schauby 15.02.2017, 23:29 Uhr 31 10

Faxen Dicke

Borderline: zwischen Verstörung und Verständnis für erwachsene Terrorkinder

Viele haben es schon einmal erlebt: Menschen, die sonst relativ umsichtig und reflektiert ihrer Umwelt erscheinen, tun plötzlich Dinge, die befremdend wirken. Unkontrolliert und irrational agieren sie aus, wüten gar auf etwas oder jemand ein, schreien, attackieren aufs gröbste, verbal oder tätig, scheinen jede Verbindung zu Verhältnismäßigkeit und Beherrschung verloren zu haben. Blackout, Ausrasten, Durchdrehen. Es gibt viele Begriffe, die das versuchen zu beschreiben, was für den Moment des Geschehens schwer erklärlich aussieht. Es geht dabei nicht um Situationen, die ein planvolles, durchdachtes Manöver beschreiben, auch das kommt in anderen Teilen vor. Nein, hier geht es um Affekte. Unkontrollierte Stressreaktionen, die durchaus Motiv und  Ziel haben mögen, aber nicht auf einer Ebene Begründung finden, die man als denkend oder zivilisiert beschreibt. 

Auch geht es nicht um Ausnahmen oder Einzelerscheinungen, wie es vielen mal geht, sondern um sich wiederholende Muster von Menschen, die bestimmte Auslöser wie Automatismen immer wieder abspulen und sich eine weitgehend starre Form der Reaktion auf die bestimmten Auslöser zeigt. Als sog. Regression dort, wo jemand als eine reduzierte, unreif kindliche Form seiner Möglichkeiten reagiert.  Das Kind im Selbst, das Kind-Ich. (Siehe Model Transaktionsanalyse: Kind-Ich, Eltern-Ich, Erwachsen-Ich)
         
Schauen wir uns das einmal genauer an:

Ein verletztes, verlassenes, gedemütigtes Kind steht oft in Zusammenhang damit, dass je nach Reife-und Entwicklungsgrad - also wann diese Verletzungen und/oder Vernachlässigungen stattfanden- sich der Mensch auf diesen Stadien in seiner Wahrnehmung und Gefühlswelt befindet, wenn bestimmte Trigger oder ein bestimmtes Stressniveau zur Reaktivierung dieser Entwicklungsstufen führen. Das heißt bspw. wenn es in den ersten 15. Lebensmonaten gravierende Traumata (griechisch für 'Wunde') gab, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass eine Reihe von massiven Beeinträchtigungen Leben und Beziehungen schwer und leidvoll machen. Menschliche Säuglinge leben, wie alle Primaten, in den ersten 12-15 Monaten in symbiotischer Verbindung zur primären Bezugsperson (das 'Ich' formt und erlebt sich über das 'Dich') in der Regel über die Mutter. Sie nehmen sich über projektive Identifikation zu ihr wahr und können Ich und Außenwelt noch nicht klar voneinander unterscheiden (wie größere Kinder und Erwachsene in gesunder Entwicklung es tun). Dazu gehört auch der natürliche Regulationsmechanismus der Spaltung. 

Gab es nun in dieser Phase deutliche Erschütterungen bzw. Vernachlässigungen des Kindes, greifen bestimmte Leute ein Leben lang auf diese Mechanismen frühster Entwicklungsstadien zurück. Ein Mensch auf diesem Level hat kaum belastbare Moral oder Empathie entwickelt, das zentrale ist vielmehr die eigene egozentrische Lust bzw. Unlust, die sich entsprechend radikal ungebremst, mit andern Worten, primitiv entwickelt zeigt, vorallem in Stresssituationen, wo Affekte und Trieb behindert oder gestört werden, durch die Bedürfnisse des Gegenübers, in Beziehungsgestaltung beispielsweise.

Noch einmal kurz zurück zum besseren Verständnis: Ein Baby spiegelt sich über die Mutter. Es bekommt von ihr permanent die Spiegelung des eigenen Gefühls, in dem die Mutter die Mimik und die Intonation dem Kind anpasst, WENN sie in der glücklichen Lage war, das selbst durch ihre Mutter erlernt zu haben. Dadurch bekommt das Kind die Botschaft: "Ich bin richtig. Ich bin okay." Orientierung, Vertrauen, in sich selbst und damit in andere, wird hier im Kern angelegt. Urvertrauen, auch Objektkonstanz genannt.
 
Davon bleiben Menschen, die die Spaltungsphase nicht überwinden, abhängig. Sie brauchen ständig eine Bezugsperson, die ihnen ihre eigene Emotionalität spiegelt, ohne dass die Betroffenen selbst einen Zugriff darauf haben. Das zeigt sich bspw. im Dilemma der Borderline Struktur (BPS) sehr deutlich. 
Da wo Menschen ihre eigene Emotionalität nicht in sich integrieren konnten. Erkennbar auch daran, dass sie verlassen oder allein quasi das Gefühl haben zu sterben und es selten länger ohne Partner aushalten.  Heftige Verlassensängste, abrupte Gefühlsschwankungen und starke Impulsivität sind hier ganz typisch, eben ganz so wie ein hilfloses Kind. Aus einer gestörten Entwicklung für menschliche Kinder, die unter unmenschlichen Bedingungen aufwachsen. Dabei spielt das soziale Gefüge ihrer Prägung eine zentrale Rolle: sie bekommen dort nicht die Spiegelung, nicht das Angebot an Bindung, was sie brauchen, um sich selbst und ihre Emotionalität in sich zu integrieren und dadurch bleiben sie in gewisser Weise leer. 
(siehe auch "Die leere Frau", Hib) 

Sie bleiben für den Rest ihres Lebens, insbesondere in zentralen Beziehungsansprüchen, wie Säuglinge in den Mechanismen, die sie nutzen: Überlebensmechanismen, davon abhängig, dass ihre (intimen) Bezugspersonen mit ihnen in emotionaler Symbiose leben und ihnen ihre eigene Emotionalität spiegeln.

