.RehLein. 06.06.2012, 17:49 Uhr 4 11

Melancholie oder Nachts sind alle Katzen grau

„Schweigen ist Gold.“ sagt Kater und blinzelt mir zu.

Ich sitze auf dem Fensterbrett. Die Stadt schläft unter mir den hellen unruhigen Schlaf einer Getriebenen. Die Spitze meiner Zigarette glüht mit den Fenstern der Schlaflosen um die Wette. Kater sitzt neben mir und in seinen Augen spiegelt sich die Welt.

„Über allen Gipfeln ist Ruh`.“ sagt der Kater weise.

Ich schnipse die Kippe ins Leere, verschränke die Arme vor der Brust und wiege mich ein bisschen.

Hin und her. Hin und her.

Unter uns ziehen Autos ihre Bahnen. Um die Stadt. Durch die Stadt. Alle sind nirgendwohin unterwegs.

„Der Weg ist das Ziel.“ Kater leckt sich die Pfote und fährt sich damit übers Gesicht. „Oder: Viele Wege führen nach Rom.“

Ich atme tief ein, halte die Luft an, schließe die Augen, höre das Blut in meinem Kopf rauschen und spüre mein Herz schlagen. Ich fühle mich leer.

Ich sehne mich. Sehne mich nach Weite und Einsamkeit. Nach neuen Anfängen und guter Gesellschaft. Ich sehne mich nach allem und nichts. Ich sehne mich nach dem Ende meiner Sehnsucht.

Die Stadt ist eine Wüste. Endlos.

„Wo kein Gras mehr wächst, kann man auch in keins mehr beißen.“ schnurrt Kater leise. Er blickt mich an, die Augen schwarze Seen. „Wenn dir das Wasser bis zum Hals steht, darfst du den Kopf nicht hängen lassen.“

Also lege ich den Kopf in den Nacken und suche nach Sternen. Nach Erleuchtung, oder was auch immer. Aber die Lichter der Stadt haben die Nacht blind gemacht.

Mein Brustkorb ist ein Käfig, mein Herz schlägt schmerzhaft gegen seine knöchernen Gitter. Für einen Moment scheint es mir das Einfachste zu sein, mich vom Fensterbrett abzustoßen. Fliegen oder fallen. Wer weiß schon was passiert?

Kater neben mir rollt sich zusammen, legt den Kopf auf die Pfoten.

„Hochmut kommt vor dem Fall.“

Die Nacht fühlt sich verbraucht an. In meinem Kopf drehen sich die Gedanken im Kreis.

Ich bin rastlos. Atemlos. Ausnahmslos aussichtslos.

„Schweigen ist Gold.“ sagt Kater und blinzelt mir zu.

Ich wünschte, er würde seine Ratschläge nur einmal selbst befolgen. Trotzdem kraule ich ihm leicht die Stirn.

Ein Krankenwagen fährt unter uns vorbei. Das Blaulicht wirft flackernde Schatten an die Wände, die Sirene dröhnt in meinen Ohren.

Noch einmal lasse ich den Blick schweifen. Irgendwo im Osten beginnt schon der neue Tag. Ich drehe mir eine letzte Zigarette.

„Nachts sind alle Katzen grau.“ raunt mir der Kater noch zu und springt dann vom Fensterbrett in meine dunkle Küche.

Ich seufze und überlege, ob ich noch Milch da habe.





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4 Antworten

Kommentare

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  • 0

    ich hab das Wort BRUST in dem Text gelesen aber da ging es gar nicht um Titten?!

    08.06.2012, 10:14 von Surecamp
    • 2

      texte um titten sind doch auch langweilig... wos doch hier schon soviele bilder von titten und ärschen gibt!

      08.06.2012, 10:50 von .RehLein.
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  • 0

    Dein Kater ist ein echtes Phrasenschwein. Hat er dich schonmal angegrinst und sich dabei nach und nach in Rauch aufgelöst? ;)

    06.06.2012, 19:59 von wordmage
    • 1

      macht er regelmäßig. nur das grinsen bleibt übrig...

      06.06.2012, 20:09 von .RehLein.
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