nurluftundluegen 26.01.2018, 23:22 Uhr 0 1

Haltestelle

Ja ja ja, ich mach das irgendwann.

Zwischen den Augenblicken, die du dein Leben nennst, rennt dir die Zeit davon, tickt die Uhr unfassbar laut, und zwischen deinen Augen und deinen Ohren, spürst du ein ohrenbetäubendes dröhnen. Raus aus deiner Haut, raus aus diesem Leben, hier gehörst du nicht hin, hier bist du nie gewesen, wer du bist, hier bist du nie wirklich stehen geblieben. Du spürst deine Beine, die tragen dich tagelang, von einem Ufer zum nächsten, die tragen dich, von einem Ort zum nächsten, wenn du nur willst. Wenn du dich endlich wirklich bewegst. Wenn du endlich deine Tasche, deine Sachen, deine Angst, packst, wenn du sie endlich packst und einfach gehst. Weil es einfach ist, weil dich doch nichts mehr hält, weil dich doch nichts mehr beschreibt, nur die Angst, die du zwischen deinen Knochen trägst, die auf dir liegt und dich immer Richtung Boden zieht.
Zwischen den Enttäuschungen, die du erlebst, weil du die Erwartungen an dich selbst, auf jeden Podest stellst, den du nicht erreichen kannst, weil du so gerne tanzt, wenn du betrunken bist, weil du dann all deine Ängste vergisst. Weil du alles planen willst, weil du immer vergisst, dass sich das Leben nicht planen lässt. Denn es tut was es will und du treibst nur mit, wehrst dich nicht mehr, trauerst alten Zeiten nach, die gar nicht besser gewesen sind, nur anders. Du buchst einen Flug, buchst Zeit für dich alleine, packst deine Angst in einen Koffer, hast Sehnsucht nach der Einsamkeit, der heilenden Zeit, der Zeit in der du findest was du suchst, vielleicht um herauszufinden, wer du eigentlich bist, vielleicht willst du nur wissen, wohin das Leben dich trägt, wohin du dich tragen lässt. Wohin sie dich treiben, wie sie dich verjagen, und du hörst dich nur klagen, immer nur sagen „Ja ja ja, ich mach das irgendwann.“ Doch irgendwann ist heute, du hast zu viel gewartet, im wartenden Zustand verweilend, vergisst du das Leben, es zu leben. Alleine sein um hinterher zu sagen, immer allein gewesen zu sein und nicht mehr wollen, nicht mehr träumen, von dir, mit ihm, mit ihm, ein anderer Ort, keine Zeit, weil die keine Rolle spielt, weil du keine Rolle spielst, nur deine eigene.

Zwischen den Riesen, die aus Angst gewachsen sind, kauerst du stumm, siehst dich nach dir um und löscht das Feuer in dir – dabei willst du nur brennen, nicht mehr rennen, nicht mehr flennen. Einfach nur brennen, bis alles leer ist, bis nichts außer Asche übrig ist und du gehst tief in dich hinein, so tief bis es dunkel wird, die Hände sind nicht mehr zu sehen, deine Augen aufgerissen, du willst nicht mehr stehen und kannst nicht mehr fallen. Du nimmst deine Tasche, vielleicht noch eine Jacke, du frierst zu schnell, du fährst zu schnell, auf deinem Rad, die bremsen sind kaputt, doch wer braucht die schon. Du packst deinen Kopf und fasst dir dein Herz. Mit jedem Schritt vergibst du dir selbst, umso weiter du weggehst, umso näher kommst du dir selbst.


Tags: irgendwann
1

Diesen Text mochten auch

0 Antworten

Kommentare

  • Kommentar schreiben
  •  

NEON fürs Tablet: iOS und Android!

Neueste Artikel-Kommentare