MissKainsSchwester 30.11.-0001, 00:00 Uhr 5 2

Es wird Nacht.

Es wird Nacht auf den Straßen, im Wald. In meinem Zimmer.

Es leben Monster unter meinem Bett.

 

Wie sie aussehen? Schwer zu sagen. Schwarz, grau, schmutzig braun. Sie triefen und tropfen, haben lange, verworrene Finger und Klauen und anstatt eines Gesichts nur große, weit aufgerissene Münder.

Woher ich das weiß? Nun ja, man glaubt es kaum. Aber manchmal, wenn es draußen dunkel wird und sie ganz besonders mutig sind, kommen sie hervor. Sie spüren, wenn ich in ihrer Nähe bin. Dann zeigen sie sich erst nur zögerlich, fingern nach der Bettdecke, nach dem Kissen. Und wenn sie warmes Fleisch spüren, werden sie ungehaltener. Sie tasten und tasten, suchen, kratzen, kitzeln.

Wenn ich nicht aufpasse, finden sie irgendwo in meinen Gedanken einen kleinen Spalt. Sie zerren an ihm, reißen, rütteln. Dann ziehen sie all meine schöne Energie, meine Freude und meine gute Laune aus mir heraus und ersetzen sie mit ihrem giftigen Atem, ihrer Düsternis.

 

Ich erkenne einfach kein Muster darin, wann sie kommen und gehen und warum sie wann welche Gedanken pflanzen. Sie sind mir ein Rätsel, diese heimlichen Mitbewohner.

Man sollte sie vielleicht erforschen. Doch was, wenn sie dann noch mächtiger werden? Was, wenn sie einen Weg finden immer bei mir zu sein und einen dunklen Keim in mich zu setzen, der mich immer weiter zerfrisst wie ein tödlicher Virus für den es keine Medizin gibt? Der mich zu einem der ihren macht.

 

Jemand, den ich kenne, hat mir geraten ich solle mich mit ihnen anfreunden. Vielleicht verlören sie dann ihren Schrecken. Oder ich finde einen Weg meine Monster zu bekämpfen. Sagt sie. Unbekümmert, fröhlich. Sie kennt meine Monster nicht.

Nur du kennst sie, ein bisschen zumindest. Denn du kennst mich. Mehr als nur ein bisschen.

Wahrscheinlich hat sie Recht. Vielleicht muss ich mich dem Problem stellen, wenn sie nicht so stark sind.

Mit dir an meiner Hand, in der anderen eine Taschenlampe.

Dann bin ich unbesiegbar.


Tags: Unterstützung, Monster
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5 Antworten

Kommentare

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  • 1

    gefällt mir gut, denn jeder hat sein Päckchen zu tragen...(seine kleinen "Monster")

    11.09.2012, 08:07 von Johannesv2xi
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  • 0

    Ich mag die Analogie. Was Angst meiner Meinung nach so erschreckend macht, ist ihre Unkontrollierbarkeit. Und ich finde, du hast das Thema eigentlich wirklich gut umschrieben.

    Aber an der Stelle

    Dann ziehen
    sie all meine schöne Energie, meine Freunde und meine gute Laune aus dir heraus
    und ersetzen sie mit ihrem giftigen Atem, ihrer Düsternis.


    war ich verwirrt. Freude? Und ob das "dir" jetzt grammatikalisch hier Sinn macht oder nicht, am Ende geht's wohl doch um Liebesängste? Find' ich irgendwie schade.

    09.09.2012, 03:13 von Juliie
    • 0

      Danke :)

      und wegen deiner Anmerkung: ich könnte mir grad in den Arsch beißen :D Sowas passiert, wenn man übermüdet Texte schreibt -_- Natürlich "Freude" und "mir" ... Mist, das ärgert mich.

      Und nee, um Liebesängste geht es nicht. Die Liebe ist für mich das einzige, was mir gegen die Monster hilft.

      09.09.2012, 21:19 von MissKainsSchwester
    • 0

      So, geändert :D
      Danke fürs Anmerken!


      Ist der Schluss vielleicht etwas klarer dadurch, dass ich noch einen neuen Absatz draus gemacht hab?

      09.09.2012, 21:30 von MissKainsSchwester
    • 0

      Oh welch nette Antwort! Aber bloß nicht ärgern.^^ Mein schlaftrunkener Kommentar war selbst etwas dämlich formuliert und ja mei, passiert numal. Hatte mich durch das "dir" nur eben auf eine, wie ich jetzt sofort sehe, völlig falsche Fährte gelockt.

      Mit dem Absatz weiß ich jetzt (durch die neue Interpretation) nicht mehr, wie es vorher gewirkt hätte, gefällt mir aber als Gesamtpaket jetzt nochmal besser. :)

      Und ich wünsche dir viel Erfolg dabei, die fiesen Monsterchens loszuwerden!

      10.09.2012, 00:15 von Juliie
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