AlexandraVonKnautsch 07.06.2018, 17:38 Uhr 11 5

Liebe Mädchen fickt man nicht in den Arsch

Unschuldig. Auch an diesem Abend wollte dieses Mädchen seinen Kummer unschuldig bekämpfen.

Mit Musik, laut aus der Stereoanlage oder aus dem Smartphone mit Kopfhörer. Tanzen hilft. Wie früher. Und Balladen helfen beim Weinen. Die depressive Schwere drückt seit Tagen. Am Abend besonders. Medikamente wollen nicht durchschlagen. Auf den Wein bloß nicht verzichten. Dieses Mädchen fühlt sich ein wenig erwachsen wenn es Wein trinkt. Job wieder weg. Keine innigen Beziehungen jedweder Art. Zielloses Dahinvegetieren. Unambitioniert. Frei ist sie. Ein ziemlich freies Mädchen. Alles Mögliche könnte es versuchen. Aber warum hat es keine Freude, etwas zu erfahren. Es weiß darüber, was es alles zu entdecken geben könnte. Das genügt nur leider nicht. Ein Dutzend Bücher über Depression, Ratgeber … Das mit dem Kind und der Heimat. Liest die Erwachsene. Ach was.

Was ist das für eine Depression. Die nach 3 Monaten klinischer Behandlung schon wieder erscheint und einfach nicht verschwinden mag. Seit 13 Jahren bei allen Versuchen, das Leben zu gestalten mitschwingt und lähmt. Von Verhaltenstherapie bis Innere Kind Arbeit. Viel durch. Vermutlich arbeitet sie nicht richtig mit. Oder nicht ausdauernd genug. Wie früher in der Grundschule. Einem Mitpatienten, so erzählte er es ihr, sagte sein Therapeut nach einigen Stunden, er brauche keine Therapie, er brauche einen guten Freund. Oh, wäre es schön, hätte ihr ein Therapeut dies gesagt. Das wird es sein. Könnte sein. Es wäre auf jeden Fall schon etwas.

Da ist eine Sehnsucht, die unstillbar ist. Aber sie sucht nicht nach der Erfüllung dieser speziellen Sehnsucht. Oder nicht bewusst. Ein Teil Ihrer Seele will angenommen werden im Ursinn. Das weiß sie doch alles mittlerweile und der Gedanke dafür suchen zu müssen, ermüdet sie. Sie weiß, dass sie nie die Liebe einer Mutter erhalten wird. Oder einem Vater. Aber der ist nicht so wichtig. Da ist noch eine andere Sehnsucht. Alles viel zu viel. Auf zu vielen Ebenen. Der Schmerz kann gelindert werden, sagt die Hoffnung. Nehmen Sie mit, was sie kriegen können. Von Menschen, die Ihnen noch begegnen, sagte ihre Bezugspflegerin in der Klinik. Die Pflegerin, die ihre Päckchen im Nacken ertastet hat, als sie das Mädchen massierte. Der Körper wieder tagelang angstkrampfte. Danke, dass ich das darf. Das sind alles Päckchen, die Sie tragen. Danke, dass Sie das sagen. Dieses Mädchen ist dankbar. Sein ganzes System ist darauf ausgerichtet, nicht einmal das Mindestmögliche an Zwischenmenschlichem einzufordern. Deshalb ist es dankbar, wenn jemand sieht, was gut für es ist. Alle natürlichen Abläufe … das Anbahnen, Herantasten … das ganze Programm … das Taktieren und allem voran das aktive Suchen. Es läuft bei ihr nicht. Nicht zeigen, was es braucht. Wenn es das zeigt, wird es lästig. Ganz bestimmt. Je mehr es fordert, desto weniger bekommt es vielleicht. Aber es fordert nicht. Sie weiß nicht, was sie will und weiß nicht, was sie braucht. Aber sie weiß, dass es braucht.

