dr.cremig 25.02.2008, 18:39 Uhr 2 1

Der Horror des Hinausschiebens

Kurz vor 5 Uhr Nachmittags. Ich dümpele in der vertrauten, doch irgendwie kalten Atmosphäre meines Zimmers.

Zum Trotz der in Weiß und hellem Gelb gehaltenen Wände, sowie den 3 mannshohen, eine ganze Wandseite bedeckenden Fenstern kommt hier selten Freude auf.
Ich denke an ein kurz bevorstehendes Referat. Stelle mir vor, wie es laufen wird, die immanente Erniedrigung. Schließlich weiß ich um dessen Qualität, mit wiederkehrenden Phrasen auch den hartnäckigsten Zuhörer ins Land der Träume zu schicken. Unglücklicherweise stecke ich nun in einem Dilemma:

Sich einfach davor zu drücken würde bedeuten, meine beiden Mit-Referenten vor die Wahl zu stellen: Das Ding ohne mich durchziehen oder hinausschieben. Doch das kann ich weder mit meinem Gewissen, noch mit dem Rest Logik vereinbaren, der bisher von den Folgen des Alkohols verschont blieb. Denn es wäre unklug, Freundschaften wegen der eigenen Feigheit zu gefährden. Auch wenn es eher 'Kollegen' sind, mit denen man nur etwas macht, wenn es der Zufall so will.

Die andere unangenehme Alternative wäre nun, sich wie geplant den zwar desinteressierten, doch kritischen Blicken der Stufe auszusetzen -immerhin noch 24 Personen plus Lehrkörper abzüglich Derer, die an jenem Dienstagmorgen wie gewöhnlich fehlen werden. Die unfreiwilligen Kritiker sind mir zwar größtenteils egal, nur bleibt wie jedes Mal ein kleinlauter Zweifel, genährt aus einem Mangel an Vertrauen zu mir selbst und meinen Fähigkeiten. Zudem vermindert das Wissen um meine Teilschuld an diesem Machwerk nicht das ungute Gefühl bevorstehender Erniedrigung.

Jetzt ist es bald kurz vor 6, immer noch keine Entscheidung getroffen. Für einen Augenblick zog ich eine 3te Möglichkeit in Betracht. Blöderweise steht 'das Land verlassen' oder 'neue Identität annehmen' in keinem Verhältnis zu der Erleichterung, die man verspürt in dem Moment der Erkenntnis, einmal nicht auf die Probe gestellt zu werden. Und da ich nicht vor meiner Verantwortung davonlaufen kann, würde meine Abwesenheit nur weitere Konflikte mit sich bringen.
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass diese Argumente unterm Strich nicht ausreichen werden. Die z.T. wetterbedingte Depression und die Angst in mir sind stärker. Dazu gesellt sich die Tatsache, das ich mein Ziel -nämlich diese Ausbildung halbwegs erfolgreich abzuschließen- schon längst aus den Augen verloren habe. Ich besorge schonmal einen großen Eimer Asche für mein Haupt, diesmal keine faulen Tomaten.
Wenigstens eine positive Folge hat meine Bauch-Entscheidung: Niemand wird morgen mit Langeweile gequält. Zumindest nicht von dem feigen Arsch, der meinen Namen trägt.

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2 Antworten

Kommentare

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    Wow Hunny...ich glaube damit hast du ihn gerade echt gerettet!So simpel und so wirksam! Einfach mal den Arsch hoch kriegen!! Mann Mann Mann Wenn ihm doch nur früher schon mal jemand sowas geraten hätte...

    19.04.2008, 10:07 von Mierze123
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    Darf ich dir einen Tipp geben? Raff dich auf! Krieg dich selbt auf die Reihe! Du machst das doch für dich und nicht für die 24 anderen Lehrer! Es ist dein Leben, was dir da entrinnt!

    26.02.2008, 20:53 von Hunnybabe
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