violett84 28.05.2012, 21:37 Uhr 0 2

Mich beschleicht das Gefühl

Ich bin auf der Suche nach Freiheit und Geborgenheit, nach Tiefe und Leichtigkeit, nach Nähe und Distanz, nach Ruhe und Bewegung- doch geht das alles?

Eigentlich bin ich momentan total frei, frei wie die Vögel, die heute auf dem Gras über mir tanzten, frei von Erwartungen, frei von Konventionen, frei von Pflichten, aber trotzdem fühle ich mich nicht so. Oder kann ich dieses Freisein einfach nicht ertragen? Kann ich mich selbst nicht ertragen?
Ich habe in letzter Zeit sooft gelesen, dass man sich und dem Sinn erst in der Stille nahekommt, dass da die Gewissheit und Ruhe wächst nach der ich mich sehne. Nun ist es sehr still in mir und um mich herum und ich versuche es laut werden zu lassen, giere nach Unterhaltung, nach Musik und Lesestoff. Was soll das denn nun?
Mich beschleicht das Gefühl, man muss die Stille erst lernen und ich stehe ganz am Anfang.

Im Weg dieses Lernprozesses steht mir mal wieder mein Herz, mein Herz das nach Liebe und Geborgenheit ruft, obwohl ich doch bitterlich erlebte das ich das Nest, was er mir bot, das Nest der Geborgenheit, indem es an nichts mangelte, das ich aus diesem auch immer wieder ausbrach. Immer wieder wütete, immer wieder forderte ich nach Mehr, was soll dieses Mehr sein, frage ich mich heute?
Und mich beschleicht das Gefühl, man muss auch Geborgenheit annehmen lernen? Und das ich noch ganz am Anfang stehe?!

Und doch ruft mein Herz danach, ein Wirrwarr in mir, was ich nicht ordnen kann...

Ich suche nach Tiefe, Tiefgang, tiefen Gesprächen, tiefen Gefühlen, tiefen Eindrücken. Damit meine ich Erlebnisse, die  mich bewegen, die  mich berühren, die mich weiterführen.
Ich meine auch Wissen, was meine Sinne inspiriert, was mich wieder neugierig macht, was mich stärkt und festigt.
Und doch beschleicht mich das Gefühl das ich mich immer wieder im Kreis drehe, das sich irgendwas in mir nicht traut weiter zugehen, dass mich irgendwas blockiert und die Frage "Warum?" bleibt unbeantwortet.

Ich sehne mich auch nach Leichtigkeit, nach den Momenten, wo alles andere egal scheint, in denen ich einfach lache, weil ich dann so schön bin, an denen ich eins mit mir und der Umgebung bin.
Und doch beschleicht mich das Gefühl das diese Momente immer seltener werden, vielleicht weil ich die Augen davor verschließe oder zu verkopft durch die Welt gehe? Oder sind sie da und ich kann sie nicht wertschätzen?

Ich wünsche mir Nähe, Nähe zu Menschen, die mich kennen, die mich nehmen wie ich bin, die mich begreifen oder es zumindestens versuchen wollen. Nähe, die mir Gänsehaut oder Bauchschmerzen beschert, wie man es kennt vom Achterbahnfahren, Nähe, die mich erweckt aus meiner Sommerlethargie.
Und doch beschleicht mich das Gefühl das ich immer mehr auf Distanz gehe, mich der Nähe versperre aus Angst erneut am Boden liegen zu müssen.

Ich brauche auch die Distanz, um auf mich aufpassen zu können, um mich nicht  wieder zu verlieren, um mir treu zu bleiben, um diesen harten Weg  durchzustehen. Ist da wieder jemand bei mir, lasse ich mich komplett auf ihn ein, dann gerate ich in Vergessenheit, dann ergebe ich mich dem Anderen-deshalb Distanz!
 Und doch beschleicht mich das Gefühl, dass ich damit auch nicht glücklich werde, dass ich allein auf weitem Meer schwimme und treibe ohne zu wissen wohin?!

Eigentlich möchte ich einfach Ruhe erleben, innerlich und äußerlich ruhig sein und mich auch so fühlen. Zumeist gelingt es mir nur auf einer Ebene, der Äußerlichen, ich zeige mich ruhig, verhalte mich so, aber innerlich bordelt, arbeitet oder wütet es. Ein ständiger Kampf zwischen Herz und Verstand, zwischen richtig und falsch, zwischen Loslassen und Festhalten. Ich würde gern endlich den Off-Knopf finden, der mich runterfährt, der mich beruhigt und gleichzeitig Kraft für das Innehalten schenkt.
Und dann beschleicht mich das Gefühl das ich nach Bewegung, nach Erlebnis, nach Neuem giere, dass  ich noch nicht ruhen will, mag und vorallem kann, das ich noch auf Entdeckungsreise bin und deshalb getrieben werde.

Diese Ambilvalenzen in mir lassen mich nicht frei wie einen Vogel fliegen, lassen mich nicht ruhen geborgen im Arm dieses Mannes, lassen mich nicht in die Tiefe abtauchen, nicht losgelassen lachen und weinen, lassen mich nicht vertrauen und Nähe zulassen, lassen mich aber auch nicht auf Distanz mit mir allein sein, lassen mich nicht ruhen und auch nicht rudern und bewegen.

Und mich beschleicht das Gefühl das ich mit all diesen Für-und Wider, mit all diesen Gefühlen und Gedanken, mit all diesen Sehnsüchten und Kämpfen dem Leben ganz nahe bin und doch noch eine große, lange  Reise vor mir liegt?!

Hoffentlich komme ich irgendwann an!

2

Diesen Text mochten auch

0 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  •  

Das Magazin

Die nächste Ausgabe:
15. Juli 2013

Neueste Artikel-Kommentare

NEON-Apps für iOS und Android