Es darf die Schuld niemandem zuweisen, dann spielt es das gleiche perfide Spiel, unter dem es damals selbst gelitten hat. Nicht wütend sein, nicht grollen. Aber war es nicht die Mutter, ihre Mutter … mit ihrem narzisstischen Wahnsinn und ihren 20.000 Wolke 7. Diese Männer … und sie. Ohne Substanz. Ihr Leben sei zerstört durch die Kinder. Das liebe Mädchen hat ihr Leben zerstört. Schon als du noch nicht geboren warst, hat sie sich vor Verzweiflung in den Bauch geboxt, weil sie dich nicht wollte. Eine Information, beiläufig erzählt beim Heraustragen von Kuchenplatten aus der Küche. Diese Information. Wohin damit. So essentiell und doch nur beiläufig. Weiter gehts mit Kuchen essen. Was machen die Nachbarn so. Gelächter. Und das Wetter so schön. Die Übergriffe… die Schläge mit dem Kochlöffel, dem Fensterleder, dem Kleiderbügel. Das mit der Luft. Immer die Sache mit der Luft und das Kissen auf ihrem Kopf. Diese Mutter drückte ein Kissen auf den Kopf dieses Mädchens und schrie dabei. All der Zorn und die Wut und die Unzufriedenheit schrie. Das Mädchen ist nunmal da. Und es schlug um sich mit Händen und Füßen. Wehrte sich. Luft. Und die Mutter, die weinte und sagte, sie habe das Mädchen doch lieb. Danach. Die hätte Sie umbringen können, sagte die Therapeutin aus der Klinik ernst zu dem Mädchen. Ihre Mutter ist die Täterin. Lass uns das verstehen, Kleine. Und dieser Urlaub. Das Mädchen spielte am Strand mit Schaufel und Eimer. Dann ging es ins Meer. Verlor den Boden unter den Füßen. Kein Boden mehr. Ein Steg wenige Meter weiter. Das schafft es nicht. Zwei Männer. Männerbeine. Wasser. Wellen. Männerbeine. Sie springen vom Steg. Wieder wach. Zwei Männer trugen das Mädchen zum Strand. Die Mutter … schaute weg. Nicht Richtung Meer. Wo schaute sie hin. Hier bin ich wieder, dachte das Mädchen. Etwas ist passiert. Schlimmes passiert. Da, da ist meine Mutter, sagte das Mädchen. Aber sie lag auf dem Badetuch und schaute in eine andere Richtung, die Augen geschlossen. Hier stimmt doch etwas nicht. Angekommen. Was machst du denn für Sachen, Mensch Kind. Danke, Oh danke zu den Männern. Ungeheuerlich, was die Erwachsene ahnt. Immer das mit der Luft. Und der Krupphusten ganz früher. Als es allein war zuhause mit der größeren, kleinen überforderten Schwester. Wo ist Mama. Und der Papa. Keine Luft. Es kann nur erkennen, was all das mit ihm gemacht hat. Dichtgemacht. Das ist seine Aufgabe. Und dann musste es sich richten. Aufgemacht.

Sein ganzes System schützt es und es kann nicht einschätzen, bei welchen Menschen es etwas erwarten darf und bei welchen nicht. Was ist echt … Was ist denn verdammt nochmal echt. Unerträgliche Scham über die eigene Bedürftigkeit und Sehnsucht. Das darf doch keiner sehen! Eine innige Freundschaft aufbauen. Anlehnen dürfen. Es war nie da. Nähe. Oder verliebt sein. Das Mädchen sehnt sich nach all den Möglichkeiten, die es gibt im Zwischenmenschlichen, die ein wenig Linderung verschaffen. Wie viele Jahre kann ein Mensch leben ohne all das. Alles was so existiert zwischen und nach bedingungsloser Elternliebe und Verliebtsein. Bitte unkommentiert. Bitte unerklärt. Bitte wortlos. Erkannt. 

Das Mädchen wurde immer nur gefunden.

Das Mädchen traut sich
Die erste körperliche Nähe zu einem Jungen. 22 Jahre alt. Er 28. Nur grapschen. Starr liegen, ihn nicht anschauen, Lass ihn grapschen. Abwartend, ob es sich auch mal gut anfühlt. Unschuldig. Aushalten.

Der erste Sex. 24 Jahre alt. Er  53. Lass ihn rein. Lass dich erschrecken. Wenig Lust. Viel Krampf. Gekotzt. Unschuldig.

