_flusi 22.03.2017, 20:11 Uhr 41 6

Mein eigenes Monster

Wie es ist die Kontrolle zu verlieren.

Mein eigenes, kleines Monster.

Ich komme heim und du sitzt auf unserer Couch. Den ganzen Tag schon wartest du auf mich, hast gespürt dass ich einen schlechten Tag hatte um dich dann, wie immer, bei mir breit zu machen. Also setze ich mich neben dich, du begrüßt mich schon nicht mehr. Seit vielen, vielen Jahren spielen wir dieses altbekannte Spiel. Und ich hab nie eine Chance, du gewinnst immer. Nicht weil du betrügst oder schummelst, sondern weil du stärker und hartnäckiger als ich bist. Du bist fest in meinem Alltag integriert und egal was ich tue du begleitest mich.

Wenn ich die Pizza öffne stehst du bereits neben mir, klopfst mir auf den Hinterkopf und flüsterst, leise und gemein: „Bist du sicher, dass du das vertragen kannst? Ein bisschen Obst reicht doch sicher!“ Also mach ich den Ofen aus, fühle mich schlecht und esse einfach gar nichts. Vor dem Spiegel stehst du neben mir, betrachtest mich, piekst mir in die Hüfte. Ich schäme mich und fühle mich unwohl. Wenn ich mich mit jemanden unterhalten möchte, verbietest du mir den Mund. Machst, dass ich unsinnige Dinge sage, mich blamiere und dann den Mund von alleine halte. Du brauchst zu viel Aufmerksamkeit, so viel dass ich mich auf nichts anderes konzentrieren kann.

Beim shoppen lachst du mich aus, weil ich keine 34 trage. Flüsterst in meinem Kopf ich solle es doch lieber lassen, es sähe eh nichts gut an mir aus.
Wenn ich streite, schreist du laut mit. Verstärkst meine Stimme und lässt die Tränen schneller laufen. Ich hasse dich dafür, und trotzdem verlasse ich dich nicht. Du unterstützt meine Sturheit, hinderst mich am entschuldigen. Du redest mir ein, ungeliebt zu sein, nicht gebraucht zu werden. Bist der Meinung ich verdiene keine Liebe, du würdest schließlich die Einzige sein die mich versteht. Du hinderst mich am schlafen, füllst meinen Kopf mit düsteren Gedanken, schrecklichen Szenarien. Du reißt mich nieder und lässt mich in diesem verdammten Loch. Du machst mir Vorwürfe, redest mir Schuldgefühle ein und ich kann mich kaum noch kontrollieren. Du lähmst mich, an der Stelle wo mein Herz schlägt lässt du es nur noch dumpf klingen. Ich bekomme schlecht Luft und du drückst das Kissen noch fester auf mein Gesicht. Jedes mal reißt du alte Wunden auf, lässt mich den längst vergessenen Schmerz erneut spüren. Du gibst mir die Schuld an deiner Anwesenheit. Und ich glaube dir. Wegen dir mag ich keine Berührungen, höre die lieben Worte der Anderen nicht und bin ganz auf dich fokussiert. Tagelang lässt du mich weinen, sitzt nur neben mir und lachst. Deine Stimme ist lauter als alles, deine Anwesenheit präsenter als jede andere. Und ich hasse dich so sehr, hasse das was du machst, aus mir machst. Und dann hasse ich mich, hasse meinen Körper, meine Gefühle und das Gefühl der Leere.

Ich flehe dich an zu gehen, stundenlang. Du bist nicht bestechlich, im Gegenteil. Du kratzt, beißt und hältst dich an mir fest. Unerschütterlich. Bis du ganz alleine entschieden hast zu gehen. Vorschriften gibt es für dich nicht.
Und dann setz ich mich auf die Couch und du bist weg. Vielleicht machst du nur einen Spaziergang für die nächsten 20 Minuten. Vielleicht machst du auch gerade eine kleine Rundreise bei Anderen, kommst erst in 5 Tagen wieder. Natürlich ohne Kuchen und anklopfen. Schließlich hast du den Schlüssel, Zugriff auf alles. Ich hasse dich. Ich fürchte dich. Und manchmal fürchte ich, du gehst nie weg. Du bist schon so lange da. Stammgast. Ohne Miete zu bezahlen. Ich wünsche mir so sehr du würdest gehen, dauerhaft. Hab ich da ein Lachen gehört?
Du siehst aus wie ich, bewegst dich wie ich. Man hat dich Depression getauft, ich nenne dich jedes Mal anders. Versuche dir ein Gesicht zu geben, damit ich besser mit dir umgehen kann. Vergebens

