten

Kommentare

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    Für mich ist das was Robert empfindet nicht Hass sondern Eifersucht, gekoppelt mit dem Wunsch, "dazuzugehören" und der Angst, zurückgewiesen zu werden. Wie kann man das, was man sich wünscht, aufrichtig hassen? Es geht ja auch darum, dass man so einer Situation gerne in Melancholie und Selbstmitleid verfällt, nach dem Motto "Die Anderen sind Schuld", statt etwas an seiner Situation ändern zu wollen. Es ist für Robert leichter sich abzukapseln und sich dafür zu bemitleiden, dass er alleine ist, als den großen Schritt zu wagen. Es passiert halt, dass ein Mann von einer Frau zurückgewiesen wird, aber man sollte sich davon nicht abschrecken zu lassen. In der Liebe wie in anderen Bereichen gilt : Übung macht den Meister. Es ist nicht die alleinige Schuld Roberts, dass er die Liebe nicht findet. Aber wenn er seinen Teil dazu nicht beiträgt, kann es nicht klappen.

    26.07.2009, 23:46 von AdriAAAn
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    robert hat das recht auf alle seine gefühle. auch auf hass. das zuzulassen und zu versuchen, sich deswegen NICHT schlecht zu fühlen ist ein guter schritt in die selbstakzeptanz

    zur schuldfrage:
    von welchem menschenbild gehen wir aus? denn dies ist entscheidend für die antwort auf die frage, wer ist schuld.
    gehen wir davon aus, dass der mensch das produkt seiner sozialfaktoren ist und dazu noch ein gutes quentchen erblast hinzu kommt und dass man sich von beidem nicht befreien kann. dann ist robert sicherlich nicht schuld.

    gehen wir davon aus, dass der mensch einen freien willen hat und selber die entscheidung treffen kann, was er aus seinen „hypotheken“ macht, dann ja dann ist er vllt nicht „schuld“ aber sicherlich verantwortlich.
    und wenn wir weitergehen und annehmen, dass er es bislang versäumt hat, an sich zu arbeiten und was besseres draus zu machen, ja dann hatter auch schuld. im sinne von: anteil an der ursache seines elends.

    kommen wir zu der frage, was kann robert tun?

    wenn wir davon ausgehen, dass er als armes opfer seiner sozialfaktoren und seiner DNA nix tun kann, dann bleibt ihm die freiheit, sich zu suhlen, so gut er kann, drogen zu nehmen, alkoholiker zu werden oder amokläufer.
    mit der grundeinstellung wird er aber auch keine hilfe annehmen, sondern nur ein prima ansprechpartner für menschen werden, die unter dem klassischen helfersyndrom leiden.

    wenn er sich allerdings dazu durchringt zu sagen: „he, life ist what U make it!“ dann bitte, stehen ihm alle tore offen. sei es über therapie, sport, forbildung oder was auch immer.

    alles eine frage der inneren überzeugung und grundeinstellung.

    insofern sehe ich para und quatzat mal auf verschiedenen standpunkten, wobei jeder von beiden innerhalb seines systems recht hat.

    die sogenannte „wahrheit“ dürfte in der mitte liegen.

    meine persönliche herangehensweise jenseits von jeglicher PC:
    ich würde dem lieben robert einen verbalen und mentalen tritt in den hängenden hintern (solche jammerlappen haben immer hängende a***backen) geben. es handelt sich ja um eine fiktive person und insofern braucht biervernichter sich ja auch nicht angegriffen zu fühlen, ne?
    er muss sich mühe geben, an sich arbeiten, sicherlich auch unter inanspruchnahme von hilfe, aber der anstoß und der willen, etwas zu ändern muss von ihm kommen.
    robert, mach dich einfach mit dem gedanken vertraut, dass attraktivität und liebenswürdigkeit gewissen marktregeln folgt.
    eine in sich gekehrte, sich selbst permanent selbst bemitleidende heulsuse, die ihr eigenes elend auf andere projeziert, ist NICHT attraktiv.
    robert, der hass, den du empfindest, ist nämlich eigentlich selbsthass. und hier kannst du anfangen.

    tu es einfach.

    zum text: könnte insgesamt noch detaillierter sein, aber an sich nicht schlecht geschrieben...

    25.07.2009, 12:15 von RedSonja
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    Und was ist eigentlich paradox an der ganzen Geschichte?

    24.07.2009, 11:16 von Olliemax
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      @Olliemax Paradoxon: Liebe-Hass

      25.07.2009, 01:56 von biervernichter88
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      @biervernichter88 Das wäre unter Umständen paradox, wenn Du für ein und die selbe Person dieses Gefühl hättest. Robert will aber Liebe und hasst die Leute, die diese scheinbar haben. Das ist nicht paradox.

      25.07.2009, 14:02 von Olliemax
    • 0

      @Olliemax Es ist aber paradox, dass Robert lieben will, aber Hass empfindet. Und ich glaub, sowas soll echt vorkommen...

      25.07.2009, 14:43 von biervernichter88
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      @biervernichter88 Tut mir leid, dass ist in keinster Weise paradox. Er empfindet Hass, da er nicht geliebt wird (vermutlich an erster Stelle von sich selbst nicht) und niemanden hat auf den er seine Liebe projezieren kann. Der daraus resultierende Frust kann zu unreflektierten Hass führen.

      25.07.2009, 16:35 von Olliemax
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    Trauriger Mann, der Robert. Erinnert mich etwas an einen Freund von mir.

    Es gibt ein paar Rezepte, die die meisten Menschen nicht anwenden. Z.B.:

    1. Richte Dir Dein Leben ein, wie Du es für lebenswert und aussergewöhnlich hälst. Lass Dir das von keinem nehmen. Dann bist Du zufrieden. Und für andere attraktiv.

    2. Liebe Dich selbst (im gesunden Maß) und Du wirst geliebt. Dann rennt man auch nicht mehr depressiv durch die Stadt und muss andere Paare hassen. Und dann klappts auch mit der Nachbarin.

    3. Erwarte nicht, dass Dich die Nachbaring glücklich machen kann oder sogar muss. Dass kann kein Mensch ausser Dir.

    24.07.2009, 11:15 von Olliemax
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    ich habe letztens ein buch namens "hectors reise oder die suche nach dem glück" gelesen und fand es ziemlich scheiße. dieses empfinden ergab sich aus einer arroganz, die tatsache, dass es mir keine neuheiten offenbarte, als allgemein gegeben zu erachten.
    ich denke nun, dass dir, äh, dem lieben robert, dieses buch doch großen nutzen bringen und vielleicht beibringen könnte, ein bisschen weniger hasserfüllt leben zu können.
    eine der wichtigsten lehren für dich, äh, den robert, dürfte da sein:
    "zu einem lächelnden kind ist man freundlicher."

    23.07.2009, 12:20 von .Elendstouristin.
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      @.Elendstouristin. Lächeln ist sowieso das allerwichtigste.
      Und gelegentlich mal ein bischen über sich selbst lachen.

      23.07.2009, 12:26 von sailor
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      @[Benutzer gelöscht] Die Person ist fiktiv und daher auch in keinem schützenverein.

      24.07.2009, 03:40 von biervernichter88
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      @biervernichter88
      Diesen Schluß sehe ich nicht ein, es gibt auch fiktive Schützenvereine.

      27.07.2009, 11:28 von LudwigMartin
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    Kumas hat bestimmt schon alles gesagt.

    Prinzipiell:
    Robert lacht zu wenig, definitiv.

    23.07.2009, 08:37 von frl_smilla
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    ...schreib´ mal zu Ende Robert. Ich fand die Geschichte gut - ich habe an jedem Deiner Worte gehangen - bis zu dem komischen Schluss. Du solltest Schriftsteller werden...

    Hut ab...großes Kino

    ...wenn uns da mal nich nen Schriftsteller verloren gegangen ist...

    23.07.2009, 04:55 von KiezKind
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      @KiezKind Dankeschön :)
      Komentar siehe GB!

      23.07.2009, 04:57 von biervernichter88
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      @[Benutzer gelöscht] Klar doch. Hat ja jeder seine eigene Sicht. :)
      Zum Glück ist das so.

      24.07.2009, 02:54 von biervernichter88
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