siemi 01.03.2016, 11:18 Uhr 0 1

niemals Mauerfall

Manchmal schaust du mich erwartungsvoll an, als würdest du auf das gleiche Warten wie ich – auf den Moment des Mauerfalls.

Weil ich nicht weiss, wie ich mich dir anvertrauen soll, schreibe ich dir in Liebe diesen Brief. Du wirst ihn nie erhalten.

Vielleicht hast du schon eine leise Vermutung mein Schöner, was mit mir nicht stimmt. Du bist immer noch da, noch bei mir. Manchmal schaust du mich erwartungsvoll an, als würdest du auf das gleiche Warten wie ich – auf den Moment des Mauerfalls. In diesen Momenten, wenn ich in deine tiefschwarzen Augen schaue kribbelt es durch meinen ganzen Körper, du bist so wunderschön. Ich möchte dir meine Liebe gestehen, möchte dich anfassen, dich küssen, dich umarmen, mich verliebt in deinen Schoss legen und mit den Fingern in den Himmel zeigen. In Wirklichkeit sitze ich da, überspiele die Situation und fange an über das Wetter zu quatschen. Was für ein trauriges Lied ich spiele, hörst du es? Noch bist du da und ich arbeite an mir, voller Hoffnung, dass die Mauer fällt.

Mein Lieber mir geht es immer schlechter, je mehr Gefühle ich für dich habe. Wenn ich dir nur irgendwie erklären könnte, wie sich das anfühlt. Zwischen mir und den Menschen steht eine eiserne Wand, weißt du – ich kann nicht einmal meine Mutter umarmen ohne gezieltes Mut fassen. Wir haben ein inniges Verhältnis, ich und meine Mutter aber weißt du, ich kann keine körperlichen Gefühle zeigen. Ich bin so geboren.

Einmal hast du meine Hand spazieren geführt und ich habe es zugelassen. Ich fühlte absolutes Glück und Wohlsein in mir und bei der nächsten Kreuzung zeige ich auf ein Haus, um deine Hand los lassen zu können. Sofort fühle ich mich wieder frei und gleichzeitig traurig, weil ich deine Hand gerne stundenlang halten würde.  Im Retsaurant streichelst du meine Hand in deinen. Ich muss für kleine Mädchen, ganz plötzlich und sofort. Raus aus der Situation und rein in dieses traurige Lied. Ich schaue mich im Spiegel an und hoffe auf den Mauerfall, bete ins Leere auf eine Portion Mut und nichts kommt.

Weißt du warum ich dir meine Kaffeeschokolade schenke, ein Herzass in die Handyhülle lege, dich so oft angrinse, dir tief in die Augen schaue, dir Zeichnungen auf deine Wand male, dir ein Herz auf den Spiegel male? Ich versuche dir verzweifelt diese Botschaft zu übermitteln, die ich nicht anders ausdrücken kann. Verstehst du meine Sprache? Ich weiss es bis heute nicht, wir haben noch nie über uns gesprochen. Du entgleitest mir, meldest dich seltener und meine Mauer zieht sich wieder höher. Stein für Stein baue ich sie wieder ab, ein Rennen gegen die Zeit. Ich bin Maurer, hauptberuflich.

Manchmal überkommt mich ein Gefühl, jetzt gleich zu dir zu fahren und dir einfach in die Arme zu fallen aber die Realität sieht anders aus; ich bin jedes Mal in meinem Leben gehemmt vor der Nähe. Ängstlich und gleichzeitig würde ich dir mein Leben anvertrauen. Jetzt ist mein Latein am Ende, mein Wortschatz aufgebraucht, die Kreativität verflogen. Du bist noch da, am seidenen Faden – solange wir nie über uns gesprochen haben aber ich bin am Ende meiner Ideen. Ich lasse dich los und hoffe du erfährst Liebe von jemandem, der sie ausdrücken kann, denn du hast sie so sehr verdient mein Bester.

Weil ich nicht weiss, wie ich dir meinen Rückzug kommunizieren soll, schreibe ich dir in Liebe diesen Brief. Du wirst ihn nie erhalten.

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