madame_incertaine 30.11.-0001, 00:00 Uhr 0 1

Hier.

Zurück zum monotonen Wirrwarr, der Einfachheit halber.

Und mal wieder sitze ich hier - mitten im Leben und doch so weit davon entfernt. Die Geräusche um mich herum nehmen ich die meiste Zeit gar nicht wahr. Zu sehr bin ich daran gewöhnt. Straßenbahnen, Autos und Menschen verschwimmen zu einem einzigen monotonen Wirrwarr. Aber es gefällt mir, irgendwie.
Ich will das gesamte Wirrwarr gar nicht entschlüsseln. Ich will, dass es monoton und fremd bleibt. So kennen wir uns nun mal - ich: hier sitzend. und es: um mich herum wirrend. 
Und doch erwische ich mich, wie ich manchmal versuche es zu verstehen, die Menschen um mich herum zu verstehen. Ich weiß ja, dass sie etwas sagen, aber ich verstehe es einfach nicht und gebe mal wieder auf. Zurück zum monotonen Wirrwarr, der Einfachheit halber. 

Dieses Leben hat sich so in mich eingefressen wie die kleinen Löcher auf meinem Körper, die Reste der Windpocken aus früheren Zeiten. 
Guten Zeiten. Man stelle sich das mal vor: zwei Wochen im Bett, der Körper übersät mit kleinen Pusteln, ständigen Juckattacken und in meinen Erinnerungen als 'Gute-alte-Zeit' gespeichert. 
Aber hey, immerhin habe ich noch Erinnerungen. 

Ich sitze hier auf meiner Lieblingsbank, an meinem Lieblingsort.
Meine alte, morsche, verdreckte und doch so geliebte Bank, auf der kleine Insekten hochkrabbeln, als wäre es ihr Spielplatz, so wie ich früher an meinem Baum hochgekrabbelt bin, weil es mein Spielplatz war. Mein Baum den es heute nicht mehr gibt.
Von Jemanden aus dem monotonen Wirrwarr einfach entfernt - ohne Rücksicht auf mich. Aber warum hätte er auch Rücksicht nehmen sollen? Wir kennen uns ja nicht einmal. Und er kannte meinen Baum nun mal nicht.

Jedes Mal wenn ich mich hier hinsetze, dann hoffe ich, dass meine Bank mich ein weiteres Mal aushält. Nicht unter meiner Last zusammenbricht und ich auf den dreckigen Boden der Erde falle. In den ganzen Schmutz und Schutt. Und vor allem hoffe ich, dass ich nicht den Spielplatz der anderen niedermache. Schließlich kennen wir uns.

Und während ich hier auf meiner Bank sitze und alles so an mir vorbeifliegt frage ich mich, was ich mit diesem Leben anfangen soll? Dieses Leben was jetzt ganz allein mir gehört.
Was tut man eigentlich, wenn man alles erreicht hat, was von einem verlangt wurde? 
Und wie soll man überhaupt noch wissen, was man tun möchte, wenn es immer jemand anderes für einen wusste? 

Ich schiebe den Gedanken weiter. Zu anstrengend jetzt eine Lösung dafür zu finden. Ich weiß nur, dass das hier meine Bank ist. Voller Erinnerungen - 'Gute-Alte-Zeiten' Erinnerungen. Und das reicht mir für den Moment.

Und doch vergeht mit der Zeit auch irgendwann dieser Moment und der nächste kündigt sich an. Ein neuer Moment mit alten Fragen und das Wirrwarr um mich herum wird wieder lauter. Aber bevor ich wieder vergebens damit anfange es zu entschlüsseln, beschließe ich aufzustehen und endlich weiter zu gehen, anderen meinen Platz zu überlassen und zu hoffen, dass sie ihn ebenso wertschätzen. 
Dass sie Rücksicht auf meine Erinnerungen nehmen.


Und vielleicht finde ich auf meinem Weg ja auch einen neuen Baum- wer weiß das schon.


Tags: Leben, Alltag, Fühlen, Wirrwarr, Durcheinander, Verstehen
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