Brutal und herzzerreißend dabei ist der damit verbundene Missbrauch: Da sie, je nach Schweregrad nur sporadisch, vorrübergehend oder gar keinen klaren Zugriff haben, was in ihnen passiert, ist der Spiegel (Partner), ungeachtet dessen eigener Bedürfnisse, essentiell. Es kommen immer wieder, durch mitunter banale und selbst herbeigeführte Anlässe, emotionale Flashbacks, diffuse Gefühle hoch. Sie brauchen von ihrem Gegenüber einen Spiegel dazu. Dann beginnen sie damit, was Externalisieren genannt wird: eine Situation zu schaffen, zu provozieren, die dazu passt. Das Gegenüber wird benutzt, mit hineingesogen in einen inneren Konflikt, den die Betroffenen haben, in ein Drama, damit sie ihre Emotionen auf den anderen übertragen können. Dabei kommt der Anteil des Gegenüber ins Spiel, das verletzte Kind, was dieser in sich trägt. Borderlinern haben zwar ein sehr feines Gefühl, sie haben aber keine erwachsene Empathie, sind jedoch sehr schwingungsfähig, sie erspüren genau die kindlichen Defizite ihres Gegenübers, wo sie andocken können, was sie für sich nutzbar machen können. Desto länger sie ihre Bezugsperson kennen, desto besser kennen sie auch deren Verletzungen. Borderliner triggern diese Verletzungen (un)bewusst gezielt, um ihr Gefühl abbilden zu können. Das laugt den anderen aus, ist emotionaler Vampirismus, der charakteristisch extreme Stress, Verzweiflung, Ratlosigkeit von dem Angehörige und Partner berichten. 

Das groteske dabei ist, dass Betroffene genau das durch Spaltung und projektive Identifikation so wahrnehmen, als wäre all das das Gegenüber /bzw. der Partner. Sie haben ihren schlechten Film laufen, es kommen schlechte Anteile, traumatische Erfahrungen, Dissoziationen und dergleichen hoch und diesen Film werfen sie als Projektor auf die Leinwand Partner. Erbost und wütend über die schlechte Filmqualität wird nun die Leinwand massiv provoziert, bearbeitet und massakriert, bis sie endlich dem entspricht, was der Projektor auf sie wirft, eben solange bis es Reaktionen der Verteidigung , Wut bis hin zu Gegenangriffen der Leinwand gibt. Und siehe da, jetzt hat der Betroffene endlich den "Beweis", dass sein Film, den er für seinen Partner hält "stimmt". Vergleichbar mit jemandem, der dem Nachbarn in der Nacht seinen Müll in der Garten wirft und ihn am nächsten Morgen heilig erzürnt anzeigt, in der festen Überzeugung etwas anständiges und richtiges getan zu haben. 

Ein Borderliner ohne Therapie, der dauerhaft keine Möglichkeit findet auszuagieren bzw. seine Emotionalität auf andere zu übertragen und die typisch heftigen Ups- und Downs zu stiften, um sich damit zu regulieren, wird krank und verfällt in Depressionen.

Ebenfalls sehr konflikthaft und kennzeichnend sind der Umgang mit Nähe und Distanz.
So sehr sie intensivste Nähe ersehnen und anstreben, so sehr macht sie ihnen Angst darin "verschlungen" zu werden und "unterzugehen", "in Besitz genommen zu werden", da ein stabiles Selbst, mit klaren Ich-und-Außenwelt-Grenzen auf intimer Bindungsebene nicht oder nur fragmentiert ausgebildet werden konnte. Was nicht 'nur' zu typisch leidvollen, paradoxen Nähe/DistanzRegulierungen und instabilen Beziehungen führt, sondern zur Notwendigkeit, eben einer emotionalen Abhängigkeit, Partner als Spiegel zum Sichtbarwerden ihrer Emotionalität, des unfertigen, noch kindlichen Selbst zu benötigen.
(projektive Identifikation
Im schroffen Wechsel zwischen Überanpassung und Ablehnung zum Partner zu pendeln, ist ebenfalls sehr häufig. 

Wobei nach Möglichkeit nach außen hin meist sorgfältig darauf geachtet wird, die Fassade von heiler Beziehungswelt bzw. Selbstbestimmtheit aufrechtzuhalten. (Und auch hier leistet Spaltung ganze Arbeit, wo für die innere Fassade, die Selbsttäuschung etwas entweder "vollkommen in Ordnung" oder "vollkommen schlimm" erlebt wird, je nachdem was gerade im Moment aktuell ist.) Gerade in einer Gesellschaft, wo die persönliche Freiheit das ständige Mantra der Moderne ist und Abhängigkeiten umso mehr tabuisiert sind, fürchten sie nachvollziehbarer Weise kaum etwas so sehr, wie in ihrer krassen Bedürftigkeit erkannt und damit womöglich schnell abgelehnt zu werden.

Fluchtwege von Promiskuität und/oder parallelen Mehrfachbeziehungen, heimlich oder offen, schaffen durch Aufteilung der Abhängigkeit, der Streuung des Nähe/Distanzproblems nur notdürftig vorübergehende Entlastung, die sich durch die erhöhten Anforderungen und Komplikationen mit mehreren Partnern aufheben und statt zu Vereinfachung zu Mehrbelastung führen.     

