CrimsonMeadow 30.11.-0001, 00:00 Uhr 1 0

Irgendwo muss man doch hin.

"Ich versteh' das immer gar nicht. Wenn sowas ist kann man sich doch helfen lassen."

Du lässt dich aufs Bett fallen, Gesicht nach unten, Arme fallen kraftlos hinterher. Neben dem Bett klatscht etwas auf den Boden - gar keinen Bock, das jetzt aufzuheben.
Du wusstest schon lange, dass das jetzt passieren müsste. Aber irgendwie passt das trotzdem nicht ins Bild, hat sich vorher nicht so vorstellen lassen. Hat nicht so viel Angst gemacht in der Welt, die sich deine Gedanken aufgebaut haben; hat sich noch verdrängen lassen. Geht jetzt nicht mehr. Wahrscheinlich.
Du denkst: 'Was zur Hölle jetzt.' Und Scheiße. Am öftesten denkst du eigentlich Scheiße, und Scheiße, und Scheißescheißescheiße. Dazu Fetzen der letzten Tage. Wie sich deine Schwester über eine lustig gemacht hat, der es genauso ging. Faule Pennerin könnte sie gesagt haben, irgendwas mit so ner Konnotation auf jeden Fall. Wie Schilderungen vom richtig dick inner Drogenscheiße stecken sich genauso angehört haben wie dein ganz normales Gefühlsleben. Wie jeder an dich glaubt und dir zutraut, dass du durchkommst, und du jetzt keinem von ihnen mehr ins Gesicht schauen magst, selbst in Gedanken schaust du immer auf den Boden und niemandem in die Augen.

Und über allem pendelt Gedanke, dass das deine eigene Schuld ist, wessen denn auch sonst. Will jeden Moment auf dich herabstürzen und dich zerschmettern. Nur warum das so ist, das verstehst du nicht. Warum dir alles egal ist, bis es zu spät ist. Warum du an nichts mehr glauben kannst, und warum du das Gefühl bekommst, dich vor anderen verstecken zu müssen, um sie nicht mit in diesen hässlichen Sumpf zu ziehen, aus dem herauszukommen du schon aufgegeben hast, ohne es jemandem zu verraten. Auch dir selbst nicht, aber du warst schon immer paranoid genug, um zumindest etwas zu ahnen.
Was also jetzt?
Nochmal studieren? Aber was? Und wie soll man das diesmal durchziehen?
Oder ne Ausbildung? Aber welche? Und wer nimmt einen in dem Alter schon, und mit der Motivation?
Oder Kunst? Irgendwann konntest du doch mal schreiben, und zeichnen, und Musik auch so bisschen.
Es gäbe schon Möglichkeiten, so ist das nicht. Die gibt es immer. Nur glaubst du eben nicht mehr dran, dass dir irgendwas davon Halt geben kann. Irgenwas muss man doch machen. Stillstand ist Tod, das weißt du seit du 15 bist. Zwei Jahre später hat dein Vater dir erklärt, was Apathie ist, aber was man damit anstellt, das wusste in dem Moment keiner. Immer ein aber, immer ein nein. Dich kotzt das so an, aber... es bleibt ganz einfach so.

Was man anzustellen hat. Du wirfst einen Arm aus dem Bett und fährst den Boden nach dem ungeöffneten Brief deiner Uni ab. Hast ihn. Hälst ihn so weit nach oben, dass er aus dem Augenwinkel sichtbar ist. Sieht wichtig aus. Scheiße.

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Kommentare

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    haja, die studienbescheinigung mit dem semesterticket. ist doch geil!

    04.10.2014, 16:19 von nnoaa
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