Die Wunschliste
Sie brauche mehr Hände, mehr Lust und mehr Verwegenheit.
Sie brauche mehr Bewegung und klare Frühlingsluft in der Lunge, knallblauen Himmel und das Herz auf der Zunge und endlich massenhaft maigrünes Laub auf den Bäumen und belebende Fahrradtouren, sagte sie. Sie brauche mehr lächelnde Menschen um sich herum und auf jeden Fall mehr Tulpen. Und überhaupt brauche sie dringend mehr Sonne, mehr Begeisterung und mehr Anerkennung. Sie wünsche sich weniger Autos auf den Straßen und weniger Staub überall und kalorienfreie Näschereien. Mehr Träume, mehr Freiräume und mehr festen Boden unter den Füßen, wolle sie.
Und verdammt noch mal, mehr gute Filme im Kino und mehr Illusionen.
Sie wolle beglückende Dialoge, denn sie könne Monologe nicht mehr ertragen. Mehr lautstarke, mitreissende Popmusik und mehr Feuerwerk hätte sie gern. Am besten alles auf einmal und möglichst sofort. Sie brauche mehr Empathie, Sympathie und Fantasie. Mehr Optimismus, Dynamik und herrlich bunte Farben und viel Kraft für Tritte in den eigenen Hintern, rief sie nun völlig außer sich. Weniger Falten, weniger Pfunde und weißere Zähne, wolle sie auch. Mehr Leidenschaft und keine Bakterien mehr, zum Donnerwetter – jetzt stampfte sie trotzig mit ihrem Fuß auf. Sie wolle schöne Überraschungen und davon recht viele. Aber auf gar keinen Fall einen Dampfkochtopf.
Sie brauche mehr Küsse, mehr Fruchteis, mehr Zuckerwatte und gebrannte Mandeln. Sie wolle eine Katze und einen Hund und keine Allergie. Sie brauche dringend Gesundheit und Zuversicht und vor allem mehr Geduld. Sie brauche mehr Rückmeldung und mehr Reibung. Sie wolle mehr Gemeinsamkeiten und keine Enttäuschung. Und sie wolle genau deshalb keine Erwartungen mehr haben.
Sie wolle viel grünen Rasen mit Gänseblümchen drauf und eine Schaukel. Das Meer müsste her und auch die Berge.
Sie wolle einen freien, unverstellten Blick bis zum Horizont. Zur Hölle mit all den Mülltonnen.
Sie brauche mehr Hände, mehr Lust und mehr Verwegenheit. Mehr Streicheleinheiten, mehr Komplimente und mehr Trost. Aber vor allem mehr nette Menschen zum Pferdestehlen. Ihre Augen füllten sich mit Tränen.
Und sie wolle endlich in Köpfe schauen können, um nicht ständig bis zur Erschöpfung rätseln zu müssen. Zuallererst aber, müsse sie mal Einblick in ihren eigenen Kopf gewinnen, weil dort gerade ein großes Durcheinander herrsche.




Kommentare
oh, der ist auch "hübsch" in dem sinne, ist irgendwie bisher an mir vorbei gegangen.
02.05.2012, 08:29 von SommerscheinAch, wie gut ich das kenne! Sehr gut und mitreissend geschrieben.
02.05.2012, 07:52 von missweissmangelanmut...punkt
22.04.2012, 05:59 von HayashiSo ehrlich, so wahr, so genau das, was ich die letzten Monate alles fühlen muss. Wunderbar zusammengefasst!
19.04.2012, 11:29 von Wortfetzenschön. insbesondere der letzte Absatz!
21.03.2012, 00:02 von SunFeatherVielen Dank für Kommentar und Herzchen.
21.03.2012, 00:54 von Jackie_Greyschön.
24.02.2012, 01:03 von GanzAmRandeGefällt mir so sehr.
21.02.2012, 13:59 von Seifenblasentraum.Zuallererst aber, müsse sie mal Einblick in ihren eigenen Kopf gewinnen, weil dort gerade ein großes Durcheinander herrsche. Wie wahr! Ein entzückender Text.
21.02.2012, 11:04 von SarahFortunateja, Ja, JA! Ähm... *aufzeig* ich auch!
20.02.2012, 12:52 von CawaCawa"
Zuallererst aber, müsse sie mal Einblick in ihren eigenen Kopf gewinnen, weil dort gerade ein großes Durcheinander herrsche."
naja, du weisst schon ;-)
20.02.2012, 09:48 von Jackie_GreyWoher willst du wissen, dass ich schon weiss?
Das klingt so vertraulich. Kennen wir uns?
reine Rhetorik, jackie ;-)