Timm_Klotzek 30.11.-0001, 00:00 Uhr 17 1

Depressiv oder nicht depressiv:

Eine Frage von Intensität und Dauer.

Permanentes Grübeln. Sich im Bett hin und her wälzen. Keinen Appetit haben.
Sich ständig müde fühlen. Keine Lust mehr auf Sex. Eine Depression verändert das Verhalten, das Fühlen und das Denken. Doch nicht jeder, der im Bett kein Interesse mehr zeigt, ist automatisch depressiv: Alle Kennzeichnen einer Depression gehören auch zum normalen Leben.

Behandlungswürdig werden die Symptome daher erst, wenn sie gesammelt auftreten. Über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen. Zu Schwierigkeiten in der Bewältigung des normalen Alltags führen. Und weder auf eine körperliche Krankheit (z.B. einer Schilddrüsenunterfunktion), noch auf die Einnahme von Alkohol, Drogen oder Medikamenten zurück zu führen sind. Zudem gilt: Sind die Symptome klar mit einem „einfachen Trauererlebnis“ (etwa einem plötzlichen Todesfall) verknüpft, gilt ihr Auftreten auch über mehrere Wochen als normal.

Depressionen unterteilt man, grob, nach ihrer Häufigkeit (Ersterkrankung oder Mehrfacherkrankung) und ihre Intensität: leicht, mittelgradig und schwer.

Wer mehr als die Hälfte der folgenden Symptome seit mehr vierzehn Tagen bei sich beobachtet, der sollte sich zur genaueren Diagnose an einen Arzt oder Psychotherapeuten wenden:

* Schlafstörungen, etwa Früherwachen, zwei Stunden oder mehr vor der gewohnten Zeit
* Permanentes Grübeln; typische Gedanken: „Mein Leben ist sinnlos“, „Die Dinge werden einfach immer schlimmer“, „Ich würde am liebsten nur noch schlafen“, „Ich schaffe das alles nicht mehr“
* Sozialer Rückzug: Man meldet sich nicht mehr bei Freunden, nimmt Einladungen nicht an und meidet zunehmend andere Menschen
* Verlust des Selbstvertrauens oder des Selbstwertgefühls; typische
Gedanken: „Ich kann nichts, ich bin ein Versager“, „Ich bin nicht so gut wie die anderen“, „Ich bin hässlich“, „Ich bin anderen nur eine Last“ oder „Wer mich für nett hält, der kennt mich nicht richtig“
* Deutlich vermindertes Interesse oder Freude an allen oder fast allen Aktivitäten, die normalerweise angenehm waren; nichts macht mehr Spass
* Deutlicher Gewichtsverlust auch ohne Diät oder deutliche Gewichtszunahme (mehr als fünf Prozent des ursprünglichen Gewichts im vergangenen Monat)
* Unbegründete Selbstvorwürfe oder ausgeprägte, unangemessene Schuldgefühle (nicht nur wegen des Krankseins); typische Gedanken: „Ich habe nicht genug Willenskraft“, „Ich bin an allem schuld“, „Ich verdiene nichts gutes“
* Verminderte Fähigkeit zu denken oder sich zu konzentrieren und verringerte
Entscheidungsfähigkeit: In einem Buch muss man jede Seite mehrfach lesen, bei einem Film kann man der Handlung nicht folgen.
* Wiederkehrende Gedanken an Selbstmord
* Starke, innere Unruhe oder Verlangsamung verbunden mit einem Gefühl von Schwere in den Gliedern, Kopf oder Rücken
* Permanente Müdigkeit oder das Gefühl von Energieverlust
* Deutlich verringertes, sexuelles Interesse
* Häufiges, scheinbar grundloses Weinen oder das Gefühl, jetzt weinen zu können
* Die Zukunft wirkt bedrohlich
* Kritik verletzt einen stärker als früher
* Diffuse Angstgefühle und ein vermehrtes Sich-Sorgen machen

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17 Antworten

Kommentare

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    All diese Symptome habe ich und das schon seit mehreren Jahren. Habe auch schon eine 2 1/2 jährige Gesprächstherapie hinter mir, die Ursache war dann auch schnell gefunden und sozusagen bekämpft. Die jetzige Ursache, werde ich aber nicht bekämpfen können, weil es schlichtweg unsere Gesellschaft ist. Ich bin wegen meiner beiden Kinder jahrelang nur stundenweise in die Arbeit gegangen (um den Anschluß in der Berufswelt wenigstens nicht ganz zu verlieren), aber heute wenn ich um einen Halbtags-oder Ganztagsjob anfrage, dann bin ich schlichtweg zu alt, könnte aber noch gut 25 Jahre voll arbeiten. Kurz und gut, das alles depremiert mich so sehr, dass ich wieder angefangen habe, darüber nach zudenken, ob es nicht besser wäre, dem Leben ein Ende zu bereiten.

