Alceste 30.11.-0001, 00:00 Uhr 51 156

Gutemienes Fratzen

Alle Augen willst du auf dir sehen und kannst doch nie der Himmel sein.

Wir warten an diesem unnatürlichen Ort und natürlich bist du nicht entspannt. Du magst dich noch so dehnen, noch so tanzen, noch so kokettieren, doch man kann die Ketten klirren hören, Gutemiene, unaufhörlich. Lass doch los und lösche dieses Bild von dir, das du in alle Galerien hängst. Das heißt ja nicht verlieren. Du musst nicht Mona Lisa sein. Man eifert nicht um Heiterkeit. Und doch bist du so sehr Bemühen, dass beinah die Poren platzen: Dieses Lächeln, das du spannst und trägst, gleicht einem Klingelbeutel, Gutemiene, leer kommst du nach Hause und zuhause ist es Nacht und spiegelstill und leer.

Du meidest alle Mienen, die nicht fröhlich sind - und meine wie auch mich, der dich nicht als Mimin will. Wenn ich Schauspiel und Groteske wollte, läs' ich mich ins Leben, dann ging ich ins Theater, denn dort kann man die Lüge lieben. Doch lass dir dies geflüstert sein, bevor du dich verlautest: wir stehen nicht vor einer Bühne, sondern voreinander - Vertrauen ist kein Laienspiel und die verstimmte Leier bin ich leid: Die Verzerrung und Verlängerung der Zeit, diese starre Fratze ist doch nicht natürlich, ja, man möchte meinen, die Momente sind vergangen und dies Spiel verdient kein Lächeln. Auch keins von dir, es mag auch noch so schmerzlich schmerzlos sein. Ach, Gutemiene, wir stehen hier im Blickkonflikt und dieses Lächeln löst nichts, sondern lastet nur, statt zu erleichtern.  

Ruf nur all die Zeugen auf und all die Gäste auf den Zäunen und Tribünen: Auf den morschen Brettern läuft dies Stück "Zur guten Ansicht" und es wird auch leidenschaftlich aufgespielt und applaudiert, aufgespielt für immer, weil alle das Groteske lieben und liebend gerne dafür zahlen - und bezahlen werden. Aber Gutemiene, stören nicht die Fäden? Glaubst du nicht, du könntest ohne leben? Alle Augen willst du auf dir sehen und kannst doch nie der Himmel sein. Gutemiene, deine Fratzen täuschen nicht und tauscht du sie ein ganzes Leben: Ein Gesicht kann man nicht für immer machen, es wird gezeichnet und gegeben. Drum leg doch die Klamotten ab und lass dich sehen: kleide dich, in was du bist, und lächle dich, in was du liebst.

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51 Antworten

Kommentare

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    Der Stil ist eigentlich ebenfalls nicht meins, aber hat was!

    31.01.2014, 07:35 von Gedanken.art
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    Es sagt sich leicht und wiegt doch schwer: Alle Unaufrichtigkeit ist Kind der Angst.
    Mal ist sie Schutz, mal das prickelnd Ungewisse, mal Gefängnis besinnungsloser Blindheit und Barbarei. Scham zur Maske, ihrer dann nicht entscheiden zu können, wo Wahrhaftigkeit gewohnt nur Abkehr und Trübsal ihres Masken Widerscheins verhieß.


    31.01.2014, 05:54 von schauby
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    31.01.2014, 05:49 von schauby
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  • 1

    der stil ist eigentlich nicht meins, aber touche. der ist gut.

    15.01.2014, 16:43 von chrgrau
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Mit Worten berühren ist ein Talent und du besitzt es auf deine ganz eigene Art und Weise. Lässt das Herz seufzen. Und Bewunderung für die Analyse Gutemienes!

    09.01.2014, 01:00 von Midorschka
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    wow!

    08.01.2014, 19:51 von kathrineff
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    Jetzt bin ich aber verliebt!

    07.01.2014, 23:20 von arielcolor
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    POESIE.

    07.01.2014, 12:58 von frautagtraum
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    Wunderbar!

    07.01.2014, 12:06 von meinealtebekannte
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