Man stelle sich vor, wie sie kleine unschuldige Kinder warn, wie sie gelitten haben müssen, immer auf der Suche nach Sicherheit, Vertrauen und Halt, welche drastischen Schnitte in solche empfindsamen Seelen gerissen wurden, meist Menschen, die von Natur aus schon sehr feine Antennen und ein erhöhtes Temperament mitbringen. Auch das ist für jeden, der als Angehöriger, als Partner oder nur ferner Beobachter ein Mindestmaß an Empathie hat, herzzerreißend. Besonders schwer gerade für mitfühlende und liebende Menschen nicht selten ist, sich dabei dennoch nicht in den besagten typischen Strudel von Projektion und diffusen Emotionen ziehen zu lassen und sich klar abzugrenzen. Gerade Abgrenzung wird nicht nur in akuten Situationen oft als "Strafe" empfunden, die der Partner nicht um seinetwillen, sondern gegen den andern täte, was zu einer Verschärfung von Wut und Angriffen bei Betroffenen führt. Wer Abgrenzung ganz klar und auch unter höchster, fortgesetzter Belastung uneingeschränkt kann ist in aller Regel auch gar kein Anziehungspunkt für BPS Betroffene. Das verletzte Kind in einer primären Bezugsperson bzw. einem Partner ist quasi als Voraussetzung notwendig, damit es zu den tieferen Bindungen und somit auch den damit verbundenen Komplikationen mit Betroffenen kommen kann. Jemand mit einem idealtypisch ausgebildeten Erwachsen-Ich (näheres dazu siehe Transaktionsanalyse), wie es in unserer narzisstisch geprägten Gesellschaft nicht oft vorkommt, ist ganz klar bei sich, erkennt schnell und bewusst, wo Grenzen sind und Werte und wichtige Bedürfnisse für eine gesunde, gedeihliche Bezogenheit aufeinander verletzt werden. Einige strukturelle Gemeinsamkeiten von Borderline und narzisstischer Störung sind kein Zufall, vielmehr ist Borderline als ein besonderer Auswuchs instabiler Verhältnisse unserer kindlich-egozentrisch geprägten Gesellschaft zu sehen. Ein narzisstischer Egoismus der insofern unreif ist, wo er den relativen kurzfristigen Vorteil auf Kosten anderer, nicht als am Ende genauso selbstschädigend begreift, für eine gemeinsame Lebenswelt, in welcher letztlich alles im Kreislauf ist, ohne dafür esoterisch sein zu müssen oder an Karma zu glauben.  

Auch ist hier noch ein anderer Punkt wichtig, der daran anknüpft. Da BPS Betroffene sich selbst nur allzu gern in die Opferrolle flüchten und die Verantwortung für ihr Verhalten entweder gar nicht sehen, ignorieren oder auch manchmal mehr oder weniger bewusst auf andere schieben wollen, ist die typische Neigung zur Verantwortungsübernahme eines prädestinierten Partners Teil des Problems und das von sog. Co-Abhängigkeit. Nicht selten wird da auch bereits kräftig Gehirnwäsche und die rhetorische Abschiebungskeule von Verantwortung geschwungen: "Man sei doch nicht für die Gefühle des andern verantwortlich." BSP Betroffene selbst hingegen klagen jedoch massiv den andern für die eigenen an. Das klassische Manipulationsarsenal aus vollen Rohren: Drohen, Entwertungen, Erpressung, Kontaktabbruch, wo nicht sofort gesprungen wird, wo direkt oder subtil kommuniziert wird "deine Schuld, dass es mir so geht" Widerspruch im Geben und Erwarten erkennen: Fehlanzeige. Eine der zahlreichen Paradoxien, die das mit sich bringt. Messen mit zweierlei Maß gehört zur Grundausstattung. 

So wie Kinder, die selbst bestimmten Angriffen oder Vernachlässigungen ausgesetzt waren, dazu neigen, sich für schlechtes Verhalten von Eltern selbst die Schuld zu geben, damit "schnell alles wieder gut ist" und sie die sonst entzogene Zuneigung möglichst wieder zurückerlangen, ist gerade das ein wesentlicher Faktor bei schädlicher Verantwortungsübernahme von Partnern bei BPS Verhalten mit Betroffenen. Beschwichtigen, eigene Gefühle und Bedürfnisse zugunsten des andern unterdrücken, Fehler bei sich suchen, zunehmende Verunsicherung und Furcht vor chaotischen Überreaktionen, wenn Probleme angesprochen werden, darf nicht mit der gesunden Fähigkeit zum Verzeihen verwechselt werden, die im Gegensatz dazu nicht aus innerem Zwang und Not massiver Verlustängste erwächst.  
          
Und obwohl die wahren Gründe für das dysfunktionale Verhalten bedauernswert und mitleiderregend sind,  bleiben die Manipulationen und Übergriffe dennoch leider eine sehr brutale Form von seelischer Gewalt, für die man eine Borderlinepersönlichkeit auch verantwortlich zeigen sollte. 

Gleichzeitig - und das ist das scheinbar widersprüchlich janusgesichtige, für Laien oft schwer zu verstehen - können sie aber auch sehr hinreißende und wunderbare Menschen sein, die, je nach Ausprägung der BPS Struktur, in Ruhe- bzw. Normalphasen große Offenheit und Interesse, als auch hohes soziales und berufliches Engagement an den Tag legen können. Überdurchschnittlich begeisterungsfähig, lebensfroh, unmittelbar und echt in ihren Regungen. Eben wie Kinder: das sprichwörtliche "Himmelhochjauchzend/zu Tode betrübt" ist vielen sehr charakteristisch.

Dass sie in hoch funktionaler Ausprägung und halbwegs stabilen Umfeld, sozial auch sehr unauffällig sein können, für Kollegen oder Bekannte vielleicht ein "bißchen speziell", aber sonst "relativ normal" erscheinen, macht es für die Außenwelt auch so schwer nachzuvollziehen, auch nur eine ungefähre Ahnung davon zu haben, was sich hinter verschlossenen Türen abspielt, unter welchem Belastungsdruck Angehörige und Partner gerade auf Dauer stehen.

