dieAusgang 26.07.2012, 21:49 Uhr 0 0

Mere Exposure... oder warum ertrag ich mich eigentlich?

Ich nerv mich. Dieses Spiegelbild nervt mich. Aber irgendwie geht es doch jeden Tag auf's neue klar. Aber wie viel Klarheit steckt darin?

Die Attraktivität eines Stimulus steigt mit wiederholter Wahrnehmung.
Das ist der Effekt, der dafür sorgt, dass ich etwas mag, je öfter ich es sehe.

Der Effekt, der dafür sorgt, dass das Lied immer besser wird, je öfter es in meinen Ohren dröhnt.
Außer den Ketchup-Song. Der bleibt schrecklich.
Und einfach alles von Xavier Naidoo und den Jonas Brothers.
Aber ansonsten alles.
Der Film, der beim 8ten Mal besser wird. Ein Klassiker.
Alles, was so naja ist. Und irgendwann dann doch dazu gehört und Alltag wird.
Bloß nichts neues. Nur das Vertraute, das ich kenne.

Mere Exposure sorgt für Ähnlichkeits-Anziehung.
Ich mag, das, was ist, wie ich. Das, was ich schon kenne. Den ich schon kenne.
Als Kind mochte ich mich nicht. Ich konnte mich nicht an mich gewöhnen. Keine Zeit.
Zu viel Veränderung. Jede Woche ein anderes Gesicht. Alles wächst und wird länger.
Irgendwann dicker.

Mere Exposure.

Jetzt bin ich seit Jahren ich. Ich hab mich an mich gewöhnt.
Mere Exposure ist der einzige Grund, warum ich mich nicht hasse.
Weil ich mich an mich gewöhnt habe.
Die Attraktivität eines Stimulus steigt mit wiederholter Wahrnehmung.
Ansonsten würde ich merken, dass ich nicht der bin, der ich jemals sein wollte.

Ich, heißt etwas, was ich niemals gemocht hätte, wäre ich nicht jeden Tag damit konfrontiert.
Ich gewöhne mich an mich, indem ich mich abfinde.
Und vor dem Spiegel wieder. Wer bin ich?“


Tags: Gewohnheit, Selbsterkenntnis, abfindung
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