barcafan 21.01.2006, 14:12 Uhr 11 3

Friends

Joey: „Will you marry me ( and never having to seriously worry anymore)?” - “Yes, I will.”

Gestern sah ich seit geraumer Zeit mal wieder fern. Genauer gesagt: Ich schaute DVDs auf meinem Laptop. Da ich mich nicht so toll fühlte und außerdem sowieso kaum was anderes zur Hand war, schaute ich eine Folge Friends nach der anderen. (Ich liebe diese Serie. Allerdings –scheiß auf Arroganz- nur auf Englisch. Auf Deutsch kann diese Serie leider nix. So gut wie sie auf Englisch ist, so schlecht ist sie auf Deutsch.)

Ich schaute also bereits die vierte Folge hintereinander an, als in mir ein Wunsch hoch kroch und sich zu einem Gedanken formte:

„Ich möchte gerne einer von denen sein.“

Als dieser Gedanke erstmal in Form eines Satzes in meinem Kopf angekommen war, erschrak ich mich ein wenig, befand mich für geistig bemitleidenswert und fragte mich, wie solch ein Wunsch sich in mir hatte bilden können.

Wollte ich, so wie die sechs Freunde, einfach immer gut aussehen? Immer gleich schlank sein? Nie Pickel haben und selbst beim Traurigsein stylish ausschauen?

„Nein“, entschied ich ziemlich schnell. Mein Bedürfnis danach gut auszusehen ist nicht unbefriedigt genug, als dass ich aufgrund dessen bereit wäre mein Leben mit den Charakteren einer Sitcom zu tauschen. Ich sehe in meinem eigenen Leben oft genug gut aus. Und die unzähligen Gelegenheiten, zu denen dies nicht so ist, wecken in mir keine Sehnsucht, sondern höchstens die Einsicht, dass ich mal wieder wahlweise ´ne Mütze Schlaf, Urlaub, was zu essen, eine andere Zeit des Monats, Sonne, neue Strähnchen oder mal wieder ne Runde Sport gebrauchen könnte.

Das war es nicht.


Sprach die Freundschaft innerhalb der Serie etwas in mir an? Etwa den Wunsch nach Wärme. Den Wunsch nach Geborgenheit. Vertrautheit.

Auf diesem Gedanken blieb ich einen Moment lang hängen.
All dies sind Aspekte des Lebens, die mir sehr wichtig sind. Ich lasse mich mit Sicherheit gut mit solchen Emotionen ködern.
Aber trotzdem wurde mir nach kurzem Nachdenken klar, dass es auch das nicht war, wonach ich mich sehnte. Denn ich habe sehr enge gute Freunde. Auch ihre Anzahl ist genügend. Da fehlt keiner und dennoch ist weiterhin Platz für neue enge Freunde, wenn mir das Leben mal wieder einen vor die Füße spült.
Da es hier um eine amerikanische Sitcom geht, nehme ich mir die Freiheit folgenden ami-kitischigen Satz zu schreiben:
Ich fühle mich gesegnet mit meinen Freunden.
Sie fangen mich jedes Mal auf, wenn ich das brauche. Ich kann mit ihnen lachen und ich kann bei ihnen traurig sein. Ich habe solche Freunde und brauche mich nicht nach ihnen zu sehnen.
Die einschränkende Enge mit sechs Freunden –ohne, dass je einer dazukommt und diese Konstellation stört- mehr oder minder zusammen zu wohnen und nie andere Leute treffen zu können, so wie es die Serie vorgibt, würde mich hingegen wahnsinnig machen.

Nein, auf den Freundschaftsaspekt bezog sich mein Wunsch auch nicht.


Und plötzlich wusste ich, was mich tauschen lassen wollte. Was in mir den Wunsch geweckt hatte einer von ihnen sein zu wollen.

Es war so einfach, dass ich nicht verstand, warum ich nicht gleich darauf gekommen war.