Man kann solche frühen und schweren Lücken in einer Entwicklung nicht heilen, aber lernen damit bewusster und verantwortlicher umzugehen. Manche entwickeln, nicht selten unter entsprechend hohem Leidensdruck, irgendwann die Kraft sich dem zu stellen und Bewältigungsmechanismen zu erarbeiten, die über die bisher vorwiegend hilflosen und schädlichen hinauskommen. Andere, ohne diese Kraft, versuchen die Tatsachen ein Leben lang zu verdrängen und bleiben damit Gefangene einer einst fremd- und heute selbstleidenden Beziehungsstruktur, die nur ein trauriger Schatten der Möglichkeiten von Zweisamkeit, Wachstum und Liebe sind.

Alles in allem die Folgen und Folgesfolgen von Menschen und Generationen, die trotz erheblicher Einschnitte, Mängel und Überforderung ihrer Bedingungen, Liebes-, Bindungs-, und damit Autonomie- und Selbstwerdungsdefizite soweit notdürftig kompensiert haben, dass das Leben mit viel Ach und Krach dennoch an Kinder weitergereicht werden konnte und diese mindestens bis zum fortpflanzungsfähigen Alter überlebt haben. Zu einem sehr hohen Preis für Leben und Gesundheit, insbesondere der mentalen. Das Leben kann ein zäher Bursche sein, man kann mitunter nur staunen, wie findig es sich durchbeißt, durch furchtbarste Unmöglichkeiten, wie es das Unerträgliche tragbar macht ..  aber nichts bleibt ohne Folgen. Alles ist auf kurz oder lang miteinander verbunden, auf Gedeih und Verderb. 

So kommt man am Ende wieder zum Eingang, allerdings zu einer anderen Dimension von Symbiose, die niemand bestreiten wird: Die Welt ist eins.










Tags: statistisch sprechen einige Zahlen von 3-5% Borderline Betroffenen in der Bevölkerung, andere sogar von deutlich mehr. Bei 5% entspricht das jedem 20sten. Auch jemand in der deiner Nähe.
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31 Antworten

Kommentare

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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 1

    Guter Text. Mag ich. Ich hinterfrage allerdings den Ton diesen Abschnitts:
    "Alles in allem die Folgen und Folgesfolgen von Menschen und
    Generationen, die trotz erheblicher Einschnitte, Mängel und
    Überforderung ihrer Bedingungen, Liebes-, Bindungs-, und damit
    Autonomie- und Selbstwerdungsdefizite soweit notdürftig kompensiert
    haben, dass das Leben mit viel Ach und Krach dennoch an Kinder
    weitergereicht werden konnte und diese mindestens bis zum
    fortpflanzungsfähigen Alter überlebt haben"

    Vielleicht interpretiere ich das hinen... es klingt etwas zynisch... in etwas überzogener Form so etwa: So n Mist aber auch, dass sich armselige Kreaturen fortpflanzen und wieder armseliges Leben produzueren. Ich bin durchaus dafür, dass Mann und Frau reflektieren sollten, ob es angebracht ist die eigenen Gene weiterzugeben, ob Mann oder Frau also bereit ist Mutter/ Vater zu werden (aus psychischer/finanzieller/sozialer Sicht). Doch trotzdem mag ich persönlich den Ton dieses Abschnitts nicht...er klingt etwas herablassend. Vielleicht ist es so gemeint, vielleicht nicht, vielleicht projiziere ich das hinein :) Auf jeden Fall finde ich, gut, dass sich hier dieser Thematik gewidmet wird.

    24.02.2017, 14:10 von ichundalldieanderen
    • 4

      Danke für deine Worte dazu.

      Es ist ganz und gar nicht zynisch gemeint, im Angesicht der Hintergründe vielmehr ein mitfühlendes Bedauern. Das Leben, der beschriebenen Weise so defizitär und beschädigt ausgestaltet, ist damit auch nicht zwangsläufig "armselig", im eigentliche Sinn des Wortes. Da zwar die Kognition, die Fähigkeit zur rationaler Komplexität und Logik (Typ-, Stress- und situationsbedingt in unterschiedlicher Ausprägung) vielfach eingeschränkt ist und sich Betroffene im wesentlichen nur auf der Gefühlsebene befinden, sind gerade das emotionale Erleben und Affekte sehr lebhaft, überdurchschnittlich hoch und eben auch sehr drastisch, durch die mangelnde Regulationsfähigkeit. Die Seele ist nicht arm, aber das Selbst, die Selbstliebe, die Autonomie, das Gehaltensein in sich ist schwach.
         
      Wenn ein kleiner Mensch unter so viel Verzweiflung, Angst und Leere aufwächst, hat das gravierende Konsequenzen, wie im Text auch deutlich gemacht, nicht nur für das betroffene Leben selbst, sondern auch das Leben von anderen, insbesondere Angehörige und Partner. Nur hilft es nicht, sie nur als "arme Opfer" zu sehen. Wie alle Grausamkeiten, Rücksichtslosigkeiten, psychische und physische Gewalt, die Menschen stiften, letztlich selbst einst Opfer warn und daraus zu Tätern wurden, geht es um das krankhafte und krankmachende Potenzial, die Gefahren. Was das anrichten kann, ist sowohl in der Geschichte als auch in der Gegenwart sehr plastisch zu sehen, wo ganze Völker die Pathologie zutiefst inhumaner, menschlich gestörter Machthaber zu erleiden haben, klein gehalten, gequält, bevormundet, abgeschlachtet werden und sich die Despoten selbst als Wohltäter, Weltretter und Erlöser generieren, die es ja "nur gut meinen", "sich und ihre Ideologien ja nur verteidigen", sich selbst als "gerecht rächende" Leidtragende sehen, Opfer die sie tatsächlich einst waren, aber unverarbeitet, unreflektiert und ungeheilt die Übel in Wucherung neu inszenieren und reproduzieren, unter denen sie selbst gelitten haben.  

