altes_Kind 12.04.2013, 14:48 Uhr 0 3

Ein Märchen

Eine Gute-Nacht-Geschichte, die Fuchs und Hase sich abends unter meinem Bett erzählen.

Letztens oder vor längerer Zeit habe ich mich in die Ecke gestellt. Irgendwann würden die Füße und der Rücken müde, selbst das Anlehnen reichte nicht mehr. Meine Knie begannen zu zittern, also musste ich mich setzen. Habe es mir gemütlich gemacht in eben dieser Schämecke. Richtig hineingelehnt und die Beine umschlungen, fühlte sich das Suhlen an wie notwendige Peinigung. Der Schmerz war bald unerträglich, aber ich dachte: Hey, geschieht dir doch recht.
Irgendwann sah ich nur noch meine eigenen Füße.. Ich wünschte sie wären blutig gelaufen, oder meine Hände schwer und aufgedunsen von Schwielen der harten Arbeit. Aber nein, ich war ein faules Weichei und langsam begann ich erbärmlich zu stinken.

Und dennoch kam mein Opfer, nahm meine arrogante, verwöhnte  Prinzessinenhand und sagte: Weine nicht mehr, schau nach vorn.
Es gab mir eine Brille und die Welt schien erträglich.
Es badete mich in süßlichen Düften, verband mir die selbst zugefügten Wunden und sprach: Beiß dich nicht mehr, das Leben zwickt doch oft genug.
Es rückte mir meinen Kopf gerade, er saß wieder munter auf meinen Schultern. Obwohl ich peinlichst darauf achtete, ihn nicht zu hoch zu heben, mein Nässchen auch noch den Geruch der Scheiße ertragen zu lassen, den jeder Mensch mit sich herumträgt.

Jene Absolution blies mir meine Sorge fort und ich träumte von fernen Stränden. Wieder erreichbar erschien eine friedliche Apfelkuchenwelt, selbst die Sahne wurde mir wieder aufgeschlagen.

Dann pochte es von innen an eine Tür in meinem Kopf..Erhört wurde das Anklopfen von einem kleinen Türchen in meinem Herzen. Dabei war es doch mit Ketten gesichert, Erde davor angehäuft, die Schlüssel weit davon vergraben. Sie öffnete sich trotzdem: Wer ist da?
Durch Eisen und Schlamm schaffte sich ein häßliches Wesen hervor, es grunzte und johlte, hob die Hände in meine Lunge und schrie nach der Freiheit.

Das vibrierende Echo schallte durch meinen Körper, will nicht verklingen und wirft sich von Wand zu Wand immerwährend zurück. Nur ich kann es hören, doch die Angst beginnt mir aus den Poren zu quillen.

Der Kopf hat einen ritterhaften Helden nach unten ausgesannt, schwer bewaffnet und zu allem bereit. Er soll das Untier finden, erschlagen, verbrennen. Man munkelt es stehe auf dem Befehl sogar ein Zusatz, er solle auf die Asche urinieren und dabei eine geheime Zauberformel rezipieren.

Mich hat man nicht in Kenntnis darüber gesetzt, wie und was, es ist gefährlich, wenn ich zuviel von dem Plan weiß. Und so warte ich jeden Tag auf ein erfolgreiches Ende der Jagd, die in einem unerbittlichen Kampf enden wird. Denn das weiß ich genau, keiner der beiden wird aufgeben.

So lebe ich weiter bis heute, bis jetzt bin ich weder gestorben, noch lebe ich glücklich bis ans Ende meiner Tage.

Doch mir schwant nichts Gutes, denn ich sehe einen starken Baum und seine verführerischen Kirschblüten öffnen sich gerade wieder.

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