Es ist die OBERFLÄCHLIGKEIT des Lebens der Sechs, die mich glitzernd anmachte und mir das Wasser im Mund zusammen hatte laufen lassen.

Egal, ob Rachel und Ross Probleme haben, egal ob Chandler gerade keinen Job hat oder doch eher berufsbedingt nach Tulsa ziehen muss; egal ob Monica früher fett war und Joey niemals eine Beziehung haben wird; dies ist alles ganz egal. Denn schlimm sind diese Probleme trotzdem nie.
Egal, ob das Drehbuch für Ross gerade eine traurige Zeit vorgibt oder Monica und Chandler mit Unfruchtbarkeit belegt, es lässt nie auch nur einen der Sechs an etwas wirklich zweifeln, geschweige denn verzweifeln. Die Probleme der Sechs können noch so schwerwiegend sein, sie können –manchmal sind sie das ja tatsächlich- noch so sehr aus dem Leben gegriffen sein, sie kratzen doch immer nur an der Oberfläche. Keiner der Sechs zweifelt je länger als maximal eine Minute an sich selbst als Person. Und alle Probleme lösen sich unter dem Schleier der Oberflächligkeit nach spätestens drei Folgen wieder in Wohlgefallen auf.

Alles ist easy.

Wenn Rachel und Ross nicht wissen ob sie zusammen sein sollen oder nicht, was sie füreinander sind, dann geht das nie bis ins Mark. Sicher, die beiden sind in der Serie traurig darüber, aber über allem liegt die Gewissheit der Lösung –spätestens beim Ende der allerletzten Folge.

Nichts geht wirklich bis ganz tief rein. Nichts verursacht Probleme, mit denen die Freunde nicht umgehen könnten. Alles kratzt nur an der Oberfläche.
Life is good.

Ich will das auch.

Ich würde dann auch Joey nehmen, wenn ich da mit rein darf. Er ist ja als Einziger noch übrig. Auch wenn der sich durch sein ausschweifendes Sexleben bestimmt mindestens schon Tripper eingefangen hat. Egal. Mit oberflächlichem Tripper können wir dann schon beide umgehen in unserem farbenfrohen, durch die Freundschaft zu den anderen getragenen, immer gut aussehenden Leben.

Joey: „Will you marry me ( and never having to seriously worry anymore)?”

- “Yes, I will.”

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11 Antworten

Kommentare

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    diese ganze serien- guckerei ist mir an mir selbst auch schon sehr suspekt aufgefallen.. und du hast definitiv recht: manchmal, wenn man selbst das gefühl hat, andauernd auf die fresse zu bekommen, dann wünscht man sich einfach auch so eine einfache welt, diesen in sich abgeschlossenen kosmos in dem kein schmerz länger halt als, sagen wir, eine staffel.

    wahrscheinlich würde es uns im echten leben mit der zeit furchtbar langweilen.. aber so sind die serien für sehnsüchte und kleine alltagsfluchten perfekt.

    20.12.2006, 14:51 von beenerin
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    och .. ich hab während des Studiums nicht anders gedacht. (da hatte ich ja noch mehr Zeit) ;-)
    Immerhin hat mir die Serie wieder englisch beigebracht und so mitunter zu meinem Job beigetragen. So verkehrt is sie also nicht .. hi hi

    23.03.2006, 23:45 von rainshine
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      @[Benutzer gelöscht] Ok, ich gebe an dieser Stelle freimütig zu, dass ich diesen, meinen Text auch für ziemlich banal und inhaltsleer betrachte.

      Oh well, who cares?