      Nicht nur Psychopathen und Narzissten, wie sie oft in Machtpositionen drängen und dabei über Leichen gehen, gerade auch Borderlinern haben die Opferrolle abonniert und sehen sich auch so, weil ihnen ein das Korrektiv und gesundes Selbst fehlt, sie ihre Selbstverantwortung nicht oder nur sehr eingeschränkt erkennen, und ihre "Erklärung" für das, was vorallem negativ geschieht, "die Umstände", "das Schicksal" und vorallem die anderen sind, in ihrer Wahrnehmung. Um sich selbstkritisch Defiziten und Schwächen annehmen zu können, um auf innere Wunden und die Folgen schauen zu können, das eigene und das Leid anderer begreifen, braucht es Stärke und innere Ordnung. Und genau diese wurde meist früh schon systematisch beschädigt. Wie Arno Gruen richtig sagte und "den Ursprung für Gefühllosigkeit und Grausamkeit in der Verdammung des eigenen Leids" sah.                   

      Borderline wird laut Forschungsberichten auch immer häufiger. Die Instabilität der Verhältnisse und Gesellschaft, wie schon erwähnt, findet darin einen Niederschlag.

      Eine Erklärung übrigens, warum solche Phänomene in den letzten 200 Jahren deutlich zugenommen haben, ist bestimmten Ansätzen nach nicht die fehlende Diagnose, Borderline Strukturen wurden schon im 17.Jahrhundert beschrieben. (der englische Arzt Thomas Sydenham schrieb seinerzeit über dieses Verhaltensbild; Zitat: „Sie werden jene über alle Maßen lieben, die sie eines Tages – ebenso maßlos – hassen werden.“) 

      Es ist geschichtlich wohl vielmehr die Tatsache, dass kleine Menschen, die so massive Vernachlässigung oder Gewalteinwirkung erfahren haben, früher kaum überlebt hätten, so wie heute möglich. Schon gar nicht in vorzivilisatorischen Zeiten, wie bspw. bei den Jägern und Sammlern. Menschen, wie alle Primaten, sind sog. "Traglinge." Wer da sein Baby nicht ständig in Obhut hatte und es stundenlang sich selbstüberlassen schreien ließ, war es leichte Beute für alle möglichen Fressfeinde und Gefahren.

      11.03.2017, 11:37 von schauby
    • 1

      Sehr interessant wiedermal. Deutlich wird vor allem beim letzten Absatz, wie nahliegend doch eigentlich alles ist und hätten wir noch mehr Ruhe für die Dinge bzw. würden sie uns einfach nehmen, so fiel es gar nicht so schwer, sich richtig und in dem Fall dem Kind zum Wohle zu verhalten.

      11.03.2017, 15:58 von Tora
    • 1

      Ich sehe, dass ich den Ton fehlinterpretiert hatte, habe ihn mir eben auch nochmals durchgelesen und wahrscheinlich meine Tagesverfassung ausschlaggebend für diese seltsame Interpretation, denn jetzt lese ich diese Zeilen anders :)

      Ja, heutzutage finden wir Worte, stellen bzw erhalten Diagnosen für Phänomene, die schon immer existierten. Sicher gibt es psychische Störungen, die als Zivilisationskrankheiten bzw Krankheiten der Moderne gelten können oder stark zugenommen haben, aber ich finde es immer wieder spannend und erschreckend zugleich wie sich Psychopathologie durch die Menschheitsgeschichte zieht bzw von ihr beeinflusst wurde und wird

      13.03.2017, 15:02 von ichundalldieanderen
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  • 2

    Grenzerfahrungen wünschen sich alle, an der Borderline scheitern sie alle.

    Ich bevorzuge Woody Allen, der nennt sowas Charakterstärke.
    Ansonsten oute ich mich als Franzose, viel zu viele Fremdwörter für ein Jugendmagazin in diesem Artikel.

    ps: in meinen früheren Jobs hab ich einige dieser grenzwütigen Fälle als mein Klientel bezeichnen dürfen, daher entspringt mein Humor...bei Depressiven werde ich allerdings melancholisch und lächle nur über ihre Strenge, welche sie gegen sie selbst richten - obwohl doch alles sonst so sinnlos ist.
    pps: entschuldige, dass ich bei meinem Kommentar keine Fachtermini verwendet habe, bin gerade nicht i.D.

    21.02.2017, 22:30 von Filousoph
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  • 6

    wertvoller text. :)


    ps: meine wohnung ist auch öfters emotional instabil, grenzt schon an borderline, hier. 

    16.02.2017, 13:49 von Besinnmich
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  • 3

    Ich glaub, mein Katze hat des auch!



    16.02.2017, 12:55 von EliasRafael
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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  • 4

    Sehr treffend und gut geschrieben. Alles genau so miterlebt (als Partnerin). Eine schmerzhafte aber auch aufregende Erfahrung, die ich nicht missen möchte (in das Himmelhochjauchzend wird man ja auch mitgerissen, und das fühlt sich schön an - außerdem sind Borderliner oft sehr charismatische Menschen). Irgendwie haben wir es geschafft, dass die guten Tage überwogen. Humor hilft.

    16.02.2017, 11:55 von misspringle
    • 1

      Sei froh, das kann auch ganz anders laufen :(
      Musste mich zum Selbstschutz leider von gewissen Menschen trennen, da die Ups und Downs einfach zu krass waren. Das hält nur aus, wer sich selbst gern geißelt ;)
      Habe allerdings auch so Extremfälle erlebt, wo wirklich nur noch ganz professionelle Hilfe half

      19.10.2017, 09:26 von TrustYourself
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  • 0

    achso: der titel ist gut!

    16.02.2017, 11:34 von libido
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  • 4

    wie nennt man eigentlich die "störung", wenn jemand auf verletzungen meist nur mit betonter rationalität reagiert?


    du hast eben die bewerbung für einen platz bei mir im master geschrieben. böcke, nochmal zu studieren?

