rebeccatwloha 17.05.2012, 15:01 Uhr 0 3

Du bist ich

wohin soll man schon fliehen, wenn das, wovor man fliehen will, man selbst ist?

Manchmal denke ich, ich hätte dich besiegt. Wär dich losgeworden. Oder sowas. Aber dann drängst du dich wieder zurück und bist da und präsent und nimmst alles ein, Raum, Zeit, Denken, Luft, alles. Du bist in allen Winkeln und Ecken und zeigst dich mir trotzdem nur schemenhaft. Ich weiß, du bist da und ich kann dich trotzdem nicht fassen.

Dafür hast du mich im Griff, du beherrschst mich, du frisst mich auf und spuckst mich wieder aus und ich bin dann leerer als davor und angefüllt mit dir. Du dehnst dich in mir aus, ich spür dich, ich hör dich, deine Stimme ist in meinem Kopf und deine Finger an meinem Körper, dein Atem in meinem Nacken und deine Kälte überall. Dein Stolz bricht mir fast das Rückgrat und dein Hass höhlt mich aus. Deine Stimme ist so laut und bestimmt meine Gedanken, so laut, dass ich nicht mal mehr meine eigenen Worte hören kann. Wenn ich was sagen will, schreit deine Stimme in meinem Kopf und übertönt alles, alles, alles. Du bist ich.

Und ich mach mit, ich geb mich dir hin, mit Haut und Haaren, mit Fleisch und Blut. Und du hasst mein Fleisch besonders, du sagst es mir jeden Tag. Jede Stunde, jede Sekunde, jede Minute. Du bringst mich dazu, rot sehen zu wollen und du bringst mich schließlich auch dazu, es zu sehen. Und wenn es dann da ist, dann lachst du mich aus und der Hohn und der Spott sind so laut und dein Lachen hallt wider, von den Wänden, die sich mein Körper nennen. Danach bereu ich meine Schwäche und du bestrafst mich, schlimmer als je zuvor. Es wird immer schlimmer, grausamer. Ich kann nicht fliehen, mich nicht verstecken, wo sollte ich auch hin, du bist immer da, wo ich auch bin. Du bist ich. 

Wenn ich dann mitmach, dann liebst du mich und du bist mein alles und ich bin dein alles. Da ist kein Platz für was anderes, du füllst alles aus. Ich bin nicht die einzige in deiner Existenz, dass weiß ich. Aber ich bin einzigartig für dich. Wie du mich geformt hast, das Rohmaterial. Und jetzt, wie wir an die Feinheiten herangehen. Du willst aus mir ein Meisterwerk machen und ich wünsche und träume und hoffe und WILL es werden. Aber der Weg ist so schwer und ich geb so oft nach und ich hab Angst, was passiert, wenn du mich verlässt. Ich kann nicht ohne. Denn du bist ich. 

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