Der-Steppenwolf 30.01.2007, 18:49 Uhr 4 3

Es ist Samstagnacht…

…und er macht sich bereit das Haus zu verlassen.

Er bringt Musik auf sein Ohr, läuft Richtung Innenstadt und steckt die Hände in die Taschen – denn draußen ist es ungemütlich.
Er geht die bekannten Strassen lang und lauscht dem Freund den er nicht kennt – doch sie leiden die gleiche Not.
…er singt ihm Lieder.

Auf den Strassen ist es genauso einsam wie in ihm...

15 Minuten später betritt er das kleine Cafe, in dem er neuerdings öfter anzutreffen ist...
…er sieht die üblichen Verdächtigen und sucht sich einen Platz an der Theke.
Er bestellt ein paar Drinks und betrachtet dazwischen das Treiben um ihn herum…
…lauscht Unterhaltungen die ihm lächerlich vorkommen und raucht dabei Zigaretten.
Er ist allein unterwegs denn die wenigen Menschen die er noch als Freunde bezeichnet sind alle mit irgendetwas anderem beschäftigt – und im Grunde ist ihm das heute auch Recht so.

…er hat längst kapiert das jeder für immer allein ist – und es sagt ihm sogar irgendwie zu.

Die Musik ist zu alt und zu laut und das Treiben der Menschen wird ihm irgendwann zu armselig…
…und die Gespräche die er sich anhören muss kotzen ihn an – ebenso wie die Menschen die sie führen.
Auch wenn die beiden Bedienungen sich echt Mühe gegeben haben – sie konnten es auch nicht rausreissen…

…er bezahlt und geht.

Mit den Händen in den Taschen und dem unbekannten Freund im Ohr wandert er durch die die Innenstadt…
…er denkt an die anderen Städte die er Zeitweise als seine 2. Heimat ansah und verdrängt wieder was ihm sein Kopf aufdrängen möchte.
…er zwingt sich Akzeptanz auf.
Er sitzt nun mal gerade wieder hier fest…

…draußen ist es genauso kalt wie in ihm.

Sein Weg ist nicht weit…
…denn er steuert den kleinen Laden an, in dem sich ähnliche Menschen rumtreiben wie er einer ist.
…hoffnungsvolle Spinner und hoffnungslose Realisten.
Bevor er drinnen ist, kreuzt eine völlig betrunkene Bekannte seinen Weg und er sieht sich genötigt ein völlig überflüssiges Gespräch ohne Sinn zu führen…
…die Antworten die er bekommt werden gelallt und ein Russe der völlig drauf zu sein scheint, belebt die Situation indem er Streit mit ihm anfängt.
2 Türsteher die er kennt bequemen sich von der Tür der Diskothek weg die nebenan liegt und nehmen sich der Sache an…
…er dankt ihnen und wird sich später erkenntlich zeigen.

Zwischendurch denkt er, er hätte sich der Sache selbst annehmen sollen – es wäre ihm eigentlich eine willkommene Möglichkeit gewesen Frust abzubauen…

Er betritt den Raum der sich als Kneipe bezeichnen lässt und die Szenerie ist die gleiche wie vor 10 Jahren schon, die Musik ist laut, oftmals gut und die Leute meistens recht voll – denn in diesem Höllenloch von Stadt ändert sich nichts außer der Gesichter…
…und selbst das trifft nicht auf alle Gesichter zu.

…gestrandete Seelen.

Das erste Gesicht das er kennt ist erfreulicherweise das, eines Freundes mit dem er in der Grundschule die Eselbank teilen durfte.
…Menschen die als einzige aus einer U-Form ausgegrenzt werden verbindet irgendwann etwas – vor allem wenn man diese Erfahrung so jung machen muss.
Er trifft ihn nur noch sehr selten und wird sehr herzlich empfangen – und es ist einer der wenigen die er wirklich schätzt…
…danach macht er eine Runde, schüttelt ein paar Hände und lässt sich ein wenig vollquatschen mit Sachen die ihm nichts bedeuten und von Menschen die ihm noch weniger bedeuten.

Er kehrt zurück zu seinem Freund und seine Seele kotzt das innere seiner äußeren Hülle voll…

…ein paar Drinks werden bestellt und getrunken und sein Gegenüber schafft es, ihn wieder an einen Punkt zu bringen, wo er sich einigermaßen wohl fühlt.
Sie unterhalten sich über die Geschehnisse der letzten Zeit und schwafeln über dies und das…
…zwischendurch werden alte Geschichten wachgerufen und das Schwelgen in der Vergangenheit lässt das äußere seines Gesichtes Lächeln…
Irgendwann kommt diese Frau auf ihn zu…
…sie beobachtete ihn schon seit einiger Zeit aus einer, als sicher eingeschätzten, Entfernung.
Ihm ist es nicht entgangen denn egal wie fertig er ist – sein Geist ist und war schon immer wach…
…zu wach.