Das Mädchen liebt
Die erste emotionale Nähe. 29 Jahre alt. Er 52. Das Mädchen verfügbar. Ein krebskrankes Mannskindchen. Potenzgestört wegen Chemotherapie. Aber die körperliche Nähe tat trotzdem gut. Ein kleiner Junge. Die Krankheit machte das mit ihm. Krankheit macht Menschen echter, wenn auch nicht gleich ehrlicher. Pferde besaß er. Pferde seien so sensible Tiere, schwärmte er. Wie ein gut aussehender Cowboy. Viel zu gutaussehend für sie. Ganz unschuldig. Die Erwachsene hat sich entschieden, zu lieben. Da lag er auf dem Bett und bat dieses Mädchen, ihn doch in den Arm zu nehmen. Diesen großen, verlebten Mann und das machte es. Das machte es. Es tröstete ihn für seine unglückliche Liebe zu einer anderen, während es begann, ihn zu lieben. 

Wenige Wochen später lag es selbst so da und er war gegangen und es war so wütend, ihm die Umarmung gegeben zu haben, während es sich nach seiner/einer sehnte und kein verdammter Mensch in seinem Leben existiert, der ihm eine hätte geben können in diesem Moment. Ich habe Angst, dich zu verletzen, sagte er, während er es verletzte. Jedes einzelne seiner weißen Blutkörperchen wurde sein bester Freund. Aggressiver Blutkrebs. Fünf oder sechs Jahre … sagen Ärzte. Es hätte seine Hand gehalten. Bis zum bitteren Ende. Doch die andere Frau. Gewartet. Nach einem Jahr meldete er sich. Doch das Mädchen ist nicht verfügbar. Es ist kein Ufer. Keine Wut. Es tut mir leid, aber … es geht nicht, sagte das Mädchen und legte auf. Es gab den Zeitpunkt, da hat es sich entschieden. Aber es verzichtete. Mit Herz und Verstand. Wie bitter mag sein Ende sein.

So treibt es das liebe Mädchen mit älteren Männern.

Das Mädchen fickt
An diesem Abend wollte dieses Mädchen also seinen Kummer zunächst unschuldig bekämpfen. 33 Jahre alt. Es fühlt sich erwachsen und trinkt Wein. Dann dieses Facebook. Dieser flüchtige Bekannte. 37 Jahre alt. Es ist 0:20 Uhr und er schrieb. Komm noch raus. Und es lief raus. Noch mehr Wein. Später gingen sie hinein. Sie ließ ihn hinein. In ihren Raum. Was tat sie da. Sie kennt ihn kaum. Und noch mehr Wein. Musik. YouTube auf der PlayStation. Sie zeigten ihre Favoriten. Wie zwei Teenager. PlayStation. Lust ohne Nähe. Etwas Lust. Dann kaum Lust. Sie findet sich nicht schön. Nicht schön dabei. Generell nie schön. Abstand. Lust. Abstand. Er packte sie. Das Mädchen. Bett. Mechanisch. Wie ein Pornodarsteller agierte er. Das müssen wohl alle Nummern sein, die es gibt. Tätowiert. Analfixiert. Es ist peinlich. Das Mädchen lachte verlegen, verwegen. Überfordert. Nicht doch. Willst du den. Willst du den. Fragte er. Groß.

Das geht doch nicht, flüsterte es. Das ist doch eklig. Dieser Arsch, da will ich rein. Finger drücken in alle Öffnungen. Das gefällt ihr nicht. Dem Mädchen auch nicht. Sie lassen es eben mit sich machen. Das Mädchen und sie. Fast die ganze Faust da vorne. Nein, stop, das ist zu viel. Und Finger da hinten. Aber das Große …. Das Große da hinten bitte nicht. Drück das Kissen auf meinem Kopf. Nimm mir die Luft. Die Erwachsene schwieg und dachte ich will nicht mehr. Leben. Atmen. Das sagst du jetzt nicht. Du bist verrückt. Das ist verrückt. Küssen. Jetzt mal mit Gefühl bat er. Da ist kein Gefühl. Aber schön, dass er das sagt. Es nimmt die Härte. Ihre Brüste malträtierte er, als würde er Gitarrensaiten aggressiv anzupfen. Sie spürte nichts. Keine Nähe. Kaum Lust. Feucht. Keine Lust. Feucht ohne Lust. 

