die sache mit der angst
welche sau findet panikattacken schon geil?
wusstest du, dass angststörungen nach depressionen die häufigste, psychische erkrankung in deutschland ist?
ca. ein viertel der menschen hier machen im laufe ihres lebens auf irgendeine weise bekanntschaft damit. das ist nicht schön, das ist ziemlich beunruhigend... vor allem für leute, die das gefühl kennen, an einem schönen sommertag im park, auf der wiese zu liegen, ein buch zu lesen und dann plötzlich die gewissheit zu haben: "ich sterbe. jetzt."
so ist es jedenfalls manchmal bei mir. das grauen, was mich von hinten anspringt und sich in meinem kopf verbeißt, in meinen gedanken, in meinem herzschlag, in meinem blut.
adrenalin knallt ohne grund durch meinen körper, das entsetzen gähnt wie ein bodenloser abgrund in der gewissheit, dass "irgendetwas nicht stimmt. etwas wichtiges. etwas elementares."
als ob man dir die augen weit aufreißt und dich erkennen lässt: du bist der einzige, der es sieht! die gefahr ist da! genau hier! und sie will dich verschlingen!
durch das produzierte adrenalin reagiert dein körper - da kannst du garnichts gegen machen. das herz schlägt schneller, die muskeln verkrampfen sich - bereit zu flucht oder kampf - der kalte schweiß bricht dir aus, die pupillen weiten sich.
in deinem kopf haben sie ein wildes tier freigelassen und es beginnt mit der jagd auf deinen verstand.
"alles in ordnung", versuchst du dir zu sagen "es ist alles gut. keine gefahr. alles in ordnung, alles in ordnung, alles in ordnung"
während dein gefühl nur eins sagt: "RENN WEG! SCHNELL SCHNELL SCHNELL!"
aber du weißt nicht wohin. du weißt einfach nicht wohin du rennen sollst. hattest du schonmal die gewissheit. die absolute gewissheit, dass du den wichtigen brief, die rechnung abgeheftet hast? die gewissheit, dass du deinen autoschlüssel auf die kommode gelegt hast? es war mehr als nur gewissheit oder? es war wissen, kein glauben.
und dann war der brief doch zwischen den zeitschriften. der autoschlüssel doch in deiner tasche. wie ungläubig du plötzlich mit der realität konfrontiert warst, verunsichert gelacht hast... du warst dir sicher. deinen hintern hättest du drauf verwettet.
ja, genauso weiß ich auch, dass ich jetzt sterben werde. dass ich krank bin, dass ich unheilbar krank bin, dass ich sterben werde und danach ist nichts. ich werde verschwinden. es gibt keine seele, es gibt keinen himmel, es gibt kein göttliches bewusstsein. ich werde mich auflösen und es hat mich niemals gegeben.
übrigens kannst du "sterben" auch einfach austauschen. manche denken, sie werden in ohnmacht fallen, manche denken, sie werden sich vollkotzen, manche denken, sie werden vor den zug springen, der gerade einfährt.
das entsetzen ist immer das gleiche. dieses überwältigende gefühl der puren, glasklaren panik. evolutionär in unseren köpfen verankert, damit wir ohne nachzudenken, fliehen oder kämpfen können - aber bei mir haben meine synapsen eine fehlfunktion und das wilde raubtier lauert in meinem kopf und nicht hinter dem nächsten busch.
versuch mal rational zu denken, wenn ein riesiger tiger mit fletschenden zähnen und angelegten ohren mit vollgas auf dich zugerannt kommt und dein ganzes blickfeld, dein ganzes denken ausfüllt. versuch dann mal zu sagen: den tiger gibt es nicht.
Tags: Angststörung, Panik, Panikattacke, Evolution, Mutig sein




Kommentare
Bis jetzt konnte ich das nicht wirklich verstehen, aber dein Text ist sehr anschaulich und lässt einen das ganze irgendwie besser nachvollziehen!
17.07.2012, 11:26 von FraeuleinLiebtMusikDanke für den Artikel. Er hat mir sehr geholfen, die Situation in der sich eine mir nahestehende Person, die unter Angst & Panikattacken leidet, besser zu verstehen. Du hast geschafft das irgendwie in Worte zu fassen, was sie mir nie so richtig erklären konnte.. danke dafür!
15.07.2012, 20:57 von excitable.BoyDas was wir zu wissen glauben ist dabei ein grundsätzliches Problem. Und das Problem der Angstregulierung, da hilft nur: Stärkung der Ich-Steuerung und üben sich bewusst zu machen, nicht unheilbar krank zu sein ... Ich mag deinen Text sehr, denn ich finde wichtig, solche "Zustände" (ich sage bewusst nicht Krankheiten) als ganz normalen Teil des Lebens mit in jegliche Diskurse mit aufzunehmen, heißt darüber zu sprechen / zu schreiben!
14.07.2012, 12:18 von Sultaninedu hast das sehr gut beschrieben, genau so sieht's nämlich aus.
14.07.2012, 11:39 von schimmernvor allem den letzten satz find ich top. werd ich mir merken & dann leuten das mit der panik genau so erklären.
Angststörungen, ein ernstes Thema.
14.07.2012, 10:35 von TaneaIch wünsche demjenigen, dass er Leute hat, die proffesionell helfen können. In dem Wiki-Artikel steht auch, das man diese Störungen relativ gut behandeln kann.
Das einzig doofe an dem Text ist dass du die Erfahrung machen musstest (wenn ich das richtig verstanden habe?). Ich hoffe du bzw. jemand anders hat es in den Griff bekommen, ich hab gelernt dass es alleine ziemlich schwierig oder relativ unmöglich ist sich zu überzeugen dass die Welt nicht untergehen wird weil eine Eiskugel runtergefallen ist :) Alles Gute!
14.07.2012, 10:23 von MakiNoIch würd ja gern was gescheites unter den Text schreiben, aber ich denk, das wird heut nix mehr. Find ihn gut, so wie er ist, find einige Sätze gut getroffen, und werd es dabei belassen.
09.07.2012, 22:41 von Blackenddanke, ich fand das schon ganzschön gescheit für nen montag abend
09.07.2012, 23:02 von tagediebin