    16.02.2017, 11:29 von libido
    • 3

      Das ist einer der vielen Abwehrmechanismen und nennt sich »Intellektualisierung« bzw. »Rationalisierung«.

      16.02.2017, 12:06 von sailor
    • 1

      und wie nennt man die "störung", wenn jemand rhetorische nicht von fragen unterscheiden kann?

      matrositis?
      ;-)

      16.02.2017, 12:52 von libido
    • 1

      Könnte ein Fehlschluss werden...
      ;)

      16.02.2017, 13:01 von sailor
    • 3

      Abwehr von ungesunder Beziehung, ganz genau.
      Genau der Weg ist der Exit. Klar sehen, den Verstand gebrauchen, raus aus der Gefühlsmühle, die zwar auch einiges schönes haben kann, aber nicht ohne einen sehr hoher Preis, Kacke mit Schokolade ist. manche kennen es nich anders, Liebe ist bei ihnen untrennbar mit Schmerz und Selbstaufgabe konditioniert.  

      Nüchternheit ist der Schlüssel. In einem Wust aus Doublebinds, Widersprüchen, nervtötenden, andauernden Grenzaustestungen, nicht endenden Provokationen, die hämmernden Versuche die konfliktreichsten Fremdanteile untergejubbelt zu bekommen, dem immer wieder gleichen uneinsichtigen Starrsinn von No-Win-Situationen, da ist die Lust am emotionalen Fleischwolf irgendwann hinlänglich bedient. Vorallem da, wo weder ein klares Problembewusstsein noch belastbare Bereitschaft ist, sich dem oben im Artikel beschriebenen mal zu stellen, satt es auf gerade die abzuladen, die über die Klinge springen zu lassen, die als das Allerliebste bezeichnet werden. viele Borderliner sind zwar oft energisch aber genauso oft selbstgerechte Feiglinge. Da gehts nicht nur um besondere emotionale Beeinträchtigungen, die sich keiner freiwillig ausgesucht hat, sondern auch um sehr gewöhnliche  Bequemlichkeiten, sich drauf auszuruhen. 

      Man sollte nicht vergessen, dass im ausgewachsenen BPS System, in der Nähe/Distanzproblematik  (auf lange Sicht) die Betroffenen sich bildsprachlich gesagt als Sonne im Feld sehen,  (Symbiose, Säuglingsperspektive) und den Partner als Planet, der um sie zu kreisen hat, auf einer Bahn, die sie bestimmen wollen, mit dem benannten Manipulationsarsenal. Erhebt ein Partner "dreisterweise" den Anspruch selbst eine Sonne zu sein, die eigene Bedürfnisse hat, knallt's im Quadrat und zwar solange, bis dieser entweder von sich aus geht oder seine servile Satellitenrolle gefressen hat.      
      Wer nich nur theoretisch Wert legt auf gesunde Basics: Stabilität, Planbarkeit, beiderseitiger Kompromissbereitschaft UND trotzdem Leidenschaft und Aufregung (ja das gibt's, schon erlebt), der gibt dem unruhigen Gast in der eigenen Brust mal eins zum Schweigen vor die Glocke und hält den Kopf und das Erwachsenen-Ich klar. Alles andere hat ungefähr die verführerische Aussicht einer grenzenlosen Selbstdemontage, die am Ende bestenfalls einen gebrochenen Schatten seinerselbst und schlimmstenfalls sich im vorzeitigen Exodus beschließt. Es ist kein Zufall, dass die Therapiepraxen eher von Angehörigen und Partnern voll sind, als von BPSlern, die entweder erst gar nich hingehen, oder schnell wieder abbrechen, wenn's ums Eingemachte geht. Schließlich haben in ihrem projektiven Bild "nur die Andern ein Problem", wer die Erlebniswelten nicht spaltet, wie sie und den Berg von Widersprüchen und Kontrasten in Einzelfarben klar hat, kommt mit grobem Schwarz /Weiß nich weit.  

      Partner, die diesen Irrsinn in heroischem Dulderwahn, aber in Wahrheit längst komplett willenskastriert über sehr lange Zeiträume mithumpeln, weil sie wirklich alles, samt Selbstbehauptung und Fairness der Bindung und Zugehörigkeit opfern, sind für wirklich nichts zu beneiden. Allein das Internet ist voll mit Erlebnisgeschichten genau dieser Art, Hardcore, wo jeder heitere Grünfink schwarztot vom Baum fällt, wenn man laut ausspricht, was da abgeht.
       
      Es gibt sicher auch mal glimpflichere Fälle, aber eine Extraportion Härte ist jeder. Wenn man den Partnern zuhört, die bspw. schon länger als unglaubliche 10 Jahre sowas mitgemacht haben, Partner mit BPSlern ohne Therapie und Problemeinsicht, bevor sie ausgestiegen sind, auf dem letzten Zahnfleisch kriechend, nicht selten auch Kinder involviert, die mit dem alten Plan programmiert werden, endlose Qualprotokolle , und erst das zwischen den Zeilen ..  sich mal ihren selbstgebackenen Käfig genau anschaut, Männer zu Schoßhündchen kastriert, die vielfach vorher schon eine So-Tun-Als-Ob Beziehung, zu Apathie erstarrten ausgehöhlten Skelettierung von Beziehung noch lange "tapfer" als "Liebe" illusionierten, die In Wahrheit der Kind-Ich-kranke Klammergriff von Unverlierbarkeits- und Für-Immer -und-Ewigkeitswahn ist. Während Frau ihnen auf der Nase rumtanzt und gerade diese Voll-Betaisierung des Mannes Eier und Leidenschaft längst zu Staub zerbröselt hat und zum Dank für grenzenloses Verständnis und Nachsicht für den BPSler, Sexualität schon lange auf andere outgesourced wurde, wo wieder Reibung is, dies im Bett und Herz wieder kracken lassen,  bis dort die gleiche Mühle anspringt und das Drama mit neuem Partner von vorn beginnt ....  da muss man weder lange denken noch fühlen, um zu wissen, wo man ganz sicher nicht sein will. 

