Onur_Yildirancan 30.11.-0001, 00:00 Uhr 181 6
NEON täglich

Du Opfer

Wurdet ihr schon mal von Kollegen oder Schulkameraden gemobbt? Wie kann man sich gegen solche Angriffe wehren?

Ich möchte euch eine Geschiche erzählen, die geht so: 

Damals in meiner frühen Schulzeit gab es diesen einen Jungen, der es auf mich abgesehen hatte. Im Grunde hatte er ein gutes Herz, davon bin ich heute überzeugt, aber der schlechte Einfluss seiner Freunde ließ ihn Dinge tun, für die er später von der Schule fliegen sollte. Dieser Knabe, ein Querulant, konnte mich nicht besonders gut leiden. Bis heute weiß ich nicht genau warum, denn ansonsten war ich in meinem Umfeld ausschließlich mit Leuten unterwegs, die mich mochten. Die meisten dieser Schmeichler sind heute längst in Vergessenheit geraten, aber an diesen einen Jungen werde ich mich immer zurückerinnern: der Antagonist. Die Nemesis. Der Mobber.

Es lief folgendermaßen ab: Der Mobber traf die Entscheidung mich zu mobben aus einer Laune heraus. Er beleidigte und beschimpfte mich, schubste mich herum und klaute Stifte aus meinem Zorro-Federmäppchen. Stifte in der Schule, muss man wissen, waren damals gleichzusetzen mit Zigaretten im Knast, quasi die Währung numero uno auf dem Pausenhof. Nur wer ausreichend Schreibuntensil in allen Farben und Formen besaß, konnte tauschen und verleihen, die Mädchentoilette mit Schweinereien bekritzeln und lässig darauf herumkauen - das Statussymbol eines Heranwachsenden Anfang der 90er. Zumindest in meiner Geschichte.

Nun denn, so ging es einige Zeit munter weiter. Er mobbte mich aus Gewohnheit, ich ließ es über mich ergehen. Ich Opfer. Die Phase dauerte vielleicht vier oder fünf Monate - eine Ewigkeit im Bio-Rhythmus eines Kindes. Eines Tages erkannte ich, dass es so nicht weitergehen konnte, wollte ich meine schulische Reputation bei den Jungs und Mädels (vor allem den Mädels) nicht dauerhaft beschädigen. Also beschloss ich, dem ganzen ein Ende zu setzen. Ich vereinbarte ein Duell mit dem Mobster auf dem Pausenhof, wo uns alle sehen konnten, um mich mit dem Knaben zu prügeln und so Stärke zu demonstrieren. Dieses finale Szenario hatte ich mir aus einem Western abgeguckt - nur lag der Held am Ende nicht mit abgebrochenem Schneidezahn blutend am Boden, sondern schoss mit seinen Revolvern triumphierend in die Mittagssonne. Um Punkt 12 Uhr mittags, High Noon.

Die Moral von der Geschicht'? Er flog von der Schule, und ich nicht.

Wurdet ihr schon mal Opfer einer Mobbing-Attacke? Wo lässt sich die Grenze ziehen zwischen "netten Gemeinheiten" und verletzenden Äußerungen? Besonders Cyber-Mobbing ist für viele Jugendliche ein belastendes Thema - nicht selten wurden Minderjährige so in den Selbstmord getrieben. Wie wehrt ihr euch gegen Internet-Mobbing? Kann man sich im virtuellen Raum überhaupt angemessen verteidigen?

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181 Antworten

Kommentare

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    "Mobbing" ist doch prinzipiell gleichzusetzen mit "Sexueller Belästigung" - wenn es um die Täterfindung geht. Da gibt es das gedemütigte Opfer, was im Laufe der Zeit immer schwächer wird und stellt man den Täter irgendwann, selbst mit Zeugen zur Rede, hat das Opfer halt alles "falsch verstanden" und der Täter ist fein raus.

    07.06.2012, 22:29 von schlaflosinschwaben
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    Doch, ich habe die volle Bandbreite abgekriegt. Beleidigungen, Ausschluss, Erniedrigungen, meine Sachen verschwanden oder wurden zerstört... Schlimm war für mich, dass es nur eine Person war, die alle anderen mitgezogen hat.

    07.06.2012, 20:05 von Ajirad
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    Ich wurde selbst nie gemobbt, waren mehr "nette Gemeinheiten".
    Hab aber bei meinem kleinen Cousin erlebt wie schlimm es werden kann und wie aussichtslos der Kampf dagegen ist, weil es die meisten Schulen halt nicht interessiert, solang keiner körperlich zu Schaden kommt. Er war auf einer Privatschule, die eigentlich einen sehr guten Ruf hatte, allerdings ist er kein "typischer" Privatschüler (die meisten Eltern hatten dort eigene Firmen oder Kanzleien oder ähnliches und er war halt "nur" Sohn einer Lehrerin und es Arbeiters).Fing ganz harmlos mit kleinen Sticheleien, aber ging leider bis zur Bezichtigung des Diebstahls, Abschreibens usw. Dabei wurde er regelmäßig beklaut, unter anderem waren nach dem Sportunterricht seine Straßensachen weg und er hat sie auch nicht wieder bekommen. Wenn er sich beschwert hat oder einem Lehrer davon erzählt hat hieß es immer nur "Ach der Leo schon wieder..."
    Sie haben ihm sogar unterstellt das er sich das bloß ausdenken würde und ihm ADS unterstellt.
    Am traurigsten war eigentlich das die Kinder ihm Sachen an den Kopf geworfen haben, die sich Kinder mit 13/14 so nicht ausdenken, die müssen schon von einem Erwachsenen gekommen sein, da frag ich mich doch wie viel haben die Eltern mit dem Mobbingverhalten ihrer Sprösslinge zu tun?