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41 Antworten

Kommentare

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  • 0

    mehr Selbstbewusstsein und Vertrauen in sich wünsche ich dir 

    05.04.2017, 16:27 von phillippinn
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    Mal kurz zum Thema künstlerischer Umgang mit dem Thema Depression...

    05.04.2017, 14:17 von sailor
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    Schade, dass viele Reaktionen hier so negativ sind. Ich denke, man sollte nicht außer Acht lassen, dass hier Gefühle und keine Fakten niedergeschrieben wurden. 

    Vielleicht gibt es eine Therapie, vielleicht nicht. Das was doch im Vordergrund stehen sollte ist die Eindringlichkeit des Erzählers und was es in uns anstößt. 

    05.04.2017, 13:47 von LaaLaa87
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    Wow, sehr treffend und schön beschrieben. Ich kenne das alles auch nur zu gut. Dein Text hat mich angesprochen und berührt.

    02.04.2017, 20:45 von treeolia
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  • 0

    Hej, ich finde du hast das sehr schön beschrieben. Also mir gefällt der Text an sich- natürlich nicht der Inhalt, den ich traurig finde...
    Depression ist gut behandelbar, wenn du den Mut und auch die Kraft findest, dir Hilfe zu suchen. Dies beides wünsche ich dir, oder dem lyrischen Ich :)

    23.03.2017, 20:58 von Gluecksaktivistin
    • 1

      auf kundenfang, was?

      23.03.2017, 21:41 von EC_Lino
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  • 1

    Bei Neon gehoert staunen zum Tagesrhythmus 


    Das Thema ist so umfassend, so spezifisch und so ernst,  dass es wohl kaum hier "behandelt"  werden sollte.  Mit "guten"  Ratschlaegen brauchen wir gar nicht erst anzufangen, weil wir  nichts !!  wissen, was auch nur ansatzweise dem Autoren helfen wuerde,  waere er WIRKLICH  betroffen.  DAS  nehme ich ihm aber nicht ab.  Ein wirklich Depressiver begibt sich dorthin, wo ihm tatsaechlich geholfen werden kann.  Und das ist mit Sicherheit nicht HIER !!

    Ok.  Wuensche allen viel "Spass"  am Deuten und Raten. 

    servus


    23.03.2017, 20:54 von Dr_Lapsus
    • 1

      Aha. Was ist den ein "wirklich Depressiver"? Jemand der so gelähmt ist, dass er seine Wohnung nicht mehr verlassen kann? -  Deiner Meinung nach wohl nicht, denn "man begibt sich da ja hin, wo einem geholfen wird", klar... Jemand der sich mit Alkohol und Drogen zuballert, durch die Nacht rennt und sich völlig in selbstzerstörerischem Verhalten verliert? Dann wohl auch nicht. Jemand der auf einem Hochhausdach steht und überlegt ob er springen soll? Jemand der nach außen hin völlig normal funktioniert, im Inneren aber total leer ist?! Ich finde deinen Kommentar subjektiv wertend absolut scheiße. DU kannst nicht beurteilen, was "wirklich" depressiv ist. Es gibt so viele Formen und weißt du was? Schreiben, reden, denken hilft, also lass den Autor doch einfach. Natürlich sind wir hier keine Therapeuten, aber vielleicht ist es ja auch gar nicht das, was der / die Autor(in) sucht? Vielleicht möchte er sich einfach nur ausdrücken?  Sind genau dafür nicht solche Plattformen wie diese da? Denk mal drüber nach, anstatt Immer ALLES destruktiv schlecht zu machen.

