mondmaedchen7 30.11.-0001, 00:00 Uhr 67 45

Nahkampfdisziplin

Da bin ich, im Ring mit mir selbst, ich, in einer etwas hässlicheren, traurigeren Version, der ich mich nicht traue, ins Gesicht zu schlagen.

Und dann betrinke ich mich wieder, mit billig süßem Weißwein, und warte auf den Moment, in dem ich endlich ehrlich sein kann mit mir selbst, und einfach schreiben. Was habe ich schließlich zu verlieren? 

Dann schreibe ich so ein Paar Zeilen und denke mir in diesen Sekunden der manischen Euphorie, ja das ist es, das ist genial, es geht wieder, schau es geht noch, man muss nur anfangen, das ist das Schwierigste. Nur sitze ich letztendlich vor einem halbgaren Worddokument und beobachte den blinkenden Cursor, bevor ich die Taste zum Löschen betätige. Aber der erste Satz ist doch so vielversprechend, wie kann es sein, dass ich nicht weitermachen kann? Das utopische Potential von unvollendeten Ideen. Schreiben, das ist doch das, was immer funktioniert hat? Jetzt nur wieder dieses Bild eines leeren Eimers, den ich verzweifelt versuche auszuschütten. 

Es ist, als würde ich rennen wollen, mit blutig aufgeschlagenen Fäusten, und mich da die ganze Zeit jemand an der Stirn halten, sodass ich nicht weiter kann. Da bin ich, im Ring mit mir selbst, ich, in einer etwas hässlicheren, traurigeren Version, der ich mich nicht traue, ins Gesicht zu schlagen. Denn es hält mich da niemand zurück und ich kann es trotzdem nicht. Dann denke ich mir manchmal, dass es wohl so sein muss, dass wir bei manchen Dinge einfach mit dem verdammten Schicksal leben müssen, sie niemals wirklich ausdrücken zu können. Und vielleicht ist dieses Schicksal auch deshalb das unsere, weil wir zu viel fühlen und es zu wenig Ventile gibt. 
Viel fühlen aber zu wenig sein. 
 Ich kenne keine Grauzonen. Da ist immer nur Manie oder pure Langeweile.

Was es einfach nur unglaublich schwer macht.

 Wieso habe ich das Gefühl mich würde etwas zurückhalten? Oder haben wir das alle?
Das Gefühl, dass da immer etwas ist, das uns davon abhält, das Leben zu führen, das wir uns in den Minuten vor dem Einschlafen vorstellen? 

Ich glaube ja diesen ganzen Kram, dass wir an den schlechten Zeiten wachsen, und all dieses Blabla von wegen jede Erfahrung zählt and what doesn't kill you makes you stronger, aber fuck, wann kommen wieder die Tage, an denen ich mich fühlen kann als würde ich über eine verdammte Blumenwiese rennen mit wehendem Haar und flauschig schönen Gedanken?
Ich warte wirklich nur noch auf den Moment, in dem ich es in diesem Zimmer nicht mehr aushalte und es komplett zerlege. Den Reiz von völligem Kontrollverlust habe ich schon immer verstanden. 

Ich danke hiermit allen, die mir schon liebevoll die Schulter getätschelt und dann gesagt haben, "Es kommen wieder bessere Zeiten.". Ihr werdet sicherlich einen ganz besonderen Platz in der Hölle bekommen.

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67 Antworten

Kommentare

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    • 1

      Naja, gleich die eigene Existenz in Frage zu stellen finde selbst ich etwas hochgegriffen.
      Aber das Gefühl, nicht ernstgenommen zu werden ist für sich (und für meine Begriffe) schon ätzend genug...

      07.10.2015, 10:50 von sailor
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    • 2

      Wieso denn das...?

      06.11.2015, 12:44 von sailor
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    • 1

      Verstehe... Ich persönlich bin ja Atheist...

      08.11.2015, 16:06 von sailor
  • 0

    superb!

    03.10.2015, 23:24 von John_Black
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  • 3

    Wow, das war sehr bewegend.

    10.09.2015, 13:20 von Die_Susan
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  • 2

    Wunderbar. Absolut top :-)!

