Glas und Papier
Über jemanden, der stets andrer Leute Bürden trug.
Ich hab’ ein Herz aus Glas und eine Seele aus Papier
Doch jeder denkt ich wär’ aus Stahl und Stein
Ihr kommt zu mir, bürdet mir auf, was euch im Inner’n quält.
Ich nehm’s und trag’s und wieder ist ein neuer Sprung im
Glas.
Ich teil den Schmerz von anderen Menschen, die Wunden
fremder Seelen
und schneid’ sie in mein eigenes Fleisch.
Doch trage ich auch eigene Bürden und irgendwann
sind selbst die stärksten Schultern schwach.
In deine Augen blicke ich und dir wird deine Seele leichter
und leise hört man wie Papier zerreißt.
Und jeden Tag bricht, springt und reißt ein kleiner Teil in
mir, bis dann,
man weiß nicht wann, das Glas zerspringt und vom Papier
nur Fetzen übrig sind.





Kommentare
Das ist traurigschön. Ich mag es, weil es schön und prägnant geschrieben ist und ich mag es zugleich nicht, weil es so traurig und endgültig klingt. Und so... nach fehlgeleiteter Akzeptanz... so nach dem Motto "ist halt so" oder "einer ist immer der Leidtragende" oder "des einen Freud, ist des anderen Leid". Das muss so nicht sein, man KANN das ändern.
30.06.2012, 11:03 von Mrs.McHDu solltest das nicht so endgültig nehmen. Viele Gedichte sind Momentaufnahmen, Beschreibungen von - wie die meisten Dinge - zeitlich befristeten Zuständen. Natürlich kann man das ändern. Hat er auch. Aber es gab eine Zeit, da konnte er nicht und es war genau so. Oft ist eine solche niedergeschriebene Erkenntnis eben genau das - Erkenntnis und der Punkt, an dem er beginnt, seinen Zustand zu begreifen - und zu ändern.
30.06.2012, 11:20 von no_ah_Meine Gedanken gingen auch in die Richtung der anderen, die solche Menschen bisweilen aussaugen und im schlimmsten Fall zum Zerbrechen bringen. Die sich helfen lassen und sich dann abwenden... Hinnehmen, dass der andere unter der abgegebenen Last zusammen bricht. Und vergessen WER ihnen geholfen hat. Zum Kotzen!
30.06.2012, 11:23 von Mrs.McHauch hier: zu eng. Ja es gibt sie, die Blutsauger. Die, die immer nur nehmen und nicht geben. Oft liegt es aber in einer Grauzone - wie so vieles.
30.06.2012, 11:28 von no_ah_Und in jedem Schaden, jedem Schmerz den wir erleiden, liegt auch immer unsere eigene (Selbst-) Verantwortung. Man hat es zugelassen, dass man verletzt wird, verletzt werden kann. Das ist ein Risiko, das wir mit fast allem im Leben eingehen, eingehen müssen.
Klassisches Beispiel: Die Liebe. Du verliebst dich, lässt dich auf jemanden ein, lässt ihn nahe an dich ran. Und je näher er dir kommt, desto leichter kann er dich auch verletzten. Und am Ende hast du es mitzuverantworten, dass du verletzt wurdest. Ob einer dich dann versehentlich oder absichtlich verletzt hat, ist dann gar nicht so wichtig. Auch wenn Vorsatz natürlich immer verwerflich ist. Aber am Ende, warst du mit verantwortlich, insofern: mitschuldig.
Das habe ich aber auch nicht ausgeschlossen, oder? Das ist für mich selbstverständlich, daher empfand ich es nicht als erwähnenswert. Aber das konntest Du ja widerum nicht wissen. Der Blickwinkel... ;-)
30.06.2012, 11:31 von Mrs.McHschön.
22.11.2011, 20:19 von frl.sommersprosseDanke.
30.11.2011, 20:13 von no_ah_