      24.03.2017, 09:07 von Ich_bin_sie
    • 0

      denn

      24.03.2017, 09:07 von Ich_bin_sie
    • 0

      hallo  "du bist sie",


      ich empfehle dir, mal etwas genauer meinen Kommentar zu lesen,  weil ich keine Lust habe,  ueber DEINE  Empfindungen zu diskutieren.

      Wenn du glaubst,  der schnuckelige Bericht gehoert hier her, damit jeder User seine eigenen Idee dem Autor vortrage kann,  isset doch epochal prima.  Glaube soll ja Berge versetzen.  Und weil es tausend verschiedene Gruende fuer Depressionen gibt,  ist es noch unsinniger ueber etwas zu diskutieren, was wir gar nicht genau kennen.  (meine subjektive Meinung)

      Ich halte keinen davon ab, dies trotzdem zu tun.  Lese gern  eure "Vorschlaege",  weil sie mich stets zum Schmunzeln bringen.  


      24.03.2017, 12:18 von Dr_Lapsus
    • 1

      Es ist zum endlos Kotzen, wenn hier irgendjemand meint zu wissen, was man in diesem Rahmen veröffentlichen/schreiben sollte oder nicht. Das steht jedem frei.

      Und wenn du schon nicht glaubst, Lapsus, dass die Person wirklich darunter leidet, dürfte es doch auch kein Problem sein, wenn das Thema hier besprochen wird. Und selbst wenn. Selten jemanden erlebt, der so unreflektiert daher palavert.

      wissen, was auch nur ansatzweise dem Autoren helfen wuerde,  waere er WIRKLICH  betroffen.

      Du deutest und mutmaßt hier am meisten. Dass du das nicht merkst. In deinem ersten Kommetar in diesem Strang mutmaßt du nur. (schreit)

      05.04.2017, 15:16 von Feodor
    • 1

      Was die meisten anderen hier in den Kommentaren tun, ist mehr oder minder behutsam auf das Thema eingehen, ohne wild anzuzweifeln oder anzuprangern. Wozu auch? Wenn die Person sich für den Weg des offenen Angehens entschieden hat, so what!?

      Ein wirklich Depressiver begibt sich dorthin, wo ihm tatsaechlich
      geholfen werden kann.  Und das ist mit Sicherheit nicht HIER !!

      Was du alles weißt!? Glaubst du, was du da schreibst? Boah,ich reg mich so auf über dein selbstgefälliges Gequatsche.

      05.04.2017, 15:25 von Feodor
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  • 0

    depression hat einen grund, den würde ich aufspüren und vernichten. viel glück!

    23.03.2017, 20:14 von EC_Lino
    • 1

      im vernichten wollen liegt der grund.

      24.03.2017, 01:08 von Freyr
    • 0

      *gähn*

      24.03.2017, 04:20 von EC_Lino
    • 0

      so müde?

      25.03.2017, 12:24 von Freyr
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  • 1

    Falls Du nicht ein Zweit oder Siebtprofil von jemandem bist, der hier eh rumturnt, dann empfehle ich Dir einfach Dir professionelle Hilfe zu suchen. Statt Deine Gefühle auf einem pseudointellektuellen Forum wie diesem auszubreiten.
    Das wird Dich nicht nach vorne bringen.

    Außerdem. Hab Geduld mit Dir selbst. Wenn Du eine Kellertreppe mit 70 Stufen runterlatschst, kannst Du auch nicht erwarten, zwei Stufen hochzugehen, und dann wieder in der Sonne zu stehen.
    Außer, Du lebst in Wuppertal. Da gibt es solche Häuser.

    Und wenn Du Dir die Scheiße glauben kannst, die Du Dir jeden Tag selbst erzählst, dann kannst Du Dir halt zur Abwechslung mal einfach so was Nettes erzählen. Das dauert, aber irgendwann glaubst Du vielleicht das.
    Zu mehr Hobbypsychologie will ich mich an dieser Stelle nicht einlassen.Hol Dir Hilfe. Ohne Scham und Stolz.

    23.03.2017, 19:47 von der_mueller
    • 0

      Genau so isset;  Mueller.  Ein so ernstes Thema gehoert hier nicht hin,  wenn es einen User wirklich selbst betrifft.


