tiefversteckt 10.07.2012, 02:11 Uhr 0 1

Kalter Kartoffelbrei

Weiß.

Lautlos sind unsere Worte und gefrieren in der Luft zu Schneekristallen, die langsam zur Erde sinken. Während die Kälte mich umfängt und ich falle, falle wie puderweicher Schnee, schließe ich die Augen und sehe ins schwarze Nichts.
Im Fallen denke ich, dass es sich mit geschlossenen Augen so anfühlt, als ob ich im Universum schwebte und während weiße Milchstraßennebel meinem Mund entweichen, versuche ich die kalten, weißen Schneesterne zu berühren, bevor sie zu Schneeschnuppen verglühen und nichts außer roten Funkenschweifen in der Unendlichkeit hinterlassen.

Ich wache auf in einem kalten, weißen, sterilen Raum. Statt des schwarzen Nichts nun weißes Nichts. Am Ende immer nichts, ich bin nichts, nichts bleibt.
Drehe meinen Kopf zur Seite. Auf dem kleinen weißen Schränkchen ein weißer Teller mit weißem Nichts. Eine erschreckend dunkle Gabel daneben, die spitzen Zacken bedrohlich auf mich gerichtet. Statt der Zacken sticht mich die Farbe direkt ins Auge.
Weiße, bleiche Arme, die meine sein könnten, strecken ihre Hände nach dem Teller aus, legen den Teller auf meine weiße Decke.
Starre mit meinen löchrigen Augen Löcher in das weiße Nichts auf dem Teller. Helfe mit der erschreckend dunklen Gabel nach die Löcher zu vertiefen.
Hieve ein bisschen Nichts auf meine kalte Gabel, stecke sie in den Mund. Alles ist kalt und schmeckt nach nichts. Echte Leere auf meiner Zunge.
Weiße, bleiche Hände, die meine sein könnten, fassen besorgt dahin, wo einmal mein Mund war und jetzt das weiße Nichts. Aus der Leere ragt ein dunkler Strich hervor, der wie ein Dorn an das Nichts festgewachsen ist.
Streiche mir fahrig mit meinen weißen, bleichen Händen eine Strähne aus dem Gesicht. Meine weißen, bleichen Hände.
Nehme die Gabel aus dem Mund und male mit meinen Fingern Strudel in den kalten Kartoffelbrei.

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