Menschensammlerin 08.08.2010, 12:54 Uhr 29 15

Gegen die Traurigkeit

Es ist magisch. Eine zufällige Begegnung, mit der niemand rechnet. Ein Gespräch genügt, um gegenseitige Sympathie zu erkennen.

Weitere Treffen folgen, die Sympathie wächst beiderseits. Nicht nachdenken, einfach agieren. Ein Kuss, Chaos, Verliebtheit, Chaos, Planlosigkeit, ein Kuss, reden, reden, reden, Chaos, ein Versuch. Früher dachte sie, jeder Mensch hat einen Typ, der gewisse Kriterien erfüllt, die einem auffallen, ein gewisses Äußeres, eine Haarfarbe, eine Körpergröße, eine Art sich zu bewegen, ein Kleidungsstil, auf die man Wert legt. Er ist das alles nicht. Er ist der Zufall, plötzlich sind ihr all diese Dinge nicht mehr wichtig. Was für Kleidung er trägt ist scheiß egal, nicht, dass sie früher großen Wert darauf gelegt hätte, es ist nur so, dass die früheren Objekte der Begierde alle etwas gemein hatten, vielleicht hat sie sich das auch nur eingebildet. Er ist kleiner als sie, hat keine blonden Haare und aus seinen Hosen schauen keine Boxershorts heraus. Warum mag sie ihn so gerne? Wieso verstehen sich manche Menschen auf Anhieb wunderbar und spüren eine Verbindung, eine Nähe zu einander, die nicht erklärbar ist? Er will sich nicht festlegen, obwohl er Gefühle für sie hat, das Chaos in seinem Leben ist zu groß, er will Struktur hinein bringen, er ist überfordert, glaubt ihr nicht genügend Aufmerksamkeit entgegen bringen zu können, wenn er parallel mit anderen Dingen beschäftigt ist, sie will, dass sie es versuchen. Sie liebt seine Aktivität und Spontanität und, dass sie sich in seiner Gegenwart wohl fühlt, mit ihm zusammen ist sie mehr sie selbst als sonst. Sie reden offen und ehrlich über die Situation, in der sie sich befinden, alles wird zerlegt, auseinander genommen, wieder zusammen gesetzt, eine kluge Lösung gibt es nicht. Nicht nachdenken, einfach agieren, der Dummheit mitten in die Arme, immer weiter und weiter. Nicht an morgen denken, im Moment leben, ihn genießen. Kann das funktionieren? Ist das wichtig? Muss es funktionieren? Carpe Diem, never hesitate. Zwei unterschiedliche Welten versuchen sich zu verbinden. Erde und Sonne. Die Sonne verbrennt die Erde, beim Versuch sie zu umarmen, weil sie zu heiß ist, die Erde verglüht. Vielleicht existiert die Erde um zu verglühen, vielleicht strebt sie diesen Zustand an. Vielleicht ist es zeitlich begrenzt, vielleicht machen sie sich wenige Momente lang glücklich, verbringen eine schöne Zeit zusammen und gehen dann getrennte Wege und leiden beide, einer mehr, einer weniger, aber ist es nicht wert dieses Opfer zu bringen? Besser schöne Momente mit einem abrupten Ende als Momente in der Fantasie, die ein Trugbild der Realität sind, Träume, denen ewig lange nachgejagt wird, sie hat lange genug in einer Traumwelt gelebt, sich vor der Realität versteckt, sich in Büchern vergraben, sich mit anderen Menschen beschäftigt, um sich nicht mit sich selbst auseinandersetzen zu müssen. Sie ist dabei sich genauer definieren zu können, hat den Anfang des Weges fast gefunden, er sucht sehr stark danach, schwimmt im Unbekannten. Es ist zu Ende, aus und vorbei, leider gab es keine Regenbogenfarben mehr, die sind ausgegangen. Sie sind nurnoch Freunde. Sie leidet, er nicht. Es geht ihr scheiße, eine weitere Enttäuschung, wieder einmal war sie nicht genug, nicht das was gewollt wird, was fehlt an ihr? Was ist es, das sie nicht hat? Geduld? Sie weiß es nicht. Was bleibt, ist der Schmerz, sie wärmt sich an der Verwesung, den Schmerz kennt sie, er enttäuscht sie nie. Wozu weiter machen, wenn es sowieso immer in Enttäuschungen endet? Nicht aufgeben, das war einmal ihr Motto, aber es gibt einen Punkt, da ist das Maß voll, da muss erst etwas hinaus, bevor mehr hinein kann, wie ein überschwappendes Glas, in das noch mehr hinein gefüllt wird, es reicht, mehr geht einfach nicht. Und dabei war sie gerade auf so einem guten Weg, es ging ihr richtig gut, sie war zufrieden und dann passierte das und sie ist wieder vollkommen aus der Bahn geworfen, wie soll sie jemals wieder jemandem vertrauen? Sich auf jemanden einlassen? Wie denn? Wenn man pausenlos enttäuscht wird, obwohl man es wirklich und ehrlich versucht, wenn man seine Grenzen überschreitet und auf die andere Person zugeht, sich öffnet und es immer noch nicht genug ist, was soll man dann bitte tun? An sich selbst zweifeln, ja und versuchen es zu verkraften. Damit zu leben, dass man einfach immer alleine sein wird, dass man dazu verdammt ist, ohne Liebe zu leben, dass einem immer irgendetwas fehlen wird und man unendlich gegen sich selbst kämpft, gegen die Traurigkeit.