    18.05.2007, 13:54 von Prinzessin1506
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    schön, dass auch mal so ein thema angesprochen wird.
    allerdings : es bleibt ein wenig an der oberfläche ! ein paar vertiefende literaturempfehlungen wären nicht schlecht....

    und : eine warnung, sich selbst sowas wie eine depression zu diagnostizieren ! da sollte auf jeden fall umfeld und therapeut / Psychologe mit einbezogen werden !

    ich mach grade praktikum mit psychisch kranken und kann euch sagen : es ist ein unterschied, ob ich mich mal ein paar tage schlecht fühle oder eine wirklich schwere depression habe !

    06.05.2007, 11:32 von lila-hexe
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    also, ich glaub nicht, dass es da eine eindeutige grenze gibt. ich denke der übergang ist eher schleichend. und die depression an sich kann ja auch von unterschiedlicher stärke sein.

    19.04.2007, 15:23 von Santa_Fe
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    ich frage mich, wo eigentlich die grenze liegt zwischen einer nachdenklichen und einer depressiven person. denn ich wette es gibt einige menschen, auf die mehr als die hälfte dieser symptome zutreffen, die aber trotzdem nicht depressiv sind und umgekehrt, menschen, auf die nur wenige symptome zutreffen, die aber trotzdem an der krankheit leiden...
    Meiner Meinung nach ist es heutzutage sehr leicht, depressiv zu werden und manchmal bin ich mir selbst meines eigenen zustandes in dieser hinsicht nicht ganz sicher. wo also liegen die grenzen zwischen einem nachdenklichen mensch, einem depressiven mensch und einem mensch, der sich einredet, depressiv zu sein?

    16.04.2007, 21:00 von LaDulce
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    ich arbeite seit einiger Zeit in einer psychiatrischen Abteilung eines Krankenhauses, bin Krankenschwester, aber leider noch ohne Fachausbildung für Psychiatirie.
    Ich bekomme täglich mit wie die Patienten unter den Depressionen leiden, sie haben keinen Lebenslust mehr, versuchen sich umzubringen, liegen meist den ganzen Tag im Bett, weinen, sind traurig und bedrückt. Erst heute hat eine Patientin zu mir gesagt, sie habe keine Hoffnung mehr das es ihr jemals wieder besser ginge. Diesen Menschen geht es so schlecht , man kann garnicht nachvollziehen wie sie leiden...
    Ich betreue diese Patienten meist über einen langen Zeitraum, viele Wochen, manchmal Monate, man spricht sehr viel, versucht zu helfen und ermutigt sie immer wieder. Es istz manchmal sehr schwer, aber ich weiß das es ihnen mit der Zeit auch wieder besser geht, meist ist das schlimmste geschafft, wenn sie wieder sagen können; ja heute geht es mir ein bisschen besser..... Dann ist der schwerste Weg geschafft. Ich habe sehr großen Respekt vor allen Erkrankten, es ist ein unheimlicher Leidensweg mit vielen Selbstmorgedanken und meist auch viel Unverständnis von Freunden und Familie, eigentlich dem Großteil der Gesellschaft. Und es ist nicht nur eine einmalige Krankheit sie tritt immer wieder auf, zumindest bei dem Großteil der Erkrankten.
    Ein psychisch Kranker hat egal mit welcher Erkrankung sein Leben lang zu Kämpfen, jedes gebrochene Bein, jede Operationsnarbe verheilt wieder....

    10.04.2007, 15:16 von natalie86
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    solche listen zur selbstdiagnose find ich mehr als gefährlich. imo kann's sein, dass man sich dadurch nur noch mehr in ne krankheit 'hineinsteigert'.
    auf die frage wie man mit depressiven menschen am besten umgeht gibts, glaub ich, keine allgemeingültige antwort. schließlich erlebt jeder die krankheit ein klein wenig anders, es gibt andere auslöser, andere hintergründe dafür.
    deswegen kann man nicht sagen 'so und so geht man damit am besten um'.
    mir hats geholfen, dass ich von freunden immer wieder direkt drauf gestoßen wurde und dass sie mir irgendwann auch ziemlich abweisend gegenüber standen. also sie ham sich nicht direkt von mir abgewendet, aber mir regelmäßig in den arsch getreten. andere treibt das vll nur noch tiefer rein.
    aber wenn's nur n bekannter is, also ein mensch zu dem man keine so wahnsinnig tiefe bindung hat, dann würd ich sagen das beste ist ihm so normal wie möglich gegenüber zu stehen.

    ich kann grad nicht weiterschreiben und ich weiß auch nicht ob das alles so klar is, aber ich hoff man versteht mich trotzdem einigermaßen.

