Melliteratur 30.11.-0001, 00:00 Uhr 15 16

Depression

Du hast Angst vor dem Begriff: Verrückt. Weil du dich mit diesem Wort in eine Schublade steckst und diese vielleicht nie mehr aufmachen wirst.

Du verstehst das nicht. Niemand tut das. Diese Krankheit ist wie ein Gespenst. Du kannst sie nicht sehen, aber sie spukt durch deinen Kopf. Warum ausgerechnet durch deinen Kopf? Es gibt keinen ersichtlichen Grund dafür. Du hast keinen Krieg miterlebt, deine Eltern leben noch und eigentlich bist du gesund. Aber uneigentlich? Und dann zerbrichst du dir voller Schuldgefühle und Selbstzweifel den Kopf an der Suche nach den Ursachen. Die so vielfältig sind, dass es eine ziemliche Frechheit von dir ist, dich dafür zu verurteilen, weil du keinen triftigen Grund erkennst. Du fragst dich schließlich auch nicht, warum dein Großvater Krebs hat, der hat doch gar keinen Grund. Krankheiten haben ihre Ursachen, aber die sind komplex. Insbesondere bei Krankheiten, die wie Gespenster sind. Unsichtbar und gruselig.


Vielleicht warst du schon immer krank. Ganz bestimmt bist du nicht erst krank geworden, weil es ein Trend ist. Du gehst nicht mit dem Trend und denkst, dass Krankheiten das auch nicht tun. Und diese war schon immer da. Sie ist vielleicht ein Modebegriff, aber keine Modekrankheit. Man könnte auch sagen, dass du an Melancholie leidest. Und sicher war dies einst ein Modebegriff dafür. Und bestimmt schmückt mancher sich gern mit Modebegriffen. Außerdem ist es in einigen Berufsfeldern sogar schick oder wird erwartet, dass man krank ist. Ein Künstler, der nicht leidet, kann doch gar keine gute Kunst machen. Doch diese Einstellung ist dir zu trendy.

Das Ganze nicht ernst zu nehmen, ist keine gute Entscheidung. Die du trotzdem immer wieder triffst, weil du so sehr von dir selbst genervt bist und dich oft fragst: Warum kann ich mich jetzt nicht einfach mal zusammenreißen?! Doch lächerlich ist das leider nicht. Wenn du sterben willst, wenn du dich und das Leben nicht mehr erträgst, wenn du Schmerzen hast, es dunkel ist im Kopf und die Traurigkeit in der Herzkammer wohnt. Und dann, wenn es einmal nicht ganz so dunkel ist, wenn du mal einen guten Tag hast, dann wirfst du alles über Bord. Die schweren Gedanken und die tristen Augenblicke. Krank? Nein. Es gibt gar keine Gespenster. Faul und undiszipliniert warst du vielleicht, aber damit ist jetzt Schluss. Nicht mehr zu viel nachdenken und glücklich werden. Das klappt dann so lange, bis die Dunkelheit wieder zuschlägt. Unerwartet, plötzlich und mit voller Wucht, sodass deine Seele unter Beton liegt und du dir lächerlich vorkommst, weil du dachtest, dass es jetzt endlich besser wird. Und dann erträgst du das Leid bis zum nächsten hellen Moment, mal mehr mal weniger gut. So wie jeder andere Mensch, der erkrankt ist. An was auch immer. Und wenn dies doch eine nicht ernst zu nehmende Krankheit sein sollte, warum kannst du dann nicht lachen?

Du hast Angst vor den Begriffen: Klinik oder Anstalt oder Verrückt oder Irre. Weil du dich zusammen mit diesen Wörtern in eine Schublade steckst und diese vielleicht nie mehr aufmachen wirst. Du arbeitest an dir. Aber es ist nicht einfach. Und was ist, wenn du nie mehr gesund wirst? Etliche Vorgespäche, Telefonate, Listen und Wartezeiten, das hast du auf dich genommen,weil du Hilfe brauchst. Und die brauchst du, weil du krank bist. Einfach mal eben eine Psychotherapie machen, weil es vielleicht angesagt ist, das mag vorkommen, doch so einfach ist das nicht. Es ist nicht einfach. Mit dieser Krankheit zu leben. Weil niemand es versteht. Weil einige es modisch finden. Weil andere es lächerlich finden. Weil jeder Angst hat vor dem, was nicht normal ist. Obwohl alles ganz normal ist. Aber. Das muss erstmal einer verstehen.