    06.06.2012, 07:10 von Evi_aus_MD
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      Schlimmer als "den" einzelnen Mobber finde ich die mitlaufenden Schäfchen, die meinungslos mitmachen, um dazuzugehören.
      sehr wahr Hilde.... obwohl es nicht "schlimmer" ist sondern asozial

      06.06.2012, 01:15 von themecki
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      Komma nach ist und Punkt nach asozial ;)

      06.06.2012, 01:16 von themecki
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    Man darf aber auch nicht vergessen, dass Mobbing den Gruppenzusammenhalt fördern kann, außerdem macht es Spaß.

    Nicht immer alles so negativ sehen!

    05.06.2012, 22:07 von faux_IV.
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    In meiner (Asi)-Klasse auf der Realschule gehörte Mobbing zum "guten Ton". Man war entweder zu fett, zu klein, zu uncool oder gehörte einer anderen Ethnie an. Das war Alltag. Auf dem Gymi wurde später auch gemobbt-allerdings mit mehr Niveau.
    Die gutaussehenden Sportskanonen vs. die Streber. Nur die Musiker hatten irgendwie Glück. Die wurden von beiden Gruppen gemocht. Vor allem wenn man Mitglied der Schülerbands (Hip -Hop Crews, Punkrocker usw.) war.


    05.06.2012, 20:52 von themecki
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    Also, als ich Kind war, gab es den Begriff Mobbing noch gar nicht, aber Stefan P. hat mich immer geärgert, geschubbst und mir meinen Toni ausgekippt kurz bevor der Bus kam, so dass ich den verpasst habe, weil ich meine Schulsachen zusammenklauben musste.


    Aber ich fand das nicht sooo dolle schlimm, weil ich genug Freundinnen und Freunde hatte. Wahrscheinlich war Stefan P. nur heimlich verknallt in mich ...

    Ein paar Jahre später waren wir in der selben Trainingsgruppe beim Tennis, da war Stefan plötzlich total freundlich und witzig. Wenn ich ihn heute treffe, plaudern wir immer lustig.

    05.06.2012, 15:56 von B.tina
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      Naja, das mit dem Bus verpassen fand ich schon doof. Da hatte ich auch ein bisschen Angst vor dem. 


      Aber er hat auch in mein Poesiealbum geschrieben. Allerdings mir und meinen Freundinnen das Selbe ...

      05.06.2012, 16:14 von B.tina
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      Menschen kommen auf die absurdesten Gedanken, um ihre Sympathie zum Ausdruck zu bringen...

      05.06.2012, 16:15 von sailor
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      Haha das erinnert mich an meinen Kumpel (meinen besten). Was haben wir uns in irgendeinem Chat angefaucht, zur Sau gemacht und mit Schlamm beworfen. Und irgendwann wurden wir die besten Kumpels. Ich glaube, weil er mir einmal Recht gegeben hat. Doh. lol

      05.06.2012, 16:22 von LeyluraLegbreaker
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    Mir fällt da eine Bekannte ein:

    Sie erzählt mir, sie wird auf der Arbeit gemobbt.
    Ich frage wie denn genau?
    Sie sagt: "Die beiden Kolleginen in meinem Büro reden nicht mit mir. Und miteinander reden Sie nur, wenn ich nicht da bin. Das weiß ich, weil sie immer schnell aufhören zu reden, wenn ich z.B. wieder ins Zimmer komme. "

    Ich frage mich: Ist das Mobbing?
    Reicht es aus wenn man sich gemobbt fühlt?

    05.06.2012, 15:17 von Tanea
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      Kann, muss aber nicht.
      Soziale Isolation ist ein Teilaspekt beim Mobbing.
      Sucht sie denn das Gespräch mit den Kolleginnen?

      05.06.2012, 15:22 von sailor
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      Keine Ahnung. Aber dadurch, dass Sie das ganze auf sich bezieht wird sie doch zum Mobbing-Opfer.
      Im vorauseilenden Gehorsam versucht sie natürlich alles um nicht negativ aufzufallen. Erledigt die Arbeiten der anderen mit. Trägt als letzte den Urlaub ein, u.s.w.


      05.06.2012, 15:30 von Tanea
    • 3

      self-fulfilling prophecy

      05.06.2012, 15:38 von sailor
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      http://osha.europa.eu/de/publications/factsheets/23

      05.06.2012, 21:22 von Gluecksaktivistin
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    Dank meiner roten Haare war ich prädestiniert dazu, gemobbt zu werden. Hat mich kalt gelassen, hab ich immer gekonnt ignoriert. Mich hat das Ganze eben zum Einzelgänger gemacht. Ich bin dadurch sehr wählerisch im Umgang mit Menschen.

    Ignoranz ist wohl das beste Mittel.

    05.06.2012, 15:10 von konsTante
    • 1

      Degoutantes Pack...

      05.06.2012, 15:57 von sailor
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