NieOhne 11.09.2018, 14:18 Uhr 3 4

Ich könnte ...

mir jetzt den Kopf zerbrechen über alles.

Ich könnte mir jetzt den Kopf zerbrechen über alles. Über Beziehungen und wie sie funktionieren, darüber was Liebe ist, was Verliebtsein ist, was Sex ist und auch wie alles mit allem zusammenhängt. 

Ich könnte das große Rad drehen, von kultureller Prägung, historischem Gewordensein der Gesellschaftsordnung, von Patriarchat und Monogamie, von Kapitalismus und Individualisierung, von der Freiheit der Liebe und der Liberalisierung der Sexualität. 

Vom Hundertsten ins Tausende könnte ich gehen. 

Ich könnte. 

Ich könnte dann auch noch analysieren was hier passiert. Tu ich ständig, ich bin da super drin. Ich bin sozusagen emotional hochbegabt und zudem hochsensibel. Was denkst du denn, was ich da alles denke, fühle, wahrnehme und zwar bewusst. 

So könnte ich mir ausmalen was als nächstes passiert, welche Konsequenzen das alles hat für mich, für meine Ehe, für meine Beziehung zu Paul. 

Oh Gott. Ganze Endzeitszenarien könnte ich kreieren, da bin ich nämlich gut drin. Ich könnte dann auch noch, weil es noch nicht genug ist, die große Keule Moral schwingen und mich für all das verurteilen, mich abwerten, und mich dann beschämt verziehen. 

Ich könnte mir auf der Schablone meiner bisherigen Erfahrungen und Prägung ein Bild machen.  Mit uns. Und mit uns Dreien im Speziellen. 

Aber ich weiß, diese Schablonen sind starr verankert, sie sind immer gleich, (bei jedem Menschen ist das übrigens so). Das funktioniert zum Beispiel über Glaubenssätze, über Annahmen über mich und die Welt. Gebastelt werden die in der Kindheit. Da werden die Glaubenssätze über das Ich und die Welt, über das Geliebt- und Angenommen sein gelegt. Da entscheidet sich, ob der Selbstwert groß oder niedrig, ob man wackelig steht in seinen psychischen Instanzen, oder ob alles immer Katastrophe bedeutet, und vor allem was allen in unseren Kulturkreis eingeimpft ist: Dass die Liebe immer weh tut und Leid verursacht. Das glauben sowieso alle. Weil alle diese Starre und diese Verwundbarkeit aus der Kindheit mit sich schleppen. 

Genau, ach ja, über meine Kindheit könnte ich mir jetzt auch Gedanken machen. Über etwas das nicht mehr zu verändern ist und sowieso vorbei ist. 

Das alles könnte ich denken. In einem bioelektrischen Impuls steckt so viel Wucht und Schub für abertausende parallele Gedanken. 

Ich könnte. 

Ich könnte mir den Kopf zerbrechen über die Menschen um uns herum. Sind sie empört, neidisch, geil, gierig, lüstern oder erschrocken? Vielleicht sind sie verletzt? 

Was denkt man, wenn die meisten Menschen um einen herum, einem in die freigelegte Muschi schauen können?

Was denkt man so, sitzt man mit zwei äußerst attraktiven Menschen inmitten einer Party und spielt da gemeinsam so an sich herrum, als wenn es kein Morgen geben würde? 

Und vor allem: Als wäre es ganz normal. 

Was es hier auch ist. Eigentlich. Normalerweise darf man das hier. Tut nur keiner. 

Außer uns.  

So was wie hier habe ich noch nie erlebt 

Vorhin küssten wir drei uns heftig, hier auf der Couch. 

Hinter uns  ist die Bar, die Leute kommen und gehen. Momentan kommen sie wohl eher, als dass sie gehen. Es scheint sich rumgesprochen haben, dass sich hier etwas interessantes abspielt. 

Zwei Couchgarnituren und ein Tisch stehen in der Mitte der kleinen Empore. 

Wir drei sitzen links, steht man mit dem Rücken zur Bar. 

Ich stelle ein Beim auf den Tisch, meine Schuhe habe ich verloren, wo sind sie eigentlich, blitzt es durch meinen Kopf. Ich weiß es grad nicht. Ich habe zwischen Küssen, Anfassen und Geilsein die Orientierung verloren. Niedrig ist der Tisch, mein Zehenspitzen sind gestreckt. 

