MateriallagerVoll 30.11.-0001, 00:00 Uhr 35 22

Die Frage nach der Überforderung

Und das alles ist selbstverständlich. So normal. Wenn ich euch sage, ich schaffe das nicht, kommt von euch: "Doch, das geht schon."

Die Frage nach der Überforderung.

Die Frage nach der Überforderung. Ich bin überfordert. Ich weiß nicht, wo mein Kopf steht. Ich arbeite 8-10 Stunden am Tag. Ich gehe in die Uni. Schreibe Klausuren, Zusammenfassungen und lerne. Ich versuche, mein Essverhalten zu kontrollieren. Allein der Supermarkt ist für mich eine Herausforderung, die am Ende des Tages naht. Ich muss meinen Körper akzeptieren. Ich kämpfe jeden Tag mit meinen Stimmungsschwankungen. Ich führe meinen eigenen Haushalt. Ich soll "Zeit für mich finden".

Und das alles ist selbstverständlich. So normal. Wenn ich euch sage, ich schaffe das nicht, kommt von euch: "Doch, das geht schon." Studium und Arbeit. Haben wir früher auch gemacht. Dann hat man halt ein paar Jahre kein Privatleben.

Alles fängt sich an zu drehen. Um die 7 Komponenten, die ich tagtäglich in meinem Leben ausbalancieren soll. Die alle gut laufen müssen, weil mein Leben sonst kippt.
Die Arbeit gibt mir Halt. Gibt meinem Tag einen Sinn, fordert mich geistig, gibt mir Routine. Der Erfolg gibt mir Selbstbewusstsein und das Gefühl, weitermachen zu müssen, WEIL ICH ES KANN.
Die Uni brauche ich, um einen Abschluss zu haben. Um etwas vorweisen zu können. Sie saugt mich aus.
Mein Essverhalten muss ich unter Kontrolle haben, um nicht wieder in einer Klinik zu landen. Um mich gut zu fühlen. Einkaufen ist eine Katastrophe. Manche Tage auch. Es läuft nicht gut.
Meinen Körper muss ich akzeptieren, damit ich mich nicht hasse. Damit ich mich traue, morgens aus dem Haus zu gehen. Und nicht die Bettdecke über den Kopf zu ziehen.
Die Stimmungsschwankungen bringen mich um. Nehmen mir jegliche Kontrolle. Manchmal. Ignoriere ich sie, werden sie schlimmer. Bearbeite ich sie, funktioniere ich nicht richtig.
Mein Haushalt ist wichtig, damit ich mich wohlfühle. Die WG gibt mir Wärme. Muntert mich auf. Ich lache. Fordert Arbeit.
"Zeit für mich" - Ha ha. Wann. Das letzte Glied in der Reihe. Doch so wichtig. Ich soll malen, raus gehen, Freunde treffen, mich nicht verhalten wie eine 35-jährige Frau, die eine Familie managt. Klar.

Eines dieser Teilchen muss anders laufen als geplant und mein Leben läuft aus den Fugen. Überfordert mich. Gibt mir das Gefühl, aufgeben zu müssen. Nicht mehr weiter machen zu können.
Ein wenig Kritik in der Arbeit. Schlechte Note in der Uni. Im Supermarkt fehlt die eine bestimmte Milch. Ich weiß nicht, was ich essen soll. Mein Körpergefühl ist schlecht. Ich fühle mich nicht gut. Habe Bauschschmerzen. Jemand ist morgens im Bad und durchkreuzt meinen straffen Zeitplan. Ich finde keine Zeit für mich.

Und dann kommt das echte Leben dazu. Das Leben da draussen. Rechnungen, Mahnungen, Arztbesuche, Gebühren, Strafzettel, Versicherungen. Freunde, Beziehungen, Einladungen.

Zu viel. Alles zu viel. Zu viel. Zu viel. Zu viel. Zu viel.

Mein Kopf PLATZT.

Ich will nicht mehr. Ich kann nicht mehr.

Wohin wohin wohin?

In wie weit darf man sich auf seine Umgebung und Familie stützen? Hilfe einfordern. Was passiert wenn man heute sagt, ich kann nicht mehr. Wer soll einem helfen. Wer sagt einem, Hey Mädchen, wir fangen hier an. Wir machen das so und so und so. Prioritäten kann ich nicht setzten, denn ich habe ja ein Siebeneck, welches sonst die Balance verliert.

Wieso sollte ein anderer meine Aufgaben und Versäumnisse ausbaden müssen? Wieso sollte sich jemand mein Versagen zu Herzen nehmen? Ich will das nicht. Ich möchte niemandem zur Last fallen.