      10.02.2006, 22:32 von barcafan
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    Ich denke, man sollte nicht aus den Augen verlieren, dass dies eine Serie (!) ist, die zur Kateg orie Sitcom gehört. Das sich hier keine Tragödien abspielen ist eben so klar wie die Tatsache, dass es keine Reality Show ist und daher auch keine real life Aspekte beinhaltet. Warum muss man das als Oberflächlichkeit abtun? Ich persönlich wünsche mir auch ift, ein Teil der "Friends " zu sein, aber aus einem anderen Grund: ich mag die kleinen Dinge an dieser Serie, die Insider, die immer wiederkehrenden Anspielungen und Situationen und die (relativ) hohe Kontinuität der Charaktere bzw. deren Eigenschaften. Ich fühle mich geborgen, wenn ich mir die Serie ansehe, ich weiß was mich erwartet, ich kenne die Menschen und weiß um ihre Stärken und Schwächen (die sie Gott sei Dank haben). Ich mag die Dialoge. Wenn ich zu viel Friends schaue wünsche ich mir, meine eigenen Freunde wären etwas geistreicher und schlagfertiger. Aber sie sind schon OK und außerdem real. Ich denke aber, dass es volkommen OK ist, diese "Traumwelt" zu haben, so lange sie mich nicht von der wirklichen Welt fern hält.

    04.02.2006, 21:41 von JuliaMaja
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    Die Serie ist großartig! Die sechs sympathischen Rollen werden dem Zuschauer vorgesetzt und man muss sie einfach mögen. Aber auch ich habe schon des Öfteren zweifelnd vorm Fernseher gesessen und im wahrsten Sinne des Wortes gestaunt, mit wie viel Humor (oh ja aber auch Oberflächlichkeit) einzelne Situationen gemeistert werden. Bestes Beispiel (weil wirklich bis zum Ende präsent) ist die Story um Ross und Rachel, dieses jahreslange Hickhack hätte ich nicht durchstehen können. Aber das ist es, was Fernsehserien verschweigen, nämlich die Realität! Und ich glaube genau dieses "an der Oberfläche kratzen" ist es, was Friends so erfolgreich macht und wenn man nicht weiter drüber nachdenkt, ist es ja auch höchst amüsant und extrem sympathisch!

    30.01.2006, 20:54 von Sandili
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    Ich liebe diese Serie auch so und schaue sie auch nur in englisch, da wie du gesagt hast, die deutschen folgen einfach zu schlecht sind =)
    Ich muss dir auch bei dem Kernpunkt deines Artikels zustimmen. Ich habe mir schon oft, meistens unbewusst, gewünscht einer von diesen Friends zu sein.
    Meist aus dem Grund, da sie so viel erleben und sie, wie gesagt, trotz Probleme noch lachen können und Humor haben und alles regelt sich immer wieder. Und spätestens am Ende jeder Folge sitzt man dann da und denkt "Hach....."
    =)

    30.01.2006, 16:49 von lovegood
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    Ich liebe Friends ja auch, und irgendwie habe ich mir auch schonmal gewünscht einer von ihnen oder zumindestens mit ihnen befreundet zu sein.
    Aber es kommt wohl auch einfach daher, dass - sieht man die Serie regelmässig - die Charaktere einen fast ans herz wachsen.

    Abgesehen davon ist es sicherlich recht oberflächlich, aber lieber so als dieganzen gekünstelten Tragödien und Affären bei GZSZ oder sowas ;)

    30.01.2006, 16:37 von student_cgn
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    Herzlichen Glückwunsch, Frau Tribbiani ;o)

    30.01.2006, 16:35 von JoanMadou
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    Da muss ich an einen Freund von mir denken, der jeden Tag in 12-Stunden-Schichten sich sämtliche Freinds-Staffeln reingezogen hat. Da war ihm wohl etwas langweilig.

    Aber, auch wenn ich deinen Wunsch nach Oberflächlichkeit gut verstehen kann, glaube ich nicht, dass es so einfach ist. Oberflächlichkeit erkennen wir schließlich immer nur bei anderen, nie bei uns selbst. Selbst wenn wir uns nur über seichte Problemchen aufregen, erscheinen sie uns doch wie die schwersten Schicksalsschläge. Da ärgere ich mich doch lieber über Wesentliches.

    30.01.2006, 16:25 von odradek
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