Zeraphim 30.11.-0001, 00:00 Uhr 43 8

Die Männer-Abstinenz. Ein Selbstversuch.

Anstrengend. Finde ich. Alles. Die Dates. Die Männer. Sich gegenseitig sein Leben vor die Nase halten. Und, magst du mich? Mag ich dich?

Vielleicht brauch ich mal Pause. Hab' den Kaffee auf. Und will grad' keinen neuen kochen. Ich mach Abstinenz. Von Männern. Mal so richtig „um mich kümmern“. Sagen ja immer alle, das soll man zwischendurch mal machen. Alles tun, wofür man sich sonst keine Zeit nimmt! Leben! Freiheit! Also los!

Tag 1

Abstinenz ist super! Habe heute den Männern in der Warteschleife mein Vorhaben mitgeteilt. Die, mit denen man sich „vielleicht mal treffen“ könnte. Damit die nicht ständig schreiben. Naja, die Reaktionen waren unterschiedlich. Toby0815 war richtig sauer. Was das denn sollte, und verarschen könne er sich alleine. Schwupp, weg, so schnell fliegt man aus der Warteschleife. Andreas007 war ganz cool. Der meinte „Baby, nimm dir die Zeit, die du brauchst!“. Und TellMeMore schien ziemlich traurig, ja, verletzt. Hab sein Herz schnell auf meinem Männerfriedhof begraben und eine besonders stimmungsvolle Zeremonie abgehalten. Mit „Don't worry, be happy“ als aufbauenden Soundtrack.Und nun – bin ich echt voll befreit! Ciao, ihr Kerle, ich leb' jetzt, tschüss!

Tag 2

Wow, geht’s mir gut. Lese Ratgeber wie „Nimm dir Zeit für dich!“ in diversen Frauenzeitschriften und stelle eine Toplist auf. Als erstes nehme ich mir für heute einen „Beauty-Day“ vor. Dafür kaufe ich eine Gesichtsmaske mit Gold und Kaviar. War billig, klingt teuer. Schmiere mir abends das Zeug aufs Gesicht und mache Frank Sinatra an. Finde das lustig und mache ein Selfie. Weiß nicht, an wen ich es schicken soll. Verdammt. Liege rum und versuche, nicht über Männer nachzudenken. Mein Gesicht fängt an zu brennen. Cool, denke ich, die Maske wirkt! Halte das Brennen zugunsten des versprochenen Frischeeffekts aus und wasche das Zeug nach angegebener Zeit ab. Bin nun knallrot und habe überall dicke Pusteln.

Tag 3

Toplist sagt, ich soll mich mit Freunden treffen. Keiner hat Zeit. Bin frustriert.

Btw: Mit mir stimmt was nicht. Ich halluziniere. In meinem Kopf macht es ständig „sssssd, sssssd“, aber wenn ich auf mein Handy gucke, ist da nichts. Aus Langeweile scrolle ich nun ständig durch meine Whatsapp-Liste und lese alte Konversationen. Das hilft ein bisschen. Dabei wackele ich permanent mit meinem Fuß. Fühle mich wie Peggy Bundy.

Tag 4

Habe begonnen, alte Beziehungen zu analysieren. Tagebücher raus, Stichpunkte gemacht, den roten Faden gesucht. Gefunden: Ein buntes, nicht zu entwirrendes Knäuel Wolle. Ich sollte einen Autisten anheuern. 

Tag 5

Habe heute Wolle gekauft. Mein Tagebuch hat mich inspiriert. Verschicke an sechs Leute (keine Männer) die gleiche Nachricht: „Willst du einen Schal?“. Bekomme vier „Ja“s. Fange zu an häkeln und wackele dabei weiter mit dem Fuß. Höre beruhigende Meditationsmusik. Versuche, nicht über Männer nachzudenken.

Tag 6

Frage mich, was Menschen den ganzen Tag tun, wenn sie sich „um sich kümmern“. Erwäge, den Jakobsweg zu laufen, erinnere mich an die Ausprägung meiner Kondition, verwerfe den Plan. Gehe stattdessen eine halbe Stunde spazieren. Finde das sehr befreiend, fühle mich gesund und fit. Lasse mich auch nicht von den Leuten irritieren, die mich verwundert anschauen, während ich im Takt zu meinen Schritten „Män-ner-sind-schei-ße“ murmele. Es wird, Mädchen, es wird!