    31.08.2015, 20:21 von Knubs
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  • 2

    ich kenne das Gefühl. Man fühlt dich so eingeengt und wenn man dann einmal zeit hätte ist nichts los, man hängt nur rum. Ich träume auch von besseren zeiten.

    18.08.2015, 00:13 von riverboat_amy
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  • 4

    Ich finde mich in diesem Text auch an vielen Stellen wieder...und der Spruch "Geh raus und lebe alle Farben" fällt in die gleiche Kategorie "Es kommen auch wieder bessere Zeiten"!

    Und was macht man in der Zwischenzeit? 

    17.08.2015, 17:04 von against_all_expectations
    • 1

      »Geh raus und lebe alle Farben«?!

      Wer sagt denn sowas...?

      19.08.2015, 18:01 von sailor
    • 1

      "

      0

      Ich kenne keine Grauzonen. Da ist immer nur Manie oder pure Langeweile.
      Geh raus uns lebe alle Farben!

      14.08.2015, 09:03 von siemi"

      ;)

      29.08.2015, 14:11 von against_all_expectations
    • 1

      Grauzone kenn ich...

      Geh raus uns lebe alle Farben! klingt so nach einem Zitat...

      29.08.2015, 14:17 von sailor
    • 1

      Ja aber was soll das konkret bedeuten, dass ist doch hier die Frage...

      29.08.2015, 14:21 von against_all_expectations
    • 1

      Ich meine zu ahnen, was der Dichter sagen will...

      29.08.2015, 14:33 von sailor
    • 1

      und was?

      09.10.2015, 22:49 von against_all_expectations
    • 1

      Zumindest mir sagt der Dichter:
      Enthalte dir Erfahrungen nicht vor. Und halte sie aus.

      10.10.2015, 12:03 von sailor
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  • 1

    den letzten absatz hätte ich weg gelassen.

    sonsten OKAY

    17.08.2015, 15:50 von Xspellbound
    • 3

      OKAY

      17.08.2015, 16:40 von mondmaedchen7
    • 1

      ja. im sinne von "open end" oder offenes, episches ende. wie bei einem ganz großen film/roman

      30.08.2015, 19:13 von Xspellbound
    • 1

      Moselwein Mazzeltoff

      30.08.2015, 19:15 von Xspellbound
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  • 0

    Der letzte Satz ist der ganze Triumph des Textes, denn die Hölle wartet auch auf dich.

    16.08.2015, 15:18 von marco_frohberger
    • 0

      wie komme ich denn zu der ehre? 

      16.08.2015, 15:22 von mondmaedchen7
    • 0

      Was macht dich so sicher, dass der Himmel wartet?

      16.08.2015, 15:27 von marco_frohberger
    • 4

      ich glaube, dass nichts auf uns wartet. 

      16.08.2015, 15:41 von mondmaedchen7
    • 1

      wir kommen ALLE ALLE ALLE in den HIMMEL.
      weil wir auf Erden schon die HÖLLE hatten!

      19.08.2015, 17:59 von Xspellbound
    • 0

      Katharer?

      19.08.2015, 18:01 von sailor
    • 0

      Kathole! (Was sonst)

      19.08.2015, 18:03 von Xspellbound
    • 2

      Kathölle...

      Die Hölle, das sind immer die anderen.

      19.08.2015, 18:04 von sailor
    • 4

      chuck palahniuk once said: what makes earth feel like hell, is our expectation that it should feel like heaven.

      27.08.2015, 22:54 von mondmaedchen7
    • 0

      wow! some-o. knowes Chuck

      28.08.2015, 10:30 von Xspellbound
    • 0

      Soweit korrekt, mm7...

      :D

      29.08.2015, 12:46 von sailor
    • 1

      ihr seit doch alles höllenkinder...

      29.08.2015, 16:47 von marco_frohberger
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  • 0

    Ich kenne keine Grauzonen. Da ist immer nur Manie oder pure Langeweile.
    Geh raus uns lebe alle Farben!

    14.08.2015, 09:03 von siemi
    • 3

      wie kommen nur alle darauf, dass ich das haus nicht verlasse.

      14.08.2015, 13:19 von mondmaedchen7
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