Caja_Clementine 18.08.2008, 16:21 Uhr 3 0

Du in drei Worten Punkt

Wer hat gesagt, dass da ein Schrank ist?

Ich habe einen Hang zur Übertreibung.
Ich bin da ja nicht so.
Das würde ich niemals tun.
Da bin ich ja ganz anders.
Niemand ist so selbstzerstörerisch wie ich.
Ich bin extrem emotional.
Ich bin nicht spontan.
Ich liebe das Abenteuer.
Damit könntest du mir nicht kommen!
Ich bin so.

„Ah, das ist wirklich interessant.“
„Danke. Ja, also, ich beschreibe mich gerne mit folgenden drei Worten: laut, unberechenbar, sprunghaft.“
„Hm, ja. Ach so. Und... ähm...?“
„Ja?“
„Nee, ist schon gut. Egal.“ Diese drei Worte würde ich eigentlich gerne hinterfragen. Wieso gerade diese drei? Aber diese Worte sind unantastbar. Ich würde es mit der Zeit schon in Erfahrung bringen. Sie ist also laut, unberechenbar und launisch. Oder will sie so sein? Ich werde es erforschen, beobachten. Wenn mich also jemand fragt wie Tanja ist, dann würde ich sagen: laut, berechenbar, launisch. Oder sagte sie sprunghaft? Bedeutet es dasselbe? Ja, eigentlich ein und dasselbe...
„Ich finde es ja wichtig, dass man sich definieren kann. Man muss doch wissen wofür man steht und wofür nicht. Man muss doch wissen was einen ausmacht. Nicht wahr? Ja. Sag, welche Worte beschreiben dich am besten?“
Eigentlich hatte ich noch nie darüber nachgedacht, mich in nur drei Worten zu definieren. Ehrlich gesagt hatte mich bisher auch noch nie jemand dazu genötigt.
„Und jetzt sag nicht, dass du eigentlich „unschubladbar“ bist. Sei bitte nicht von dieser Sorte! Die „ich-bin-was-ganz-besonderes-ganz-anders-als-alle-anderen-blaaaa“. Das ist doch scheiße und nur Gelaber. Jeder gehört in eine Schublade. Jeder gehört zumindest eher in diese als in jene.“
Das machte mich stutzig. Ich hätte ihr das natürlich nicht so unter die Nase gerieben. So von wegen „Iiiiiiich bin ja in keine Schublade zu stecken.“. Ich stehe ja nicht so auf Wichtigtuerei. Oh, es funktioniert ja. Der Funke springt also allmählich rüber. Ein paar Nachmittage habe ich mittlerweile mit Tanja verbracht und schon kann ich über mich sprechen, als wäre ich eine Statue.
„Nun sag schon!“ Sie bettelt fast. Warum ist es ihr so wichtig. Fast als würde ihr Leben davon abhängen.
„Also, ich mag es nicht so gern, wenn sich...“
„Nein, ich habe dich nicht gefragt was du magst und was du nicht magst. Dann würde ich dir mein Poesiealbum geben... Mensch, ist das denn so schwer? Drei Worte, die dich beschreiben. Die sich wie ein roter Faden durch dein Leben ziehen.“
Ist sie etwa der Meinung, dass sich diese drei Worte mit der Zeit nicht verändern? Wow.
„Die sich durch mein ganzes Leben ziehen?“
„Hast du nie darüber nachgedacht? Über Eigenschaften, die dich bisher immer begleitet haben?
„Nein, eigentlich nicht...“
„Meine Güte! Dann mach es jetzt! Ich bin laut, unberechenbar und sprunghaft. Inspiriert dich das denn kein Stück?“
Dadurch, dass Tanja mich so drängt und so darauf besessen ist, sich einzupacken und zu beschreiben, malt sie ein Bild von sich... das mir allerdings nicht sehr sympathisch ist. Penetrant. Einspurig. Tunnelblick. Besserwisserisch. Ich-bezogen. Von oben herab. Vorurteile. Leicht arrogant. Anstrengend. Nervig irgendwie auch. Und wie oft sie ihre Stimme in unseren Gesprächen schon erhoben hat...
Sie will unbedingt drei Worte über mich, die mich perfekt beschreiben. Vielleicht braucht sie sie. Sie stellen so etwas dar wie einen Code. Und den braucht sie, um mich zu erkennen und um an die Basis heranzukommen. Dann macht sie sich das aber einfach. Faul ist sie also auch noch. Will sich den Geheimcode auf einem Silbertablett servieren lassen, ohne sich selbst zu bemühen mir drei Worte zu geben. Würde mir jeder Mensch dieselben drei Worte geben? Gibt es vielleicht sechs Worte? Oder stimmen die drei Worte, mit denen man mich dem ersten Blick nach beschreiben würde, mit denen überein, die man wählen würde, wenn man mich schon lange kennt? Hat jeder Mensch nur drei Worte? Hat jeder Mensch seine eigenen?
„Warum willst du dich unbedingt determinieren? Warum nur drei Worte? Warum tust du das? Warum nicht einfach leben?“ Endlich ist es raus. Jetzt wird sie bestimmt laut und mit Eifer versuchen mir zu verdeutlichen, wie wichtig es doch sei, sich selbst beschreiben zu können.
„Na siehst du. Du hast also Angst dich festzulegen. Du willst eher der Wind sein.“

Und plötzlich ist da eine Welt.
... beinah wäre ich darauf reingefallen. Sie macht das aber auch so gut. Ihre Festung verteidigt sie so gut. Beschreibt sich mit solch einer Bestimmtheit, dass ich ihr beinah geglaubt habe. Dass ich nur noch die Worte gehört habe. Ich habe mich so angegriffen gefühlt. Und durch ihr Drängen habe ich sie schon durchdacht und - fertig gedacht. Mir ein Bild von ihr gemacht und die Schublade geschlossen. Zugeschoben.
Ich fange an zu grinsen.
„Dann lehne ich mich weit aus dem Fenster und beschreibe mich mit nur diesem einen Wort: Wind.“ Fühlt sich gar nicht mal so schlecht an. Plötzlich liegt ein Zauber in der Luft. Um mich herum. Ich habe mich gerade selbst verzaubert. So fühlt sich das also an. Wie ein Windhauch auf meiner Haut.

„Nur ein Wort? Ach, mit dir macht das keinen Spaß. Lass uns über was anderes reden. Also, findest du es nicht auch nervig, dass Michi immer so auf Zwang versucht lustig zu sein? Das nervt total. Ich meine…“

Ich versinke in meinen Gedanken. Tanja, Tanja…


Man kann ein Märchen um sich herum basteln. Man kann sich in eine wunderbar romantische Geschichte einbetten oder sich zum Actionheld einer unsagbar aufregenden Geschichte machen.
Und so zeichnet man sich. Macht ja auch Spaß. Gibt einen etwas. Man hat was in der Hand. Man hat sich selbst ein bisschen in der Hand.
Aber man sollte sich immer wieder neu zeichnen. Oder nicht?
Tag für Tag auf weißem Papier neu beginnen. Oder nicht? .. und so versuche ich etwas zu verallgemeinern. Zwar nicht mich aber eine Regel aufzustellen. Der Mensch hat wohl einen Hang dazu. So ist er halt, der Mensch. So ist er.

Und wer lächelt jetzt?


Lass die Menschen sich doch in Schubladen stecken... nur abnehmen dürfen wir es ihnen nicht.

3 Antworten

Kommentare

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    Am Anfang etwas verwirrend, danach fand ichs gut.

    18.08.2008, 17:07 von Tanea
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