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29 Antworten

Kommentare

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    nachdem ich die ganzen kritiken hier gelesen habe, habe ich mich gar nicht mehr getraut, meinen text zu posten: man wird hier ganz schön auseinander genommen (manchmal ganz schön subjektiv), wenn man nicht gerade ein "schreib-profi" ist - wie schade.

    18.08.2010, 13:49 von yuna
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    Ein sehr klarer und ehrlicher Text. Die Gedankengänge kann ich gut vollziehen. Du hast eine schöne Schreibe und inhaltlich genau den Punkt getroffen. In unserer Gesellschaft ist es wirklich schwierig sein Gegenstück zu finden, weil wir so schnelllebig sind, dass wir immer meinen, was besseres zu finden und Oberflächlichkeiten vor die Liebe zu stellen.

    13.08.2010, 08:27 von See_Emm_Why_Kay
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      @See_Emm_Why_Kay @ alle:
      ich danke euch für die vielen Kommentare, Kritik ist gut, egal, ob positiv oder negativ, ich fühle mich geehrt, dass über meinen Text so viel debattiert wurde.
      Herzlichen Dank

      17.08.2010, 15:46 von Menschensammlerin
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    Trotz ohne Absätze super Text und so nachvollziehbar!

    Aber auch diese Wunden werden heilen...

    12.08.2010, 20:17 von tin08kl
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    Ich kenne den Schmerz wenn eine lange Beziehung endet.. aber wenn es nur so Affären sind ? Das ist doch das selbe wie sich über den Kater nach einer langen durchzechten Nacht zu beklagen..

    Immerhin spürt Ihr hin und wieder Anziehung zu einem Menschen und euer Interesse wird erwidert, ich kenne viele Menschen die weder asozial noch besonders abdreht sind, höchstens ein wenig schüchtern, die es selten bis nie in den Genuss kommen so etwas erleben zu dürfen.

    Also rappelt euch auf, nur weil Ihr für eine Person nicht der Mensch fürs Leben seid, heisst das nicht das ihr nicht liebenswert seid.. es gibt bestimmt unzählige Menschen die sich in euch verliebt haben, aber Ihr habt die Gefühle nicht erwidert, sei es irgendein Fremder auf der Strasse der euch hinterherkuckt, und ihr habt es nicht mal bemerkt..

    12.08.2010, 08:36 von Totenkopfschwaermer
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    Schön geschrieben und gut augedrückt. Ich mecker mal nicht an der Form ;-)
    Deine Gefühle, deine Form!

    11.08.2010, 18:49 von Katze.Punkt
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    ein paar mehr absätze und teilweise kürzere sätze würden das lesen angenehmer. so is das verdammt hektisch bis unübersichtlich...

    die situation die du beschreibst, kann ich aber vollkommen nachvollziehen. so geht es mir seit fast 4 jahren... es nagt an einem....

    11.08.2010, 16:40 von m.aus.w.an.der.o
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    och Söööphchen, was ist los?
    seit wann empfiehlst du texte für Bill von tokio hotel???

    11.08.2010, 10:14 von Surecamp
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    wo sind denn die absätze. les ich nich. dann bekomm ick ja n epileptischen anfall.

    10.08.2010, 23:59 von Icke_un_du_ooch
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      @Icke_un_du_ooch hoppala. :)

      11.08.2010, 00:02 von Icke_un_du_ooch
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    Na siehste, jetzt haste es sogar ohne Absätze auf die Startseite geschafft. Vielleicht tröstet das über die Kritik hinweg ;)).

    Was mir gefällt ist dein Username!!

    10.08.2010, 18:52 von Jackie_Grey
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