Und wenn, dann möchte ich ernst genommen werden. Möchte, dass man mir glaubt und die Alarmglocken angehen, wenn ich sage: Ich bin überfordert.

Wenn ich sage, ich bin überfordert, dann meine ich das. Dann sage ich das nicht, wenn ich gerade nicht mehr will. Oder einen schlechten Tag habe. Oder weil ich kein Geld mehr habe. Dann sage ich das, wenn ich SCHWIMME. Und fast UNTERGEHE.

Vielleicht bin ich für das Leben, allein in einer Gesellschaft nicht gemacht. Doch was ist die Alternative?

Kämpfen? Ja. Aber wenn ich die Rüstung verliere, bin ich schnell verletzbar.

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35 Antworten

Kommentare

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    Du sprichst mir aus der Seele!

    07.04.2019, 13:10 von labrunette
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      Der TExt ist von 2012.... ich fürchte dein KOmmentar kommt etwas zu spät. Und ich hoffe, dass sich das Leben der Schreiberin inziwschen etwas konsolidiert hat :)

      07.04.2019, 21:01 von Gluecksaktivistin
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    wahre worte. ich mag wie du schreibst.                     Schreib weiter-gerade mit deiner Ess-Problematik. (Mir hat das in der Sache auch viel geholfen, und es macht Freude)  :)

    02.01.2012, 15:28 von loxodonta_cyclotis
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    möglicher plan: anständiger studienkredit, trotz zuk. schulden haste mehr zeit weil arbeit weg fällt. uni abschluss, danach mal alleine reisen und neue impulse kriegen. dann ins berufsleben einsteigen und sich um die schulden kümmern. neben bei gesund und sehr lecker essen (viel knoblauch, pfeffer, frische Kräuter) gutes essen macht auf dauer happy. und zu körper und esstörung: therapie, bei jmd der sein fach versteht und dir sympathisch ist.

    07.03.2011, 17:08 von marymarybloodymary
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    "Mein Essverhalten muss ich unter Kontrolle haben, um nicht wieder in einer Klinik zu landen"

    Da kann man auch landen, wenn man ständig überfordert ist - und wenn das so ist, ist es keine Schande! Wenn du es sonst nicht schaffst, Hilfe zu bekommen, dann ist es sogar eine sehr gute Alternative, um mal zur Ruhe zu kommen.

    Achte auf dich und DEINE Bedürfnisse und versuch, nicht so viel daran zu denken, was andere möglicherweise von dir erwarten. Denn wenn du all dem nicht gewachsen bist, sind es nicht die anderen, die am Ende darunter leiden, sondern du.

    Und stell dir auch mal die Frage, die schon Bernhard von Clairvaux gestellt hat:

    „Wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann der gut sein?“

    07.03.2011, 01:54 von MerenwenMiriel
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    Wow, sehr gut geschrieben. Sehr gut erzählt.
    Und wie gut ich dich verstehe...
    Ich weiß selber nicht, wie ich es geschafft habe, aber ich habe gelernt, eine Stütze in meinem Leben zu akzeptieren, auf die ich jederzeit zurückgreifen kann. Und Schritt für Schritt hat es auch immer besser allein für mich selbst geklappt.
    Es ist schwierig zu sagen, was was bedingt... Ob die Dinge helfen, die einen glücklich machen oder ob man erst lernen muss, glücklich gemacht zu werden.

    02.03.2011, 22:39 von MmeCarotette
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      @MmeCarotette Ich denke, man muss erstmal lernen, die Dinge wahrzunehmen, die einen glücklich machen - und dann dafür sorgen, dass man sich diese Dinge gönnt.

      07.03.2011, 01:55 von MerenwenMiriel
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    Mein Leben.

    02.03.2011, 22:10 von karryfield
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      @[Benutzer gelöscht] Ich habe mich gerade extra für deinen Beitrag angemeldet... ich finde ihn wirklich super geschrieben. Und auch, wenn ich nicht alle Situationen nachvollziehen kann, so entdecke ich doch einige Dinge auch in meinem Leben wieder...
      Und ich glaube es hilft nur eins: Sich immer wieder (!!!) reflektieren, neu zu entscheiden, dass man etwas ändern will... und... sich Hilfe holen, wenn es nicht mehr geht! Sei es bei tollen Freunden oder professionelle Hilfe.
      Ich wünsche dir alles Gute!!

      02.03.2011, 18:17 von Lea-chen
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    So was hier nennt man " Kopf Fick" und jetzt rate mal, wer ihn fickt....selbstreflektion ist ein Schutzmechanismus. Du kannst nicht weil du nicht willst.

    02.03.2011, 11:23 von minka911
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    spiel doch mal ein "Auszeit Duell"

    02.03.2011, 09:44 von Tabana
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