      Mir scheint,  es  wird ueber etwas  geschrieben,  das so viele Ursachen haben kann,  dass die Userschaft als Nichtexperten  genau das Gegenteil bewirkt.  

      Ausserdem glaube ich auch nicht,  dass  der User wirklich ueber sich schreibt.  Wer schreibt so "elegant"  kuenstlerisch ueber seine Krankheit ?  Man kommt sich vor wie im Verarschungszirkus.

      Was dieser Aufsatz hier soll,  ist mir zwar klar,  kann es aber nicht glauben, dass es immer wieder probiert wird.  Herzchen  einsammeln.  :-(

      23.03.2017, 20:48 von Dr_Lapsus
    • 1

      Die Userin schreibt über sich selber, sie hat ein Instagram Profil und spricht dort ehrlich aus wie es ist an Depression zu leiden. 

      Viele verschweigen sowas ja gerne. 

      Bloß weil sie im schreiben begabt ist, ist es nicht möglich dass sie an dieser Krankheit leidet? Was für ein Schwachsinn. 

      Sie hat sich übrigens aufgrund dessen schon einweisen lassen und arbeitet in einer Therapie daran. 

      Das Schreiben darüber ist auch eine Art von Therapie und hilft damit klar zu kommen, es zu akzeptieren und daran zu arbeiten.. 

      Nur mal so als kleiner Denkanstoß! 

      03.04.2017, 18:49 von LisaJohnson
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  • 0

    Stimmt es, dass Depressionen besonders in der dunklen Jahreszeit auftreten, mit wenig  Sonnenlicht ?  

    Habe festgestellt,  dass Menschen, die taeglich in der Sonne leben,  am wenigsten Depressionen haben.


    23.03.2017, 19:03 von Dr_Lapsus
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 1

      Sonne und reichlich Vitamin D Umwandlung kann einiges. Aber nicht komplexe Probleme lösen.

      Es ist kein Zufall, dass die sozial und wirtschaftlich am höchsten entwickelten Länder mit hohen gesundheitlichen Standards und Bildungsniveaus nicht die sind, wo es am wärmsten ist, am meisten die Sonne scheint und klimatisch am bequemsten. 

      Je näher man dem Äquator kommt, desto ärmer im Schnitt und schlechter entwickelt sind die Länder vielfach. Sonne mag leichter mit bestimmten kleineren Mängeln umgehen lassen, aber ein Allheilmittel ist sie nicht.  

      23.03.2017, 19:41 von schauby
    • 0

      ich spreche nicht von Allheilmittel, Schauby.  Ich beobachte und frage die Menschen,


      Und hier habe ich  so gut wie keinen ueber Depressionen klagen hoeren.  Auch nicht in afrikanischen Staaten.  Die Aermsten der Armen muessten geradezu in Depressionen ersticken. Ist aber nicht so.

      Dagegen weiss ich, dass viele Deutsche der sog. Winterdepression enfliehen und sich in waermere  Gegenden absetzten.  Klar, die hatten alle genuegend Kleingeld,  um mehrere Monate sich auf Gran Canaria oder anderen Inseln das Leben ertraeglich zu machen.

      23.03.2017, 20:04 von Dr_Lapsus
    • 0

      Paris, wenn du nur hier her gekommen bist,  um zu staenkern,  kann ich dir nur mitteilen, dass ich das nicht mehr akzeptiere. 

      23.03.2017, 20:05 von Dr_Lapsus
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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  • 0

    solange etwas noch nicht chronisch ist, will es durch die belastenden Zeichen immer auf das Problem dahinter aufmerksam machen. Schmerz genauso wie Angst zeigt an, dass etwas fehlt. Medikamente, die Symptome dämpfen, kann eine vorübergehende Erleichterung schaffen, aber keine Lösung. Im Gegenteil sogar oft auf Dauer. Die äußerlichen Zeichen mögen zurückgehen, das eigentliche Problem dahinter, oft ein blockierter Entwicklungsschritt, das wuchert weiter zu und chronifiziert sich, greift auf andere Teile von Leib und Seele über. 




     It's not going to stop, til you wise up



    23.03.2017, 18:33 von schauby
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