TheChriz 18.05.2008, 17:24 Uhr 19 15

Nur ein schmerzender Vormittag

Der Wecker klingelt. Ich öffne die Augen und es ist gut. Ich atme, dreimal ein und aus und da ist er wieder. Schmerz. Scheiße. Aufstehen, Klamotten...

zusammensuchen, ab ins Bad. Tee aufsetzen, Toast in den Toaster. Ich stehe und warte. Bin müde, will liegen. Nur noch liegen. Mein Magen tut weh, der Toast ist fertig. Butter, Marmelade, Tee zu heiß. Ich könnte kotzen, schon wieder. Noch ein Toast. Die zweite Tasse Tee halbleer getrunken, ich muss los. Ins Auto, Rückwärtsgang rein und Radio an. An der Ampel warte ich und sehe mir unter meiner Sonnenbrille unbemerkt das Mädchen an der Bushaltestelle an, sie sieht mich an. Ich habe das Gefühl ihre Gedanken zu teilen. Grün. Auf der Autobahn erst mal eine Kippe. Kleine Entspannung, ganz legal. Das Mittel von letzter Nacht ist nur noch in Form unschöner Symptome präsent. Kein Stress, ich fahr mich nicht tot um pünktlich zu sein. Die Sonne geht hinter mir auf, blauer Himmel. Es könnte so schön sein. Abfahrt. An der Ampel zünde ich mir dem Ritual entsprechend die zweite Zigarette an. Noch über die Kreuzung, der Benz kann warten. Ins Parkhaus. Sachen zusammensuchen. Ich muss pinkeln, also erst in die Mensa. Wenn schon zu spät kommen, dann mit Stil und vor allem einem Getränk in der Hand, es muss lässig wirken. Was nehme ich denn? Vanille-mit-noch-irgendwas-Tee, klingt nicht magenfreundlich aber lecker. Zucker. Zwanzig Minuten zu spät, die Präsentation hat begonnen. Locker durch die Tür, dem Kollegen der gerade präsentiert werfe ich ein verschwörerisches Nicken zu. Die Tutorin ringt sich ein frustriertes „g’morgen ab“. Ich bleibe noch stehen, ziehe langsam meine Jacke aus, mein Blick schweift aus dem Fenster. Was mache ich hier? Ich sitze. Bei Schlüsselworten nicke ich verstehend. Ich schließe die Augen, für zwei Sekunden. Wie ist es wenn man keine Schmerzen hat? Ich sehe mich im Raum um. Alle sind da, die dicken, die dünnen, die müden und die Streber. Egal wer präsentiert, die Streber präsentieren immer mit. Sei es das Räuspern, wenn etwas augenscheinlich nicht ihrem Gusto entspricht, oder das überhebliche Grinsen wenn dem armen Kerl ein Fachbegriff nicht innerhalb ihres Ermessensspielraums einfällt. Scheiß auf euch! Kaffeepause. Wieder pinkeln. Tee läuft gut. Dann raus, atmen. Erst die Luft, dann den Rauch der Zigarette. Ich brauch was gegen die Schmerzen, ein neues Leben vielleicht. Ein Kollege spricht mit mir, ich weiß nicht was er meint aber ich trage die Unterhaltung mit „Absolut!“ und „Ja, das ist so!“. Ob wir noch eine schaffen, fragt er mich und deutet auf seine Kippenschachtel. „Immer!“. Ich hol mir noch einen Tee. Was ist Zeit? Sie ist gegen mich, sie hasst mich und lacht mir ins Gesicht. Sitzen, zuhören. Warum tu ich mir das an? Verkrampft. Was habe ich falsch gemacht? Ich denke: Ihr habt ja keine Ahnung.

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19 Antworten

Kommentare

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    ich mag deine art zu schreiben, als säße ich in deinem kopf. ich möchte weiterlesen.

    05.01.2011, 03:45 von Madame_Printemps
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    Quasi Kopfkino!=)Echt gut!

    Aber Zeile 6 Ampel ;-)

    10.11.2010, 01:27 von Vanillabacke
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    mag ich. ein-wort-sätze.

    03.10.2010, 11:13 von mimaleela
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    Und jeden Tag isses wieder der selbe Trott...

    06.04.2010, 10:49 von lelie
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    wow.

    02.04.2010, 20:01 von lisamariie
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    Was ist Zeit? Sie ist gegen mich, sie hasst mich und lacht mir ins Gesicht.
    wie gut, dass der hass manchmal so unzulänglich scheint, manchmal sogar vergänglich.
    mag den text.

    07.02.2010, 17:57 von leichtigkeit
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    Der Anfang erinnert mich extrem an ein Lied von den Fotos. "Ich bin für dich da". Hör mal rein bei Gelegenheit.

    29.01.2010, 20:23 von loudless
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    das gefühl kommt mir bekannt vor :)

    29.01.2010, 00:37 von paedagogischwertvoll
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    wie wahr^^

    24.01.2010, 23:35 von Die_Phantasistin
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    hat mir auch ziemlich gut gefallen.
    du solltest nicht zu viel nachdenken.
    einfach leben.

    18.01.2010, 23:28 von leilalee
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