10 Stöße ohne Verhütung. Dann Schluss. 

Gutes Mädchen, liebes Mädchen, dachte das Mädchen. Aber liebe Mädchen fickt man doch nicht in den Arsch. Er schlief ein. Sie weinte. Lag auf der Seite. Die Beine angewinkelt. Wie der Fötus im Mutterleib. Das ist doch peinlich. Der Körper zitterte. Keine wärmende Decke. Erstarrt. Die Decke nicht vom Boden aufheben. Keine Kraft. Es weinte. Sie weinte. Leise. Unbemerkt. Wie lang er wohl jetzt schlafen mag. Zum Wecken und Rausschmeißen ist es zu lieb. Aushalten. Er muss weg. Das ist ihr Raum. Dann ging er. Distanz. Leere Blicke. Kein Versprechen. Dem Mädchen tut es leid. Es kotzte. Und weinte.

Die Bettwäsche musste gewechselt werden. Seine Spuren vernichtet. Es ist Abend. Das Mädchen wurde müde und die Erwachsene weinte noch immer und dachte zu viel. Sehr viel. Und dann sagte es zu sich mit einem Gefühl der Hoffnung: Vielleicht werde ich irgendwann einmal lieben. Dürfen. Fallen lassen. Geborgen sein. Dürfen. Vielleicht einen Mann. Vielleicht eine Frau. Ein anderes Mädchen. Geben. Aber am besten wäre es, dürfte es zuallererst sich selbst lieben.


Tags: Depression
5

Diesen Text mochten auch

11 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  • 0

    There are really easy way to get free appnana hack online without spending a single penny.

    20.06.2018, 13:25 von bruno99
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Even greater wine. Later they went internal. She allow him in. In her room. What turned into she doing there. She slightly knows him. And greater wine. tune. YouTube at the PS. They are their favorites. Like two young adults. Playstation. preference without proximity. some thing fancy. Then infrequently choice.Do My Essay Fast


    14.06.2018, 12:28 von Elizaa
    • Kommentar schreiben
  • 0

    I am grateful to have opened this discussion. This question is quite interesting to me. Finally the answer was found, run 3

    14.06.2018, 11:14 von annashetty
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Krasse Geschichte. Geht unter die Haut. Hoffe, du erzählst da nicht zu viel von dir selbst.

    13.06.2018, 19:35 von CarlostheBoss
    • Kommentar schreiben
  • 0

    Seit wann gehen denn 28-Jährige noch als "Jungen" durch? lel

    08.06.2018, 14:38 von mirror87
    • 2

      Seit die Kerle bis Mitte 30 im Hotel Mama wohnen ;)^^

      09.06.2018, 22:46 von Gluecksaktivistin
    • 1

      *chrchr*

      11.06.2018, 12:00 von chiral
    • 1

      Hier kommt JEDE Woche MUTTI und putzt die Wohnung von Sohnemann und wäscht seine Wäsche, die dann im Hof hängt. Dafür fährt sie extra 45 Minuten von ihrgendeinem Kaff in die Stadt.
      Da wundert einen gar nichts mehr, bei solchen Frauen.

      11.06.2018, 14:23 von Gluecksaktivistin
    • 1

      Na, wie war das noch mal mit dem Einzelfall auf die Allgemeinheit und so? :-)

      11.06.2018, 16:35 von mirror87
    • 0

      Dsa mit Mutti habe ich nur für Chiral nebenbei bemerkt, das hat nichts mit "Hotel Mama", was ja eher ein bekanntes Phänomen vieler ist (aus unterschiedlichen Gründen) zu tun. Ich hoffe mal schwer, dass das ein Einzelfall ist.

      11.06.2018, 16:40 von Gluecksaktivistin
    • Kommentar schreiben
  • 0

    igitt

    08.06.2018, 13:58 von green_tea
    • Kommentar schreiben

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare