Nur so ein Gefühl.
Fangen eigentlich nur diejenigen an, über die Gebrechen des Allgemeingeistes zu schreiben, die unter Migräne leiden...?
Der Folge, der Auswirkung dieser hektischen Gesellschaft, dem Zeugnis Jahrzehnte währender Beschleunigung? Es fragte schon der Hauptmann den Woyzeck: Wo sollen wir denn hin mit all unserer Zeit, die wir an jedem Ende einsparen? Natürlich zum Arbeitgeber damit. Oder zur Universität meinetwegen. Wir geben unsere Zeit, sie geben uns Hast. Vielleicht kennst du das ja.
Vielleicht kennst du das ja auch: Dieses Gefühl. Du bist zu Fuß unterwegs auf einem Weg, den du sehr genau kennst. Du kennst ihn so gut, dass du die Besonderheiten der Maserung im Asphalt jedes Mal wiedererkennst, wenn du an den betroffenen Stellen vorbeigehst. Der Fleck da sieht aus wie ein Schädel. Jener dort wie eine Gitarre. Du kennst den Weg und du weißt genau, dass er dort endet, wo du hinwillst. Aber sicher kennst du dieses Gefühl… Wenn du den Weg sehen kannst und dir einfach nicht vorstellen kannst, Fortschritte auf ihm zu machen. Die lange Straße liegt vor dir, du siehst das Ende der Straße oder auch der Kurve. Aber deine Schritte machen den Weg nicht kürzer. Jeder Schritt macht den Weg nur länger.
Schade, dass ich aus einer bergigen, naja… stark hügeligen Region komme. Sonst würde ich für besagten Weg einfach das Fahrrad nehmen, das ich besäße. Aber nach ein paar Wochen käme es mir auch mit dem Drahtesel vor, als befände ich mich in der Muckibude. Nun halt nicht mehr auf dem Laufband, sondern auf dem Fitnessfahrrad, immer auf der gleichen Stelle. Ich erfinde Schweiß völlig neu, habe aber nie das Gefühl, dass mich eine meiner Bewegungen weiterbringt. Ich sag’s dir: Selbst das Indoor-Bike wird irgendwann blockieren, bocken und dich abwerfen. Aber: Das ist ja auch immer nur so ein Gefühl…




Kommentare
super!
12.07.2010, 17:00 von sarcinVielleicht muss man lernen seinen Weg neu zu betrachten und dann wird es egal ob man ihn geht, mit dem Fahrrad fährt oder die Meter in Purzelbäumen und Radschlägen zurück legt. Vielleicht muss man ihn für sich selbst interessanter machen, denn nach jeder Biegung, nach jeder Kurve können dann ganz neue Dinge, Risse im Boden, Pflanzen am Wegrand, Marienkäfer im Gras warten. Vielleicht ist das aber auch nur so ein Gefühl.
12.03.2010, 09:23 von frl.froehlichGefällt.
Ein echt interssanter Text...ich gehör dann wohl zu den Wenigen, die einen Weg Tausend mal gehen und selbst beim Tausendundzehnten mal nicht wissen wie er aussieht^^
26.12.2009, 18:39 von K.ktusAber schön geschrieben.
Ich hab auch einen Gitarrenfleck :)
23.12.2009, 01:33 von Stuteist es schlimm wenn ich mich nicht wiederfinde, aber trotzdem beeindruckt bin? :-)
14.11.2009, 18:30 von ArmedWithAMindich glaube hier kann sich fast jeder selbst wieder erkennen.
21.10.2009, 02:04 von Tingeltangelmir hat der artikel auf jeden fall ein lächeln gebracht.
ich glaube hier drinn kann sich fast jeder selbst erkennen.
21.10.2009, 02:01 von Tingeltangelmir zumindestens hat der artikel ein lächeln gebracht.
gefällt
14.10.2009, 20:55 von Suselwusel@Suselwusel ebenfalls
21.07.2010, 23:46 von LuannaIch erfinde Schweiß völlig neu, habe aber nie das Gefühl, dass mich eine meiner Bewegungen weiterbringt.....
30.09.2009, 18:49 von pfuetzenhuepferinvielleicht nicht an einen anderen Ort
aber dich selbst schon..... :)