Nun küssen sich die beiden - er und sie - und ich lehne mich nach vorn. Ich küsse ihre Brust, streiche, necke ihre Warzen. Dann gehe ich tiefer. Diese schwarze Spitze macht ihre Haut noch interessanter, noch sinnlicher. Oh wie schön das ist. Das ist ein Fest, das ist schon mal klar, und damit meine ich nicht die eigentliche Party. 

Ich werde wieder zu den beiden gezogen, mein Oberkörper richtet sich auf, Paul greift meine Haare und küsst mich heftig, sie gleitet wieder in meinen Schritt und bespielt meine Muschi. 

Auch Paul drängt danach, er beißt mir in den Hals, ich schreie, dieser Schmerz peitscht mich auf. Ich fließe, bin nass, mein Netzkleid ist schon kaum noch vorhanden, es ist hochgeschoben bis über meine Brüste, ich könnte es auch ausziehen. 

Ich lasse meinen Kopf zurück fallen. 

Wieder küssen sich die beiden und gleichzeitig streicht mir Paul über meine Brust. 

Dann ein Stellungswechsel, ich soll hoch, mich über ihn knien. Mache ich sofort, während ich mich bei ihr abstütze und sie auf ihren Mund küsse hebe ich mein Bein, es kniet nun auf der Rücklehne. Das andre kniet neben ihr. Ich bin quer positioniert, strecke Becken und Rücken, Paul kann nun ohne Probleme unter meine Muschi gleiten, er hat vollen Zugriff. 

Und doch, so verquer es erscheinen mag, ich könnte mir grad jetzt allerhand Gedanken machen. Gedanken die mich blockieren, die mich sogar übel runterziehen: 

„Hat er sie grad mehr angefasst als mich, das geht nicht, schließlich sind wir ja zusammen!“

Oder: „Sie will mich eigentlich nur wegen ihm. Eigentlich will sie mich gar nicht!“

Oder auch total beliebt: „Ich bin das Dritte Rad am Wagen, mich dulden sie nur, weil sie eigentlich nur geil aufeinander sind, aber nicht auf mich!“

Was übrigens alles völlig an den Haaren herbei gezogen ist, denn beide kümmern sich grad um mich, und zwar sehr deutlich. 

Ach wie herrlich könnte mein intelligenter Verstand das jetzt alles kaputtt machen. Das hier. Diesen Moment. Diese Wärme, Zuneigung und das Gewogensein. 

Mein Herz ist ganz warm. Diese Frau ist so viel. Sie ist nicht nur Sexgespielin, nein sie kann mir Freundin sein, ein Herzmensch werden weil wir uns mögen, weil wir schwingen, weil wir das Warme und Intensive teilen. 

Oh ja, all das und noch mehr. 

Und Paul? 

Ich liebe ihn und nie zuvor spürte ich das mehr. Das alles ist liebevoll und wir verstehen uns ohne Worte. Er und ich. Wir beide machen das hier in Vertrauen. Und vor allem: Wir können das. Das alles! Mit ihr. Hier, in dem Set, mitten unter den Leuten. Wir verheddern uns nicht, wir genießen. 

Genießen uns.
Heute Nacht. 

Dafür haben wir etwas gebraucht. Dazu mussten wir etwas verstehen, etwas fühlen und erkennen: 

Der Kopf macht bis zu einem gewissen Grad zu viele Probleme. Er produziert sie ständig, denn es ist sein verdammter Job das zu tun. Und weil wir schlaue Menschen sind, hört er nicht auf damit. 

Man könnte jetzt sagen, dass wir uns irren, wir sollten mal mehr darüber nachdenken. 

Man könnte das alles damit zerstören. Das Warme, das Freie, das Liebevolle. Diesen Moment. 

Man könnte auch einfach sein Herz öffnen, den Verstand und alles was er tut so sein lassen, und beginnen zu fliegen. 

Und wir fliegen hoch. 

Heute Nacht. 


(Das Paradies ist kein Ort sondern ein Bewusstseinszustand - RUMI)


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3 Antworten

Kommentare

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  • 3

    beziehungen sind sache der beteiligten.

    ebenso die daraus resultierenden folgen.

    12.09.2018, 12:24 von ga
    • 0

      Ga nz Genau :) Danke fürs Herzl. 

      12.09.2018, 21:00 von NieOhne
    • 0

      Jo, was wissen die Beteiligten, was nicht. ;)

      13.09.2018, 01:47 von Freyr
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