"Gute Nacht, Freunde."
Wenn das Licht ausgeht solltest du dir keine Gedanken mehr machen, ob du den Weg von der Bühne findest. Die ist schon lange nicht mehr da.
Ich stelle mir das mit dem Tod etwas anders vor, als die Meisten.
Ich glaube zwar an Karma, aber nicht daran, dass das nächste Leben davon abhängt. Ich glaube nicht einmal an ein nächstes Leben, das ist nur gegen Panik.
Wer hier Gutes tut, dem wird hier Gutes widerfahren, so einfach ist das. Aber das heißt nicht automatisch, dass man damit rechnen kann, für gute Taten belohnt zu werden. Es geht um Selbstlosigkeit und oft wird man einfach nur nicht bestraft.
Stell dir bitte das Meer vor. Gut. Und jetzt stell dir das Weltall vor. Worin befindet sich das Weltall? Richtig, keine Antwort. Das ist Unendlichkeit. Wie diese Szene aus dem Film "Ein Freund von mir", als er den Kaffee auf seine Hand tropfte und sagte "...und eins und eins ergibt - eins".
Wovor haben wir wirklich Angst? Vor Schmerz? Der ist, im besten Fall, nur einige Sekunden kurz und bevor dir dein Gehirn die Mitteilung überbracht hat, dass dir jemand eine Kugel in den Hinterkopf gejagt hat, sind Postbote und Empfänger nichtmehr da. Die Seele entweicht dem Körper und alles endet.
Nein, ehrlich, alles ist vorbei. Du wirst niemanden vermissen, wie auch?
Natürlich werden dich Leute vermissen, du hast immerhin nicht alles falsch gemacht, auch wenn du dir das oft vorgeworfen hast, oft gezweifelt hast. Aber nichtmal die Leute wirst du spüren, die dich vermissen.
So oft, wie wir uns über das Leben beschweren, es verfluchen und ihm nachsagen, dass es nicht fair sei, so sehr hängen wir an ihm - ziemlich unkonsequent, wenn man mich fragt.
Mir gehen Beschwerden auf die Nerven, denn um es ehrlich zu sagen, ich denke, dass das Leben fair ist. Wir machen doch alle die gleiche Scheiße durch. Gibt es hier jemanden, der keine Probleme hat?
M. Ward fragt in seiner 'Chinese Translation': "Wenn das Leben so kurz ist, wie man sagt, warum ist dann die Nacht so lang."
Gute Frage, Matt.
Ich werde wissen, wann meine Zeit gekommen ist, ich will keinen langsamen und schmerzhaften Tod. Ich werde auch nicht im Krankenhaus sterben, nicht mit einem Schlauch im Mund.
Wir haben Angst vor dem Tod, weil wir denken, man würde alle Brücken einreißen, nicht mehr zurückkönnen und man würde irgendwo festgehalten werden. Einsamkeit, das macht uns wirkliche Angst.
Ich hab keine Angst davor, ich werde einfach nichtmehr aufwachen, aber auch leider nichts mehr träumen.




Kommentare
was sagst du zu "nie mehr", also dass wir nie mehr leben, findest du das nicht schrecklich? warum haben nicht mehr leute davor panik wie ich? vielleicht bekommen wir die trauernden ja mit, niemand kann das beantworten.
28.04.2013, 17:17 von Suenje; ) super.
14.06.2012, 23:18 von warmerhimmelDanke sehr
15.06.2012, 18:59 von ArcticMeToller Text zum Thema Leben/Tod!
Diese Stelle gefällt mir besonders gut. Ich weiß zwar nicht, wann meine Zeit ist, aber der Rest trifft zu. :)11.06.2012, 20:47 von Cenere
Freut mich, dass es dir gefällt =)
15.06.2012, 18:58 von ArcticMeDen vorletzten Satz kann ich nur unterschreiben.
04.06.2012, 23:09 von claudevillotDu hast M. Ward zitiert! Diese Tatsache und Dein Text ergeben ein Herz.
21.05.2012, 23:38 von RAZimVielen Dank
30.05.2012, 23:02 von ArcticMeSo oft, wie wir uns über das Leben beschweren, es verfluchen und ihm nachsagen, dass es nicht fair sei, so sehr hängen wir an ihm - ziemlich unkonsequent, wenn man mich fragt.
Danke sehr!
30.05.2012, 23:03 von ArcticMe"Mir gehen Beschwerden auf die Nerven, denn um es ehrlich zu sagen, ich denke, dass das Leben fair ist."
09.08.2010, 01:15 von seraphinStarke Worte, ich mag deine Art, mit dem Thema umzugehen. Melancholisches Thema, nüchtern angefasst, und trotzdem bleiben die Zeilen sensibel.
@seraphin danke
09.08.2010, 01:18 von ArcticMe