    07.04.2007, 21:04 von Santa_Fe
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    Ich denke schon seit längerer Zeit darüber nach, ob vielleicht auch ich an einer Depression leide.Aber jedesmal kommt der Gedanke auf, dass es schon nicht so schlimm sei. Aber vielleicht ist gerade das der falsche Weg?
    Früher war ich ein wirklicher lebensfroher Mensch, der nie an das böse im Menschen gedacht hätte. Nun bin ich schon seit gut 10 Monaten um 180 Grad gewandelt,ich empfinde keine richtige Freude mehr am Leben, hab Versagensängste und kein Selbstwertgefühl mehr.
    Ich meinerseits denke immernoch, dass es nur eine Phase sei, die schon wieder vorbei geht. Das Schlimme ist,dass ich unterdessen soweit bin, dass ich ohne so ein depressives Gefühl garnicht mehr leben will, es ist für mich essentiell geworden.
    lg

    07.04.2007, 11:36 von dani_tuete
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    Mußte gerade mit Erschrecken feststellen, das ich laut deinem Artikel wohl depressiv bin! Auf mich treffen mehr als die Hälfte der Sympthome zu, und das nicht erst seit 2 Wochen, das geht jetzt schon seit fast einem Jahr so! Nur ist es bei mir nicht jeden Tag gleich...
    hab schon sehr lange den schrecklichen Verdacht das mit mir was nicht stimmt! ABER ich werde den Teufel tun und gleich zum Arzt rennen! Kann es mir beruflich nicht leisten wochenlang auszufallen! Hab gelernt damit umzugehen und ich weiß was ich tun muß, damit es mir wieder besser geht! Zugegeben die ständigen Selbstzweifel machen es mir auf Arbeit nicht leicht! Mich zu konzentrieren ist mir manchmal unmöglich! (hab auch schon viel Scheiße gebaut ;-) ) Als wenn jeder meiner 1000 Gedanken 1000 Tonnen wiegt. Ich hab mir dann Rituale antrainiert um wieder "klarzukommen"! Es funktioniert........
    die eigenen Gefühle auszutricksen ist sehr schwer und es verlangt immer sehr viel Überwindung
    mich nicht zu Hause einzuigeln, Familie und Freunde wissen nix von meinem Verdacht aber sie
    sind der Grund warum es mir trotz der meiner "Sympthome" gut geht! GOTT SEGNE SIE

    04.04.2007, 02:30 von Schulle
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    Servus!
    Ich hatte neulich mit einer depressiven Frau zu tun. Und das auch noch just, nachdem ich den Artikel gelesen hatte. Welch Ironie!
    Ich hatte schon Schwierigkeiten mit ihr umzugehen. Auch obwohl ich wusste, dass Depression eine ernstzunehmende Krankheit ist. Aber dieses Fishing for Compliments. Furchtbar. Ich hab ihr dann weder zugestimmt noch was ablehnendes gesagt....
    Ich glaube, wenn man ein depressives Familienmitglied um sich hat, ist das schon eine große Belastung wenn nicht sogar eine Zerereißprobe für die ganze Familie. Puha!

    Gruß

    02.04.2007, 20:06 von skuld1503
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    "Wenn wenigstens echte Erkenntnis daraus wachsen würde, könnte ich damit umgehen - aber so ist es nur unglaublich erschöpfend und sinnlos ... Zum Glück habe ich, im Gegensatz zu vielen Depressiven, einen Sinn in meinem weiteren Leben ..."

    es gibt die momente, die können andauern, da geht einem der sinn verloren. das heißt aber noch nicht, dass es damit auch zu ende geht. der mensch ist ein wundertier. der stellt sich schlafend und tut, als würde er sterben - es ist so oft nur ein ausruhen. und ein loslassen.

    auf ein ausschlafen.

    01.04.2007, 12:36 von Yinn
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