Tag 7

Liege deprimiert auf der Couch. Denke nicht an Männer, aber an Sex. Darf ich Sex haben, wenn ich dabei nicht an den beteiligten Mann denke? Überlege, wie genau ich die Abstinenz eigentlich definiere. Finde eigentlich, dass ich mich mal belohnen darf für mein Durchhaltevermögen. Hab schon das Handy in der Hand, will mir Sex organisieren, aber das schlechte Gewissen ist zu laut. Scheiße. Esse stattdessen zwei Schokoweihnachtsmänner und eine Tüte Chips. Habe Muskelkater im Fuß.

Tag 8

Kaufe mir eine Spiegelreflexkamera. Ich nenne sie liebevoll „Männer-Ersatz“. Laufe durch meine Wohnung und mache sehr viele Makrofotos von Staubmäusen und Spinnweben. Finde mich unheimlich kreativ, selbstbestimmt und unabhängig. Wer braucht schon Männer. Pfff.

Mein Nachbar klingelt. Sieht heute wieder scheiße gut aus. Bietet mir an, auf „einen Wein“ mit nach oben zu kommen. Denke kurz drüber nach. Entscheide mich dafür.

Am nächsten Tag ist meine Kamera kaputt.

Tag 9

Reaktiviere Andreas007 und TellMeMore. Bei jedem „ssssd, ssssd“, schließe ich für einen Moment genussvoll die Augen. Finde mein Experiment sehr gelungen. Weiß jetzt schließlich, dass ich super ohne Männer auskomme.  

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43 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Massentaugliche Satire bei voll annehmbarem Beteiligungsmuster. Finde ich anerkennenswert, insbesondere unter Berücksichtigung der bisherigen Kommentare. Der Kreis schließt sich.

    29.01.2016, 18:43 von JackBlack
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    • 3

      ich belächle deine nasse windel.

      29.01.2016, 20:09 von JackBlack
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    • 1

      in 'marocko' verkaufen die meine tränen als pfefferspray. setze daher lieber auf über- statt auf bewältigung.

      02.02.2016, 16:12 von JackBlack
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    • 2

      Na dann habe ich ja genau das erreicht, was ich wollte ;) 

      29.01.2016, 19:03 von Zeraphim
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    • 1

      Du beschreibst genau das, was -nach meinen Beobachtungen - eben so oft falsch läuft heutzutage- genau wie bei der Tante aus dem Text. Und das ist natürlich zum Brechen. Also: Ja ;) 

      29.01.2016, 20:13 von Zeraphim
    • 1

      Viele Frauen und Männer haben durch diese Art des Kontakts inzwischen einen derartigen Schaden, dass es total gruselig ist. Menschen werden wie Waren behandelt. Aber wenigstens gibts noch ein paar Leute, denen klar ist, dass das eben - kacke ist. 

      29.01.2016, 20:21 von Zeraphim
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  • 1

    Du bist so anders. Hast du dich schon tätowieren lassen?

    29.01.2016, 18:04 von quatzat
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  • 2

    mal mit masturbation probiert?

    ("denn der geschlechtsverkehr hält nicht -
    was die onanie verspricht")

    28.01.2016, 22:11 von libido
    • 0

      Die Gedanken sind frei, quasi.

      29.01.2016, 00:56 von Freyr
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  • 1

    Grottoid.

    28.01.2016, 21:09 von smillalotte
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  • 3

    2016 und es gibt immer noch solche "lustigen" Texte.

    Denn der Lebenssinn eines jeden holden Weibe scheint nur dann erfüllt, wenn es vom Manne erlöset würde.
    Und nein, ich finde den Text weder satirisch gelungen noch lustig.
    Traurig trifft es eher.

    28.01.2016, 20:02 von cosmokatze
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  • 2

    9 Tage.
    Wow.

    28.01.2016, 18:17 von frl_smilla
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  • 1

    Die arme Kamera... Was hat sie dir bloß getan? Toller Text, da bin ich um ein Herzchen leichter geworden.

    28.01.2016, 15:22 von nuescht
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