Franzbert94 30.11.-0001, 00:00 Uhr 2 2

Nie wieder aufwachen

Eine kleine Zusammenfassung von einem Mädchen welches sich in kurzer Zeit mit vielen Dingen aber vor allem mit sich selbst auseinander setzen musste.

Mit verschrenkten, zittrigen Beinen saß ich nun völlig verschüchtert vor einer Frau, welche sich in den kommenden Wochen als eine Vertrauensperson entpuppen würde.

,,Was denkst du?'' fragte sie mich mit ruhiger, freundlicher Stimme.
Meine Gedanken in einem einzigen Satz zusammen zu fassen war eine nicht gerade einfache Aufgabe. Jedoch schien mir der eine Gedanke welcher sich jeden Abend vor dem Schlafen gehen wie eine ätzende Säure in meinen Kopf brannte ziemlich passend: ,,Ich will einschlafen und nie wieder aufwachen''.

Kurz zuvor saß ich noch bei meinem Hausarzt und klagte nur über Erbrechen. Der erste Schultag nach den Ferien und ich hang über der Kloschüssel bei dem Gedanken wieder in die Schule zu müssen. IHN wieder zu sehen. Ehrlich gesagt kam mir der Besuch beim Arzt in diesem Moment sehr recht und ich hoffte auf eine Krankschreibung. Diese bekam ich, jedoch auf eine vollkommen andere Art und Weise.
Das ich an diesem Morgen dem 2. Februar gänzlich zusammenbrechen würde hatte ich nicht geahnt.
Mein Arzt drückte genau auf die richtigen Punkte und alles sprudelte aus mir heraus. Das Haare ausreißen, das Kratzen am ganzen Körper, die Zuckungen bei jeder fremden Berührung aber vorallem dieser eine Gedanke.
Ich will nicht mehr aufwachen! Meinen Plan hatte ich mir schon vorbereitet.

Eine halbe Stunde später saß ich im Auto auf dem Weg in die Notaufnahme.

Nun saß ich dort, das kleine eingeschüchterte Mädchen. Die Schminke, welche ich sonst reichlich wie einen Schleier über mein Gesicht gelegt hatte, in schwarzen Streifen auf meinen Wangen verteilt.
Was ich dachte hatte ich ihr gesagt. Und sie protokollierte mich auf ihrem Schreibblock, nahm alle Personalien auf und führte mich mit zarten Handbewegungen in mein neues Zuhause.
Ich streifte mit kleinen Schritten über den langen, sterilen Flur. Trotz der liebevoll aufgehangenen Bilder überall konnte man die Wahrheit das es sich um ein Krankenhaus handelte nicht verstecken.

Ich weiß nicht mehr wie lange ich auf diesem kahlen Bett gesessen habe. Die stille um mich herum schien mich aufzufressen. Den nun hatten diese Gedanken in meinem Kopf wieder vollen Spielraum mich zu umhüllen.
Meine Taschen wurden durchsucht und ich kam mir vor wie in einem Gefängnis. Das dieser Ort einem Gefängnis ähnelt würde ich erst später feststellen.

Von draußen hörte ich leise Stimmen. Doch laut genug um die Wörter zu logischen Sätzen zusammen fügen zu können.
,,Da ist die Neue drin?'' ,,Ist die hübsch?'' ,,Warum kommt sie nicht raus?'' So wurde ich von meinen neuen Nachbarn begrüßt. Die Menschen welche in den nächsten Wochen gute Freunde, Vorbilder aber auch Feinde werden würden.




Das war es zunächst mit einem kleinen Teil meiner Geschichte.
Ich rede immer furchtbar um alles herum. Und hoffe es liest überhaupt jemand. 




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2 Antworten

Kommentare

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    ich habe ähnliche probleme und möchte wahrscheinlich bald in eine klinik, um diese probleme auzuarbeiten. Daher finde ich den text sehr bewegend und interessant!

    20.07.2014, 14:11 von carolina97
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    ich habe es gelesen! 

    11.06.2012, 22:55 von SieIstEs
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