Herbstmelancholie 05.01.2019, 21:03 Uhr 9 1

"Du bist ja ganz schön zimperlich"

Sexismus, der - (dieses Wort stand 1980 erstmals im Rechtschreibduden).

Ja, es tut mir Leid. Es ist schon wieder einer dieser Artikel. Sexismus, Feminismus und #metoo Debatte. Du kannst es nicht mehr hören? Dann hast du vielleicht einfach nur nicht verstanden, worum es dabei geht.

Was anfangs als harmloser Schlagabtausch anfängt, artet irgendwie relativ schnell aus. Zugegeben, wenn mir einer blöd kommt, konter ich auch einfach mal zurück. Dabei respektlos zu werden, ist aber wirklich nicht meine Art. Das scheint mein fünfunddreißig Jahre älterer Kollege aber anders zu sehen.
"Pass auf, sonst leg ich dich übers Knie und versohl dir mal ordentlich den Arsch. Früher hat man das auch noch mit Gürtel gemacht, dann wurden so Gören wie dir die Manieren noch eingeprügelt." Der Secruity lacht. Ich nicht, ich bin zugegebener weiße ziemlich sprachlos und mir wird ziemlich übel davon. Nicht weil ich Angst habe, nein, eigentlich nur, weil ich diese Aussage doch relativ widerlich finde. Und das auf so viele Arten. Der Secruity warnt mich noch, dass sie zu Zweit seien und ich keine Chance haben würde. Als ich versuche ihnen klar zu machen, warum solche Aussagen mehr als nur unangebracht sind, winkt der Secruity ab. Er erklärt mir augenzwinkert, dass sie mich doch nur etwas aufziehen wollen. Doch mein Kollege ist noch nicht fertig. Hätte er das gewusst, hätte er seinen Hund mitgebracht, einen großen Husky. Den hätte er auf mich gehetzt und der würde mich beißen, bis ich nur noch wimmernd in der Ecke sitze. Irgendwie versuche ich noch halbwegs schlagfertig zu reagiern und will mich auf keinen fall eingeschüchtert geben, doch eigentlich mal ich mir die Szene bereits gegen meinen Willen im Kopf aus. Was er nicht weiß ist, dass ich tatsächlich eine scheiß Angst vor Hunden habe. Nach und nach geh ich mehr auf Abstand, fühle mich zunehmend unwohler, konzentriere mich nur noch auf meine Arbeit und hoffe, dass die Schicht endlich zu Ende geht.

Es ist fast geschafft, der Feierabend steht kurz bevor. Ich laufe die Treppe nach oben, als mir mein Kollege von hinten mit seiner Tasche auf den Hintern haut. Er schlägt nicht fest, es tut nicht weh, aber das Gefühl ist unfassbar unangenehm. Als ich ihn zurechtweiße, dass er sowas nicht machen darf und was das solle, wirft der Secruity nur ein "Du bist ja ganz schön zimperlich". Bin ich das? Bin ich zimperlich oder versteht ihr nur einfach nicht, was diese scheiß Geste auslöst? Wie respektlos ihr euch verhaltet, wie sexualisierend diese Geste ist und dass verdammt nochmal niemand das Recht dazu hat. Diese Geste - sofort denke ich wieder an das Festival, auf dem mir der Typ in der Sicherheit der anonymen Masse an den Hintern grabscht. An den Arsch in der Bar vor acht Jahren, der einen Kopf größer und zehn Jahre älter ist, wie er mir süffisant grinsend an die Brüste fasst. - Und wenn ihr nicht versteht, warum das nicht in Ordnung ist, dann versteht ihr wohl auch nicht, was Sexismus eigentlich bedeutet.


Tags: sexismus metoo, sexualisierend
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9 Antworten

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    Hm. Das Recht auf so ein Verhalten hat natürlich niemand, aber schlagfertig hin oder her (sind ja nun nicht alle), finde ich doch, dass man sich schon aufraffen muss, über das unwohle Gefühl, die Angst und die Fluchtgedanken weg zu kommen und es zumindest wenn man wieder zu klaren Gedanken in der Lage ist, anzusprechen. Man kann auch verspätet eine Ohrfeige austeilen. Denk ich mal.

    Oder ne verbale Attacke ausarbeiten und losfeuern.
    Muss auch recht befreiend sein.

    09.01.2019, 14:25 von smillalotte
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    Dieser anstands- und respektlose Ton ist widerwärtig, sexistisch und ein Grund zum Ausflippen.