Sie spricht ihn an und nach 1 bis 3 Minuten weiß er was sie will…

Er schaut sie an und sieht dass sie eigentlich ein schöner Mensch ist…
…wäre sie nicht auch zerfressen von dem Krebs der ihre Vergangenheit ist.
Ihr zerschnittener Arm erinnert ihn an die Liebe die ihm damals geraubt wurde - und die Motivation dazu erinnert ihn an den Schmerz den man versteht aber nicht begreifen kann…

…ein Freund von ihm würde jetzt sagen: „Das ist der Weltschmerz...“.
…doch dieser Freund versteht noch nicht genug vom Schmerz und seinen Facetten – wenn er doch auch teilweise Recht hat.
…es ist kein Nachteil.

Seine Seele wird traurig denn es erinnert ihn an das Schicksal…

Sein Eselbank-Freund versteht die Situation und verabschiedet ihn mit einem Grinsen im Gesicht und dem gewissen Blick, den Freunde kennen…
30 Minuten später steigen die Frau und er aus dem Taxi und betreten die Wohnung…
…als er die Tür hinter sich schließt, atmet er auf.
Es geht ihm immer so – denn hier ist sein Reich, seine Welt…
…und er findet die Welt auf der anderen Seite der Tür Schlecht und Anstrengend.
Er bewegt sich nicht selten nur ungern in ihr…

Jesus sieht ihn an...

Seine Seele hängt die Jacke an die Garderobe und es riecht nach ihm hier drin – und er mag das…
…es ist für ihn wie eine Heimkehr nach Jahren der Verbannung – selbst wenn er nur mal eben für 10 Minuten weg war.

Danach geht alles sehr schnell…
…und die Gier der Frau kommt ihm ein wenig zu irreal vor.
Während er noch versucht herauszufinden, wo er diese Frau einordnen muss und wie er die Situation einzuschätzen hat, fragt sie ihn etwas…

„Kannst du jemandem weh tun?“, fragt sie…
Er hat die Frage gehört doch versteht er sie nicht.
…vielleicht will er sie auch nicht verstehen – denn es erinnert ihn an damals.
Er gibt zu verstehen dass er nicht begreift und sie wiederholt die Frage mit einer anderen Betonung…
…und er antwortet ihr das er schon mehrmals Menschen sehr weh getan hat – wenn er es auch erst später verstanden hat.

Sie meint aber körperlich…

Er sieht sie an und wittert etwas…
…aber die Spur ist noch zu ungenau.
Er erklärt ihr, das er durchaus in der Lage ist, und auch die Möglichkeiten hat jemandem weh zu tun, sollte er in eine solche Lage gezwungen werden.
…was sie meint ist allerdings etwas anderes.
…und das wird ihm jetzt auch endlich klar.

Er sieht die Ecke hinter der Tür vor seinem geistigen Auge…
…und das leblose Gesicht, das immer wieder auf die reglose Hülle einschlägt.

„Nein!“…so lautet seine Antwort.
…so was könnte er - doch er will es nicht.
Wieso sollte er vermehren wogegen er, soweit seine Erinnerung zurück reicht, ankämpft?
Er sieht sie sich an und diese devote Haltung reizt ihn und ekelt ihn gleichzeitig an…
…er ist traurig – nicht wegen ihr sondern für sie, denn er kann sie fühlen.
Er betrachtet sie noch immer und gibt ihr ein wenig von dem was sie will, als er sie grob an den Handgelenken fasst um die Annäherung abzuweisen…

Seine Seele spuckt etwas an, was so nicht zu erfassen ist…

Er weiß dass es keine Neigung sondern etwas Aufgezwungenes ist…
…so ähnlich wie eine Narbe die zurückbleibt – wie auch immer sie entstanden ist.
…und dann reicht es ihm.
Er fasst sie bei den Haaren und schiebt sie mit herunter gezogenem Kopf vor sich her während er ihre Klamotten aufsammelt…
Er wird ihr etwas geben von dem was sie zu brauchen glaubt…
…und erklärt ihr das er sie nicht f***** wird und sie dabei würgt oder schlägt – oder was auch immer sie sich von ihm wünscht.
…während er ihre Klamotten vor die Tür wirft und sie aus der Wohnung stößt.

Es ist Sonntagmorgen…
…als er die Tür hinter sich schließt, sieht Jesus ihn an – wie er es immer tut wenn er heim kehrt.

…er und seine Seele sitzen auf der Bettkante und weinen.

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4 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Anfänger...

    09.02.2007, 18:12 von Der-Steppenwolf
    • 0

      @Der-Steppenwolf Pah!

      09.02.2007, 18:17 von charlotte_b
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  • 0

    @ don-negro...
    ...mag vielleicht trostlos sein...aber ich hab auch nie behauptet das in meiner Welt die Sonne scheint oder es Blumen regnet.
    ...trotzdem danke.

    @frau b...
    ...yeah Baby - das ist der Dude.
    ...wie er leibt und lebt - und er freut sich mit dir das er noch da ist. Hört sich krass an wenn du sagst du seist froh das ich noch lebe...das ist irgendwie gruselig.

    ...und was heisst bitte "zuviel von mir"?

    09.02.2007, 16:24 von Der-Steppenwolf
    • 0

      @Der-Steppenwolf das hab ich ja rausgelesen - sonst hätt ich wohl keinen lachanfall gekricht, nä.

      gruselig war, nix von dir zu hören so lang und "zu viel von dir" - als dass ich objektiv hier was hätte ablassen können.

      09.02.2007, 17:31 von charlotte_b
    • 0

      @charlotte_b ...dann schreib mir halt ne Nachricht.

      09.02.2007, 17:32 von Der-Steppenwolf
    • 0

      @Der-Steppenwolf jetzt komm mir mal nicht so, freundchen..! das hab ich getan - und da kam keine reaktion.

      außerdem weißt du ganz genau, dass ich nicht paranoid bin und mir nicht nen kopf wegen nix mach - aber bei so langer sendepause war das nur berechtigt.

      09.02.2007, 17:37 von charlotte_b
    • 0

      @charlotte_b Ruhig bleiben...
      ...war da na Antwort zum "zu viel von dir" dabei? Dann hab ichs nicht gerafft.

      09.02.2007, 17:39 von Der-Steppenwolf
    • 0

      @Der-Steppenwolf wer lesen kann, ist im leben im vorteil..

      oh oh und das von dir.. *kopfschüttel*

      09.02.2007, 17:42 von charlotte_b
    • 0

      @charlotte_b Habs nachgelesen und raffs nich...also entweder wirst du jetzt konkret oder ich ignorier dein genöle...

      09.02.2007, 17:43 von Der-Steppenwolf
    • 0

      @Der-Steppenwolf soll ich jetzt hier schreiben, dass dieser text da oben völlig authentisch ist? dass da null dran ausgedacht ist und der typ, der das geschrieben hat, einfach wirklich so banane ist, ne willige alte an den haaren aus der wohnung zu befördern? und dass er sich die oben beschriebene vergangenheit nicht ausgedacht hat, wenn sie auch nur angedeutet ist. da wär dann ja überhaupt kein raum mehr für interpretation geblieben (für all die anderen, die es lesen sollten)..

      konkret genug?

      09.02.2007, 17:49 von charlotte_b
    • 0

      @charlotte_b Sagte ich nicht: Schick ne Nachricht...in mein Postfach?
      ...aber konkret genug ist es.

      09.02.2007, 18:08 von Der-Steppenwolf
    • 0

      @Der-Steppenwolf nee - das war nicht so konkret "ins postfach" gesagt..

      09.02.2007, 18:11 von charlotte_b
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    Sehr schöner Text - auch wenn er ein wenig trostlos ist, aber ich kann ihn -wenn auch nur ansatzweise - verstehen. Trotz zu vieler Empfehlungen diese Woche - dieser ist dabei.

    30.01.2007, 23:24 von Don-negro
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    "Er fasst sie bei den Haaren und schiebt sie mit herunter gezogenem Kopf vor sich her während er ihre Klamotten aufsammelt… "

    Irgendwie stell ich mir das grad bildlich vor und muss (eigentlich ziemlich unpassenderweise, oder?) lachen.. Ja, das ist "the man" : )

    Da steckt zu viel drin in dem Text, zuviel von Dir und vielleicht bin ich einfach nur gut drauf, weil Du noch lebst.

    Egal.

    Ich hoffe, andere Leute können eine bessere "Kritik" über Deinen neuen Text schreiben - sie werden das objektiver beurteilen können.

    30.01.2007, 19:57 von charlotte_b
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