      17.02.2017, 18:47 von schauby
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      Wie nennt man das, wenn man die rhetorische Antwort nicht erkennt?


      Einen Blick dafür zu entwickeln, wo die individuelle Grenze zwischen Akzeptanz und Unterordnung herumläuft und die Frage im Auge zu behalten, ob man in der Lage bleibt, aus dem Karussell auch wieder aufzusteigen, sei jedem ans Herz gelegt...

      14.11.2017, 05:58 von sailor
    • 0

      Im übrigen sehen die Dinge von innen ja blöderweise nochmal anders aus als von außen... 

      Machts nicht einfacher... 

      14.11.2017, 05:59 von sailor
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 3

      Gut ergänzt. Ich möchte noch anfügen, dass die Schwere der Störung, wie und wann oder ob sie jemals wirklich belastend zum Vorschein kommt, auch mit der speziellen Eigenheit, Genetik, solche Erfahrungen und Traumata zu verarbeiten, zusammenhängt. Sollte in der frühkindlichen Phase ein Bruch statt gefunden haben, kann es später immer noch, nicht nur in der Prägungsphase, Vertrauen und Zuversicht erlernen. Selbst als Erwachsener ist dies möglich, aber nur wenn er auch wirklich dazu bereit ist. In dieser schnelllebigen Zeit, in der oft kaum noch Zeit für 'Nähe', in jeglicher Form ist, befürchte ich, wird in der nächsten Generation, vermutlich fast epidemieartig, eine emotionale Verkümmerung stattfinden. :(

      16.02.2017, 11:16 von Fin_Fang_Foom
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      mal sehen, was die emanzipation, bzw. korrekter: änderung der rollenmmodelle, mit diesen klassischen zuschreibungen mann-frau-vater-mutter macht.

      16.02.2017, 11:32 von libido
    • 1


      Warum haben es eigentlich alle immer so eilig? Warum muss immer alles vorgestern erlebt werden? 
      Das frage ich mich in der Tat auch schön länger...
      Ich hatte mal eine Theorie, die hat sich dann selbst verworfen. Wenn ich passende Worte finde, diese mit meinen Beobachtungen auch noch übereinstimmen, dann schreib ich es dir. Ob es richtig ist, kann ich aber dann auch nicht sagen...
      Ein Phänomen ist für mich auch, wenn ich sehe bei Facebook interessiert sich ein Freund oder Bekannter für die Veranstaltung am Wochenende XY, in Buxtehude, zeitgleich werden dann noch zwei weitere Veranstaltung hinzugefügt und am Abend dann noch eine 200 Km, weiter, am nächsten Tag dasselbe... Am Montag wird dann geheult, weil man ja sooo kaputt ist. Ich frage mich dann immer, was daran so schlimm ist, mal einen Tag nix zu machen, einfach mal zu entspannen, spazieren zu gehen, sowas halt. Ich glaube fast, es ist die Angst vor dem Alleinsein, dem Stillstand, der Stille, dann müsste man sich ggf. mit sich selbst beschäftigen? Schwierig, ich glaube da kommt noch seeehhhr viel dazu, verrückt irgendwie.


      16.02.2017, 11:39 von Fin_Fang_Foom
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    • 0

      :D Ich musste mein Handy richtig überlisten, um Instagram runterzuwerfen, ich guck da gar nicht rein, mir genügt Facebook, wobei ich da schon sagen kann, überwiegend nette Menschen dort in der Freundesliste zu haben, da bekommt man dann nur von 'Freunden von Freunden' mal sowas mit. ^^




      16.02.2017, 12:33 von Fin_Fang_Foom
    • 3

      vorweg etwas @ alle:

      Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie ich das erste Mal mit Anfang 20 ca. von BPS von einer Freundin hörte, deren Freundin ihrerseits davon betroffen war und für mich das meiste nur wie böhmische Dörfer klang. Sie konnte zwar ungefähr umreißen, worum's da geht, aber irgendeinen relevanten Bezug, geschweige direkt emotional, hatte ich durch die Beschreibung kaum. Es kam schon an, dass es um aufreibendes und chaotisches Beziehungsverhalten ging, aber ein greifbares Bild hatte ich damit nicht, es blieb abstrakt, vielleicht hat sie's auch scheiße erklärt, keine Ahnung. und  irgendwie spielte es eben auch keine Rolle für mein Leben. das änderte sich spürbar, als ich später das erste Mal mit BPS sehr plastisch in Berührung kam, vielmehr, mit der Zeit Stück für Stück begriff, was da eigentlich vor sich geht mit der Frau.
       
      So geht es manchen, die nur von ferne  als Geschichten davon hören. Daher kann ich mir auch vorstellen, wie relativ fern und abstrakt es für all die ist, die weder je Partner noch Angehöriger warn. 

      Borderline gibt es in der Tat in unterschiedlichen Ausprägungen und Schweregraden. Und natürlich ist jede(r) Betroffene erstmal ein Mensch mit eigener Persönlichkeit. Was allerdings den wesentlichen Kern der Problematik ausmacht, alle Betroffenen verbindet und auch von anderen Störungsbildern unterscheidet,  ist der Spaltungsmechanismus. Menschen mögen sich als das plakativste Bsp. selbstverletzten, immer wieder schwierige Stimmungsschwankungen, verminderte Impulskontrolle, Angst vorm Alleinsein, ein Problem mit Nähe/Distanz haben und mit leichter Kränkbarkeit, aber das für sich ist (noch) nicht Borderline, im klinischen Sinne. Wer näheres zum Thema Spaltung wissen möchte, wie vielfältig komplex die Auswirkungen sind, gerade bei Erwachsenen später, dem empfehle ich die Links im Artikel hier. Wie ich schon mal erwähnte an anderer Stelle:  in etlichen Fällen wird fälschlicherweise eine posttraumatische Belastungsstörung, auch von Fachleuten, mit BPS verwechselt, da sie oberflächlich betrachtet den BPS Symptomen sehr ähnlich ist.  Das eine kann man inzwischen schon relativ gut therapieren, Spaltung hingegen, nach aktuellem Stand der Forschung, nicht.