    Ich verstehe nicht, wie manche das witzig finden. Selbst Frauen reden abwertend von Emanzen, wenn sie sich gegen solches Verhalten zur Wehr setzen.
    Die jüngere Generation ist da längst etwas weiter und weiß, dass man sich auf Augenhöhe begegnen kann, ohne dass das männliche Ego angegriffen wird.

    07.01.2019, 17:30 von theChaosqueen
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    Reg dich ruhig drüber auf. Dazu hast du jedes Recht. Das ist bagatellisierendes, herablassendes und demütigendes Verhalten gegenüber dir, als Frau. Wärst du ein Mann, wären solche Sprüche nicht gefallen - und dir hätte auch niemand auf den Hintern gefasst. Und dieses scheiß Thema ist nie ausgelutscht - solange noch versucht wird, Frauen auf eine solche Art und Weise in die Knie zu zwingen - und solange diese Art von Demütigung noch als Kavaliersdelikt angesehen wird.

    07.01.2019, 00:26 von Blume-und-so
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      Solange Frau meint dass sie durch sexualisiertes Verhalten entwertet wird, funktioniert der Übergriff. 


      Denn das ist die Schmach für die Frau. Es funktioniert sie damit zu beschämen. 
      Einen beherzten Griff an die Eier schlagen die meisten in die Flucht. Warum tut das keine Frau? 

      Weil sie es als sexuell unterwürfige zu ertragen hat, dazu müsste sie sexuell frei agieren können und das darf sie nicht, das diktiert die Gesellschaft.

      Deshalb hilft alles Krähen nichts. Machen sich Frauen nicht sexuell frei werden sie immer Opfer bleiben. 

      Punkt aus Ende. 

      07.01.2019, 08:06 von NieOhne
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      Natürlich hat jede Frau das Recht sich darüber aufzuregen und sich das zu verbitten. Darum geht es ja gar nicht. Aber ich finde der eigentliche Adressat ist die Person , die sich so verhalten hat und nicht die sozialen Medien.
      Inzwischen sollten wir auch emanzipiert genug sein, die oder denjenigen direkt anzusprechen und das mit der oder demjenigen zu klären. Aufregen bringt nichts, sondern die Angelegenheiten müssen direkt und zeitnah geklärt werden, sonst ändern sich NIE etwas. Opfer ist, wer sich so benimmt und fühlt. Ich bin da eher proaktiv und lösungsorientiert und ICH bestimme, wie ich mich fühle. Man kann gewisse "Übergriffe" auch als Flirtverhalten oder Kompliment deuten , das kommt doch immer auf die Siuation und das Gegenüber an und auch meine aktuelle persönliche Stimmung etc. Was der eine darf, darf der andere schon mal gar nicht. Ich bestimme meine Grenzen, sonst niemand.

      07.01.2019, 12:52 von Gluecksaktivistin
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      Wie es die Gluecksaktivistin und NieOhne sagen.


      Ich kann das Geheule in den sozialen Medien nicht ab, finde es den wirklich emanzipierten Frauen gegenüber unangebracht, mag diesen ganzen #metoo überhaupt nicht.

      oder anders gesagt:

      "Wer sich selbst als Opfer geriert ist es auch meist..." 

      09.01.2019, 13:17 von chiral
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    Vielleicht ist der "Secruity" auch einfach nur sauer, weil du seine Berufsbezeichnung andauernd falsch schreibst.

    06.01.2019, 18:08 von mirror87
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    Mit packt niemand süffisant an die Brüste. Selbst nackt auf einer Fetisch-Party nicht. Irgendwas mache ich falsch ... 

    06.01.2019, 00:58 von NieOhne
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    Dann bitte deinen Kollegen zu einem persönlichen Gespräch und sag ihm das, was du hier geschrieben hast, vielleicht versteht er es und kann dann in Zukunft besser nachvollziehen, wie frau sich in so einer Siuation fühlt.
    In Bezug auf die Sekurity würde ich mich an deren Vorgesetzten wenden.
    Ich persönlich würde den Angelegenheiten nicht so viel Raum geben, gleich kontern, Bescheid sagen und dann meiner Wege gehen. Diese Beschäftigung damit würde mir zuviel Energie rauben, die es überhaupt nicht wert ist. Sowas passiert, ja. Nervig, lästig. ja. Aber es gibt auch tolle Momente im Leben an jedem Arbeitstag.Es gibt auch nervige Kunden, unverschämte Passanten, blöde Autofahrer etc pp.

    05.01.2019, 21:45 von Gluecksaktivistin
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