Die hohe Kunst des Verdrängens
Wenn der Schein zum Sein wird.
Wahrscheinlich wurde die Menschlichkeit aus Konflikten geboren. Vielleicht hat deswegen jeder von uns eine dunkle Seite. Manch einer gibt dies offen zu, während ein anderer keine Wahl hat.
Und die, die übrig bleiben, kämpfen dagegen an.
Vergebens.
Eins steht nämlich fest... Der Tag wird kommen, an dem man sich der Wahrheit stellen muss - sich selbst.
Wir verdrängen, weil wir Angst haben. Angst davor, dass das was geschehen ist wirklich von einem Menschen angerichtet wurde, der bei klarem Verstand zu sein scheint. Angst davor, dass wir uns so sehr in dem Schmerz verlieren und Dinge zum Vorschein kommen, die uns das Fürchten vor uns selbst lehren werden.
Unser Kopf erledigt das, was unser Körper nicht empfinden will. Doch das, was wir da weg sperren, sitzt so tief in uns, dass es uns blockieren wird. Irgendwann wird es unser Denken und Verhalten unbewusst steuern.
Es wird da sein und du wirst vielleicht kämpfen, obwohl du schon längst verloren hast...







Kommentare
Verdrängen ist weder Kunst noch Leistung. Es ist eine neurobiologisch unwillkürliche Überlastungskonsequenz in emotional verarbeitenden Regionen, die ein hoch empfängliches junges Gehirn zuerst durch Abspaltung reguliert. Das ist keine Willensentscheidung und wird quasi eingefroren, ohne Kontrolle darauf zu haben. Erst ein entwickeltes stabilisiertes Gehirn erlangt die Fähigkeit, erschütternde Inhalte "umzuschichten", neu zu bewerten und zu integrieren. Deshalb ist nicht Verdrängen sondern Verarbeiten die Kunst.
25.05.2012, 12:58 von schauby"Das Unbewußte ist kein dämonisches Ungeheuer, sondern ein moralisch,
ästhetisch und intellektuell indifferentes Naturwesen, das nur dann
wirklich gefährlich wird, wenn unsere bewußte Einstellung dazu
hoffnungslos unrichtig ist. In dem Maße, wie wir verdrängen, steigt die
Gefährlichkeit des Unbewußten."
[C.G.Jung]
Amen.
25.05.2012, 13:26 von forstVerdrängen ist ne miese Sache. Irgendwann kommts sowieso wieder hoch, aber manchmal kann man auch gar nicht regeln was man wegschiebt und was nicht. Hast du gut getroffen, find ich :)
13.05.2012, 09:22 von I.am.FineIch beschäftige mich momentan sehr mit dem Thema - aber ich habe es nie so gut auf den Punkt bringen können wie du.
13.05.2012, 09:11 von schnickseDanke dafür!
Ich glaube fest an die dunkle Seite, aber sie ist auch aus anderen Gründen möglich. Interessante Gedanken schön und treffend umschrieben.
13.05.2012, 08:08 von Mrs.McH
Ja, ich bin auch davon überzeugt, dass sie auch aus anderen Gründen möglich ist..... Definitiv. ...und dankesehr.
13.05.2012, 10:14 von Insurpassableman kann das Leben mit Licht und Schatten Gegensätzen vereinfachen, helles = erfreuliches, dunkles = bedrohliches usw.. aber letztlich ist alles einander bedingt .. und alles sogenannte "Böse", ebenso der Versuch Leid, Schmerz und Qual zu bewältigen, wie es das "Gute" unternimmt.
25.05.2012, 13:21 von schaubyInteressantes Thema.
13.05.2012, 01:30 von forstSich stellen ist das beste, was man für sich tun kann.
Alles aufgeben, um sich selbst kennen zu lernen? Nur um allein die Möglichkeit zu haben, sich besser zufühlen? Und doch stimme ich dir zu; irgendwie.
13.05.2012, 01:44 von InsurpassableWieso setzt du "Sich stellen" mit "Alles aufgeben" gleich oder setzt es in Verbindung? Und sich "besser fühlen" ist meines Erachtens auch nicht immer der Fall. Manchmal muss man sich Dingen stellen, um sie zu Ende zu bringen, das fühlt sich bsiweilen durchaus richtig übel an. Es sei denn, Du meintest die Erleichterung, die sich einstellt, wenn man sich überwunden hat, dann wäre ich diesbezüglich bei Dir.
13.05.2012, 08:12 von Mrs.McHSehr gute Frage. Ich setze dies gleich, weil sich ab dem Augenblick, in dem man sich stellt, alles verändern wird. ...die aufgestauten Gefühle, das eigene Hinterfragen...... Man gibt das Kämpfen für den Schein auf... und somit wird auch alles andere aufgegeben. Siehst du das anders? - Mit "besser fühlen" ist natürlich das Endprodukt eines sehr langen Prozesses gemeint, das nicht immer eintreffen muss.. Und ich würde behaupten, dass auch wenn ich dir theoretisch zustimmen würde bei der Erleichterung, dass es praktisch nicht so aussehen würde....
13.05.2012, 10:29 von InsurpassableJa, ich sehe es wohl etwas pragmatischer. Ich habe die Vermutung, dass es bei Dir persönlich vielleicht gerade jetzt um eine sehr konkrete Sache geht, die Dich beschäftigt und diesen Text hervorbrachte, ohne dass Du es direkt angesprochen hast.
13.05.2012, 10:34 von Mrs.McH@Insur:
13.05.2012, 11:11 von forst"Mit "besser fühlen" ist natürlich das Endprodukt eines sehr langen Prozesses gemeint, das nicht immer eintreffen muss."
Das Schöne am "sich stellen" ist meiner Meinung nach nicht das erwartete utopische Glück am Ende der Reise, sondern die Aha-Effekte, die sich lösenden Knoten, die Einschten / Erkenntnisse über sich und sein Vehalten, die kleinen Veränderungen im Alltag. Das ist oft schon Glück für sich.
Das ist sicher eine Operation am offenen Herzen und erfordert Opfer, aber mach dir bewusst, dass es kein "nächstes Mal pass ich besser auf" gibt.
Ansonsten: Der Mensch ist ein Wunderwerk der Natur. Dein Körper und dein
13.05.2012, 11:17 von forstGeist werden immer fordern, was sie brauchen. Wir haben faszinierende
Mechanismen um der Angst und dem Schmerz aus dem Weg zu gehen. Es wird
kein Gefühls-Damm brechen und Aufgestautes wird dich nicht in die Tiefe
reisen. Hab einfach Vertrauen in dich. Sei ehrlich zu dir. Begegne dir mit Respekt.
Ich schmelze dahin, ob dieser klugen und weisen Worte... und bin sicher, dass der weise Mann weiß, das KEIN Fünkchen Ironie darin steckt... Ich umarme Dich dafür, Du hast es einfach toll formuliert!!
13.05.2012, 11:17 von Mrs.McHHach Mrs., du weißt doch, dass ich ungern bewundert werde. :)
13.05.2012, 11:19 von forstSoll ichs zurücknehmen? Ich kanns wegpacken und in ein Schließfach am Bahnhof tun?
13.05.2012, 11:23 von Mrs.McHZu spät. Der nette Kommentar hat sich schon in mir eingenistet. Voll warm und so.
13.05.2012, 11:25 von forstPass gut drauf auf ;-)
13.05.2012, 11:31 von Mrs.McH