Faraduna 24.07.2011, 20:45 Uhr 11 10

Die Geister, die ich rief....

Alles ist nicht genug meine Kleine

Noch einen tiefen Zug von der Zigarette. Die Stirn gegen die Fensterscheibe gelehnt blickte sie auf die Lichter der Stadt, die Lichter der Autos, die in der Dunkelheit den Weg nach Hause suchten.
Nun sah sie sich selber in der Spiegelung des Fensters. Die Augen pechschwarz geschminkt und ihr Lippenstift verschmiert über die linke Wange.

Sie drehte sich Richtung Esstisch. Die Beleuchtung im Zimmer war gedämpft, so dass sie ihn nur schemenhaft erkennen konnte.
Langsam lief sie zum Tisch. Sie konnte seine Augen nicht sehen und doch wusste sie, dass seine Blicke sie verfolgten. Ihre Bewegungen waren langsam, wie die einer Raubkatze, stets zum Angriff bereit. Die einzigen Geräusche im Raum kamen von ihren Schritten.
„Was willst du schon wieder von mir? Habe ich dir nicht genug gegeben?“, flüsterte sie und versuchte das Zittern ihrer Hand zu kontrollieren während sie die Zigarette im Aschenbecher ausdrückte. „Ich… ich hab nicht mehr. Was kannst Du mir denn dann noch nehmen?“
Ihre Augen brannten und ihr Hals verlangte nach einem Drink. Also ging sie in Richtung Hausbar, griff zur Erstbesten Flasche und füllte ihr Glas. Sie nahm einen tiefen Schluck.

„Alles ist nicht genug meine Kleine. Mir fehlt noch etwas sehr wertvolles. Erst dann kann ich von dir ablassen, davor wirst Du mich nicht los“, war vom Esstisch zu hören.
Plötzlich lief sie auf ihn zu und beschleunigte ihre Schritte. Sie holte aus und warf das gefüllte Glas auf ihn.
„Du unbeschreiblicher Bastard!“, schrie sie.
Sie verfehlte ihn und das Glas zerbrach an der Wand. Goldgelbe Flüssigkeit tropfte in vielen kleinen Rinnsalen hinab und bildete auf dem Boden kleine Pfützen.
Er war plötzlich nicht mehr an seinem Platz. Sie hatte kaum Zeit das zu registrieren, als er ihr Handgelenk bereits von hinten packte und sie gegen die Wand schleuderte. Der wuchtige Aufprall ließ sie für ein paar Sekunden das Bewusstsein verlieren.

Sie vernahm seine Schritte … der Geist lief um sie herum. Sie spürte, dass sie auf den Glasscherben lag. „Die Spielregeln sind doch einfach meine Kleine. Du hast mich gerufen und musst mir jedes Mal ein Stück von Dir geben. Deinen Stolz hab ich schon und auch Dein Glück, obwohl es nicht viel ist. Ich will Deinen Willen! Das verleiht mir Macht. Damit werde ich stärker und Du schwach!“
Sie spürte einen pochenden Schmerz am Hinterkopf. Sie versuchte seine Schritte zu ignorieren und richtete sich stöhnen auf. Die Glasscherben bohrten sich in ihre Handflächen.
„Ich gebe dir meinen Willen nicht, aber nimm dafür meine Angst. Das würde Dir gut tun“, keuchte sie.
Lautes böses Gelächter war vom Geist zu hören
„Machst Du Dich etwa noch Lustig über mich meine Kleine?“

Sie antwortete nicht und griff stattdessen neben sich wo er lag.
Ihr Wille hatte sich leise angeschlichen. Unsichtbar und doch so mächtig. Er saugte sich an ihren Fingerspitzen fest und legte sich um ihre blutige Hand.
Es formte sich zu einer Waffe, geladen mit Überwindung, Angst und Hass. Sie richtete sich langsam auf und spürte keine Schmerzen mehr.
„Dreh Dich um Arschloch!“ flüsterte sie mit ruhiger Stimme.
Der Geist stand mit dem Rücken zu ihr und lachte noch immer, während er sich zu ihr drehte.
Ihr purer Wille feuerte ganz von alleine direkt in sein dreckiges Antlitz.

Auch nach Minuten, stand sie wie versteinert mit ihrem Willen als Waffe da. Zielte noch immer auf die Stelle, wo der Geist sich nach dem Schuss aufgelöst hatte.
Ihre Atmung wurde gleichmäßiger und auch ihr Wille entspannte sich allmählich.
Langsam griff sie zur Packung und zündete sich eine Zigarette an.
Sie lief wieder zum Fenster und blickte in die Dunkelheit hinaus.


Die Schlange wickelte sich ihr rechtes Bein hoch, gewillt sich bis auf Augenhöhe hoch zu schlängeln.
Sie nahm es mit Wiederwillen zur Kenntnis und blickte dennoch weiterhin verloren in die Dunkelheit hinaus.
„Warum versuchst Du es immer wieder meine Kleine? Du weißt doch dass ich stets zurück komme.“ zischte die Schlange.

Der kalte Körper legte sich langsam um ihren Hals…..

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11 Antworten

Kommentare

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    Wow, das ist wirklich wahnsinn ! 
    Die Geschichte hat mich total gefesselt ! 

    wunderbar ! 

    15.12.2011, 18:35 von seelenzoo
    • 0

      ooo danke vielmals! :)

      15.12.2011, 18:39 von Faraduna
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  • 0

    Die Schlange wickelte sich ihr rechtes Bein hoch, gewillt sich bis auf Augenhöhe hoch zu schlängeln.



    HA HA HA geil

    16.11.2011, 00:30 von zwiebelfrisch
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  • 0

    versuche gerade, mir den text als film vorzustellen...
    gut geschrieben!

    22.08.2011, 21:01 von sommer-haus
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  • 0

    Hier kann ich nur sagen: WoW. Der Text hat mich wirklich gepackt, unerwaret. Heftig. Auf jeden Fall eine Empfehlung wert.
    Ausbaufähig ? Nein, der Text ist genau richtig wie er ist.
    Mehr Tiefe ? Es reicht doch schon in Abgründe zu schauen wo keine Sonne mehr scheint. Jedenfalls mir für den Moment.

    27.07.2011, 21:04 von Cyro
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  • 0

    weniger tier mehr tiefe!

    25.07.2011, 09:30 von Traumversinken
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    Der ist gut, aber noch ausbaufähig. Bleib am Ball. Es wird immer besser. :-))

    25.07.2011, 08:27 von Neania
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    Hmm. Mehr Action, kommt aber nicht an Smilla ran.

    Aber recht hat der Elli.

    24.07.2011, 22:43 von Steifschulz
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  • 0

    Beschreiblicht.

    24.07.2011, 22:37 von Kokomiko
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    Hui, der ist gut, dein bester imho so far...

    24.07.2011, 21:03 von EliasRafael
    • 0

      @EliasRafael wow, danke!

      24.07.2011, 21:47 von Faraduna
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