Momente auf dem Papier
Jeder kennt sie, kaum wer kann sie aussprechen. Die Wahrnehmung geht in den Kopf, kommt aber nicht in einen anderen Kopf.
Ich zwinge mich zum schreiben. Vielleicht tötet es mich. Aber ich muss. Du warst es wert. Nein, die Situation war es wert. Ich habe gesprochen, viel habe ich gesagt, es sei intensiv gewesen, ich habe nichts gehört, nichts gespürt. Es war so. Es tanzten nur Bilder vor mir. Bilder des Vergangen. Von meinem Leben. Von mir. Ich liebe das Leben. Ich will nichts anderes als leben. Es ist so schön zu leben, zu fühlen, in Momenten zu schweben. Ich liebe es. Das Gefühl, das Heiligste. Alles was ich will, Alles, was mich ausmacht. Alles, was der Mensch ist. Denke neutral, aber lebe, das geht nicht. Ich schreib nicht, was geplant war. Ob das stört. Mir egal. Ich habe die Situation in mich genommen, sie lebt in mir, ist lebendig, will überall leben. Still auf Papier. Mann ist sie geil. Ich will dich ficken. Nein ich will dich lieben. Ich will Gefühl. Ich will von meinen Sinnen getäuscht werden und sie mich vergessen lassen, dass ich lebe.
Dass das Leben mehr als der Moment ist, will ich nicht wissen. Ich will fliegen. Ich verlange danach. Ich kann nicht anders. Wie unter Wasser soll es sein. Einfach geil so getrübt und sanft, aber so intensiv. So blind, aber tot. Ich will die Worte kotzen, sie nicht schreiben mit einem dünnen Bleistift auf runzeligem Papier. Ich will sie in Kübel werfen. Der Mensch kann nicht das Leben ausdrücken. Er kann es nicht. Sprache ist nur eine Mahnung an das Leben. Wenn man das Wort im Buch nicht selber gelebt hat, hat man nichts von den Worten. Sie können nicht zeigen, was man nicht kennt. Nein, einfach nicht. Beschissene Phrase.
Ist mein Schreiben unkontrolliert? Ja, wohl schon. Ich will schreiben ohne zu spüren. Wie mit Drogen. Schweben. So schreibe ich zumindest mit dem Gedanken, dass auf dem Blatt stehe, was ich erlebt hatte. Aber es sind nur vage Worte. Zu allgemein für das Leben. Ich kann sie nicht so zurechtschleifen, als dass sie markant genug wären, einen gelebten Augenblick darzustellen. Ich las „Die Verwandlung“ in so vielen Stunden. Es war unglaublich. Es war in mir, es war ich, mein Kopf damit verfüllt. Diese Worte haben gelebt. Lese ich die Meinigen, es spielt sich keine Geschichte ab. Es ist Gekritzel. Ich bin schon so weit, während dem Schreiben das Gefühl des Schwebens zu verlieren, ich traue dem Wort nicht. Liest mich jemand, er muss aus dem Text herauslesen, denn das Lesen des Textes ist nicht, lebt nicht. Das kann auch eine Maschine. Tötet es. Ach nun. Stopp. Nein. Lachen. Fuck. Nichts ist es wert. Diese Nichts in Allem, nichts ist es wert, nichts ist es.
Das Leben ist zu geil, als dass ich es zufrieden leben könnte.
Ich glaube, man muss unterscheiden zwischen Momenten, in denen man für etwas kein Worte finden will und diese, für welche man keine Worte finden kann. Letzteres ist wohl eher ein „nicht - finden – wollen“, um so die Reinheit und Heiligkeit einer Erinnerung zu wahren. Ohne Sprache hat man nur das Gefühl des Augenblickes und kann diese nicht angreifen. So bleibt es als rundes Kügelchen ohne Angriffsfläche im Kopf am schweben und im Alltag nimmt man es in die Hände und verliert sich in der Verzauberung, die das Glitzern ausübt. Wäre es alles benannt, wäre die Erinnerung nicht ein Glitzerhaufen, so wäre dieser Zauber nicht da.





Kommentare
unsere brunni würd sagen: laberlyrik.
17.02.2007, 21:24 von vnssich sage: top!
Kreativ Mülllabern hilft im letzten Fall auch! ;)
"Lesen ist gelenktes Schaffen." - Jean-Paul Sartre
24.01.2007, 20:22 von knabencore.Toller Text.
Jefällt ma', jeht ab!
wie nennt man das noch mal... ach ich hab den namen für die art therapie vergessen.
06.09.2006, 23:29 von Tiaraes hilft.
schreiben. wenn reden nicht geht.
hauptsache rausrausrausraus damit.