salousoul 22.11.2017, 20:44 Uhr 5 1

Einfach mal allein sein

Springt doch selber mal über Euren eigenen Schatten, macht Euch unabhängig von anderen und zieht dieses Ding alleine durch!

-„Und Sarah, freust du dich schon auf deinen Urlaub?“
-„Ja, ich kanns gar nicht mehr erwarten endlich mal wieder für ne Weile von hier wegzukommen.“
-„Das glaube ich dir. Mit wem gehst du denn eigentlich?“
-„Ich gehe alleine.“
-„Du bist ja echt krass unterwegs. Ich könnte das nicht.“

Oft werde ich gefragt, wie ich es denn immer schaffe, alleine zu reisen, ob es nicht langweilig ist oder ich nicht manchmal einsam bin, ob ich da nicht Angst habe und was genau mich eigentlich dazu bewegt.

NEIN, es ist ganz und gar nicht langweilig.
NEIN, ich bin dabei nicht einsam und
NEIN, ich habe keine Angst.

Was mich dazu bewegt, ist, einen Zugang zu meinem eigenen Körper zu finden, genau auf seine Signale und Bedürfnisse zu achten und ihm diese zu erfüllen. Und selbstverständlich, um einfach mal über seinen eigenen Schatten zu springen und sich stark zu machen!

Wir leben in einem System, in dem wir tagtäglich gebunden sind an Termine, Fristen, Zeitpläne und uns immer abhängig machen von anderen Menschen, den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem TV-Programm.
Gerade in so einer Gesellschaft ist es umso wichtiger, einfach mal STOP zu sagen, sich rauszunehmen, unabhängig von anderen zu machen und zur Abwechslung mal das tun, worauf MAN SELBST Lust hat und was MAN SELBST gerade braucht.

Das erste Mal, dass ich alleine reisen gegangen bin, war vor drei Jahren.
Es war eine sehr schwierige Zeit. Sie war überhäuft von Arbeit, Anforderungen, Verantwortungen, unsicheren Zukunftsperspektiven und nervigen Mitbewohnern. Und sollte das nicht schon genug gewesen sein, litt ich darüber hinaus auch noch unter jämmerlichem Liebeskummer.
Zuerst wollte ich gar nicht alleine gehen. Ich habe viele Leute gefragt, ob sie mit mir mitkommen wollen. Doch bei allen scheiterte es an der Zeit und am Geld.
Alles sah ganz danach aus, als ob ich meinen zweiwöchigen Urlaub zuhause auf dem Land bei der Familie mit kleinen täglichen Ausflügen in die Berge oder an irgendwelche Seen verbringen müsste. (Hallo Mama & Papa: Was ja auch schön gewesen wäre, aber halt einfach nicht das, was ich mir für diese zwei Wochen vorgestellt hatte! Hab euch lieb!)

An einem verkaterten Sonntagmittag, vollgepumpt mit Selbstzweifel, Existenzängsten und Kopfwehtabletten ertrank ich mal wieder in Selbstmitleid und schaute mir eine Reisedoku über Norwegen an, die bei mir das Gefühl auslöste, dass ich verdammtnochmal endlich was an meiner derzeitigen Situation ändern musste!
„Spring über deinen eigenen Schatten Sarah, mach dich unabhängig von anderen und zieh dieses Ding alleine durch.“
Im selben Moment ging ich auf eine Fluganbieterhomepage und buchte mir einen Flug nach Norwegen.

Einige Wochen später ging es los. Zwei Wochen lang nur ich, mein Rucksack und die atemberaubende Landschaft Norwegens.
Und ja, ich gebe zu, es war anfangs nicht leicht. Es hat eine Weile gedauert bis ich meine Scheu ablegen konnte. Alleine am Hostel ankommen, alleine beim Essen sitzen, alleine ins Museum gehen, alleine Leute anprechen um nach dem Weg zu fragen, alleine am Meer sitzen, einfach alleine sein.
Aber je länger ich diese Dinge getan habe, umso größer wurde in mir dieses wunderbare Gefühl, einfach mal frei zu sein. So lange zu schlafen wie ich wollte, die Tour zu starten, die ich wollte, mir das Museum anzusehen, welches mich interessierte, solange an einem Ort zu bleiben, wie ich wollte, selbst zu entscheiden, mit wem ich jetzt ein Gespräch anfange oder nicht. Und nach und nach hat sich in mir selbst der Knoten gelöst und ich konnte mich voll und ganz auf diese Sache einstellen.

Wann immer ich mit Menschen ins Gespräch gekommen bin, wurde mir selbstverständlich die Frage gestellt, ob ich denn wirklich alleine unterwegs bin. Und anstatt schräg angeschaut zu werden oder ich gefragt wurde, ob ich denn überhaupt Freunde habe, habe ich nur positive Reaktionen auf meine Aktion empfangen. Ich wurde gelobt für meinen Mut und meine Offenheit und habe manche Leute sogar dazu gebracht, darüber nachzudenken, so etwas selbst einmal auszuprobieren.

Die positiven Reaktionen und Verstärkungen der Menschen haben in mir ebenfalls eine positive Einstellung hervorgerufen und somit habe ich es in diesen zwei Wochen durch den Süden Norwegens geschafft.

Natürlich kommt manchmal das Gefühl hoch, man müsste den Moment, wie man sich auf dem Fahrrad über eine Halbinsel strampelt, einen Berg besteigt oder einfach nur am Strand sitzt und auf das Meer hinausstarrt mit jemandem teilen. Aber wir leben in einer Zeit, in der wir persönlich wertvolle Momente mit nur einem Knopfdruck mit dem ganzen Erdball teilen können, um dafür möglichst viele Daumen zu bekommen und vergessen ganz, dass wir genau solche wertvollen Momente auch einfach mal für uns selbst brauchen. NUR für uns selbst. Um eigene kleine Momente zu haben, an die wir uns zurückerinnern können, wenn die Welt mal wieder Kopf steht und um die Kraft und das Selbstbewusstsein, was wir uns auf dieser Reise angeeignet haben für die schwierigen Zeiten bereitzuhaben.

Danach hat mich das Alleine-Reisen-Fieber gepackt und wann immer mal wieder alles drunter und drüber ging und ich mal wieder Zeit gebraucht habe, im Einklang mit mir selbst zu sein, habe ich weitere Reisen nach England, Schottland oder Portugal gewagt und aus mir selbst eine starke, selbstbewusste und unabhängige Person gemacht.


Tags: selbstwusstsein
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5 Antworten

Kommentare

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    Ich habe den Artikel zugegebenermaßen nur kurz überflogen...
    Allegemein stört mich diese Einseitigkeit oft an Texten dieser Art, oft auch in Verbindung mit so einem unterschwellig appellativen Charakter , nach dem Motto "so gehts!", "Schaut her, ICH habe es (auch) geschafft. Ihr müsst (!) nur. etc.pp"
    Wie bei fast allem gibt es immer Vor- UND Nachteile, abgesehen davon ist jeder Mensch anders, hat andere Bedürfnisse, nicht zuletzt nach Nähe, Freiheit, Abenteur,  Einsamkeit oder eben Gemeinschaft. Da gibt es kein richtig oder falsch. Meines Erachtens kann und sollte das jede(r) für sich selbst entscheiden und daran gibts dann auch nichts zu kritisieren oder abzuwerten.
    Wenn du gut allein verreisen kannst und es dir Spaß bringt und du nicht zuunrecht stolz auf dich bist, weil du deine evt vorher vorhandenen Ängste überwunden hast, finde ich das toll.
    Aber da mit dem gefühlt wertenden Zeigefinger zu kommen, finde ich halt nicht so schön.

    23.11.2017, 21:36 von Gluecksaktivistin
    • 1

      Dafür ein Herz...

      ;)

      23.11.2017, 22:29 von sailor
    • 0

      Yep
      <3

      23.11.2017, 23:34 von Freyr
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  • 2

    ergänzt sich gut zu diesem Artikel hier kürzlich.


    es geht ja nicht um Extreme oder Eremitisches aber durchaus eine gewisse Form von Verzicht... Selbsterfahrung, die wahre Fülle (oder Leere zunächst) fühlbar/erkennbar werden und bestenfalls in etwas wunderbares transformieren lässt. 

    23.11.2017, 16:51 von schauby
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  • 0

    Ja! 

    Die Wahrnehmung ist eine andere - für sich selbst und die umgebende Umwelt.

    23.11.2017, 13:22 von CaraRuna
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  • 0

    Sehr schön. Bis auf die Sache mit dem teilen und den Daumen. Aber da haste ja gerade noch die Kurve gekriegt...  ;)

    23.11.2017, 07:25 von sailor
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