      @ Chandos, mein lieber

      auf Instagram gibts auch viele solide Profile, ich als Fotograf hab da auch meine Seite und einige ganz fabelhafte Feeds entdeckt.. wie so oft, nicht das Medium ist der Punkt, sondern  -klar-  wie mans nutzt. 


      zurück zum Thema:

      Das Gefühl für "Recht und Unrecht" ist bereits im Mutterleib schon ganz klar als _Wohl und Weh-Empfinden_ da. Wie für jedes Lebewesen, ist der Kompass für _Angenehm oder Nicht_  auch ohne Sprache ein lebensnotwendiger.   

      Dass der Umgang mit Frustrationserfahrung zum Wachsen und Lernen gehören, ist unbestritten, dabei geht's aber nicht um eine Qualität von Ängsten, Leid und Schmerzen, die etwas sehr schief verschalten oder sogar zerstören in dem kleinen Menschen. Was sich in einige Fällen auch anatomisch nachweisen lässt, bspw. der Mandelkern vergrößert/deformierte ist durch Traumata oder/und Dauerstress, im Gegensatz zum gesund entwickelten.

      Zur Sache mit dem Nein, geb ich dir absolut recht. Auch insofern richtig, wie Liebe an bestimmte Konditionen gekoppelt wird, und gerade die, bei denen bedingungslose Liebe allem Anschein nach keine Praxis war, die bringen dann die unmöglichsten Bedingungssträuße mit in Partnerschaft, während sie gleichzeitig, mehr als andere, von Bedingungslosigkeit fabulieren. sehr strange.. Is echt n Phänomen.  
      Mit dem Thema: "Mann als Gegnerrolle".. es hat definitiv Einfluß, was da zwischen Elternteilen im Schwange is und in Resonanz zum Kind wirkt. Allerdings wird sich eine handfeste gar  tiefsitzende Vorsicht bis hin zu Angsthemmung /Störung eher durch eigene Erfahrungen, Misshandlung usw. als durch Indoktrinieren eines Elternteil einprägen. Es kommt natürlich immer auf den Einzelfall an. Aber die Männerrolle besetzt sich eher schwerwiegend für Mädchen, wenn der Vater für das Kind selbst als bedrohlich, unerreichbar oder unberechenbar erscheint. Auch wenn eine Mutter ständig ätzt gegen Papa kommt das Kind in ein Alter, wo es sich selbst Urteile macht und dann reichen schlechte Worte nicht mehr. Bsp. Meine Eltern warn sich nach der Scheidung auch nicht grün, aber was meine Mutter über meinen Vater sagte, fand ich zwar schade, hat mich aber wenig beeindruckt als Bub, weil er immer gut zu mir war, ich keinen Grund hatte, mich vor ihre Karren spannen zu lassen.

      17.02.2017, 00:41 von schauby
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 1

      obwohl es schon die Tendenz gibt, in der Kind-Eltern Beziehung, beim gleichen Geschlecht leichter Schnittstellen zu finden, ist am Ende das entscheidende nicht Mama oder Papa in der Konstellation, sondern beim wem sich ein Kind eher angenommen und wohl fühlt.

      Dazu kommt noch etwas anderes, bei der Sache eines latenten Geschlechterargwohns,  was du ansprichst. Manche Eltern verzeihen ihren Kindern die Fehler am schwersten, die sie ihnen selbst anerzogen haben. Bestimmte Konflikte verlagern sich unwillkürlich auf neue Generationen, wo sie nicht gelöst oder im mindesten ein anderer Umgang damit etabliert wird.

      Als ein Kern davon oft ist, im Thema des Textes wie auch in anderen:

      "Die größte Grausamkeit, die man den Kindern zufügt besteht wohl darin, dass sie ihren Zorn und Schmerz nicht artikulieren dürfen, ohne Gefahr zu laufen, die Liebe und Zuwendung der Eltern zu verlieren."  (Alice Miller)

      Das zeigt sich dann meist in Partnerschaft später am deutlichsten, wo umso mehr ausagiert und unreif bzw. gar nicht reguliert wird, wo bestimmten Bedürfnissen nicht entsprochen wird.     

      22.02.2017, 09:09 von schauby
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      Manche Eltern verzeihen ihren Kindern die Fehler am schwersten, die sie ihnen selbst anerzogen haben.


      weils ihre eigenen sind. und ein anerkennen dessen würde eine auseinandersetzung mit sich selber bedingen. und wenn das nicht passiert, dann kriegen nicht nur kinder, sondern alle menschen um einen rum das immer wieder vor den latz.

      ob alice miller recht hat? wenn ich mein kind regelmäßig psychisch und physisch erniedrige, dann ist es doch egal, ob es in den kurzen pausen weint, tanzt oder stumm vor sich hin vegetiert.

      22.02.2017, 15:58 von libido
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      obwohl, wenns tanzt? hmmm...

      22.02.2017, 15:59 von libido
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      Korrektur... Mittlerweile hat Instagram mich auch. Eigentlich ganz nett... Man muss ja nicht auf diese skurillen Nachrichten und Anmachen die man da gesendet bekommt, reagieren... Und nicht unbedingt den Menschen mit Profilneurose folgen. ^^ Dann kann man durchaus auch tiefsinniger werden... :D


      Wo ist Libido eigentlich? 

      10.11.2017, 23:51 von Fin_Fang_Foom
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      *Skurrilen. 

      10.11.2017, 23:52 von Fin_Fang_Foom
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      Das frage ich mich auch...

      11.11.2017, 13:41 von sailor

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