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15 Antworten

Kommentare

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  • 2

    vielleicht übersetzen wir "depression" mit "weltschmerz". klingt soviel glaubwürdiger als eine imaginär durch serotonin-wiederaufnahmehemmer gelinderte krankheit.
    bei manchen mag es krank sein, andere wiederum sind schwermütig, in einem dilemma, gehemmt.

    15.06.2013, 14:29 von dragonflycaught
    • 1

      Es ist keine Krankheit.

      maximal krankt man an seinem Umfeld und allem, was  falsch zu laufen scheint.
      Ich kann nicht verstehen wir man jemanden, dem es so ergeht, z.B Medikamente aufdrücken möchte oder den Stempel "verrückt".
      Damit grenzt man aus.

      Ich verstehe den Text übrigens sehr gut und finde den recht gut gelungen.

      15.06.2013, 14:49 von FrauKopf
    • 1

      doch, es ist eine krankheit. es gibt einen unterschied zwischen reiner unzufriedenheit und einer depression. letzteres kann resultieren, wie auch umgekehrt.
      und auch mit dem wort "verrückt" kann ich in diesem zusammenhang nicht viel anfangen.


      15.06.2013, 15:06 von dragonflycaught
    • 1

      ich betrachte das nicht so, obschon ich diese Diagnose bekam.
      Ich will mich nicht als krank bezeichnen lassen, nur weil ich nicht wie andere denke und funktioniere.

      15.06.2013, 15:25 von FrauKopf
    • 2

      wenn du ne lungenentzündung hast, darf man das dann auch nicht so nennen?
      ich glaube wenn man psychische erkrankungen genauso bewertet wie jede andere krankheit, dann hat man auch keine probleme das so zu benennen.
      das problem ist, dass die meisten menschen denken, sie , oder der erkrankte hätte irgendeine "schuld" an der erkrankung und genau das ist nicht der fall.

      15.06.2013, 15:34 von yuhi
    • 0

      man darf sehrwohl. ich lese hier nur wesentlich mehr heraus als eine depression allein.
      deshalb entschied ich mich für ein passenderes wort.

      15.06.2013, 15:49 von dragonflycaught
    • 0

      Meine Güte, ich bezieh das doch nicht auf ein Bild, dass mich insofern beeinträchtigt, dass z.B meine Lunge blubbert.

      ich denke, dass hier klar ersichtlich wird worauf ich hinaus will also was soll dieses Gedrehe?

      der Punkt ist doch, dass  man recht fix dabei ist, jemanden als krank zu bezeichnen, eben weil er nicht der gesellschaftlichen Norm entspricht.

      15.06.2013, 16:06 von FrauKopf
    • 0

      nicht jeder der nicht der gesellschaftlichen norm entspricht ist krank , aber es gibt auch kranke, die sowohl krank sind als auch nicht der norm entsprechen.
       zwischen nicht der norm entsprechen und krank sein gibt es halt fließende übergänge . wer will das denn so genau bestimmen.
      jede diagnose ist ein abweichen von der norm in bestimmten kriterien.
      einem bevölkerungsdurchschnitt. das ist so, das hat man so festgelegt. ich bin auch kein freund von etikettierungen, manchmal sind diese aber nötig, um die optimale behandlungsmethode zu finden. gute diagnostik hat schon ihren sinn und wert.

      ich vemeide es menschen auf ihre krankheiten zu reduzieren. für mich ist keiner DIE lunge, oder DIE depression, der depressive... :)
      man ist dahinter immer und vor allem auch noch mensch!

      15.06.2013, 16:13 von yuhi
    • 1

      i agree.
      wir könnten nun seiten füllen mit einer diskussion über dieses thema, aber das bringt nichts.


      15.06.2013, 16:36 von dragonflycaught
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  • 1

    Zur Behandlung von Depressionen möchte ich auch auf die Biblische Krankenheilung (Aufklärung und Beratung) hinweisen. Grundlage sind Aussagen der Bibel.

     

    Jesus Christus spricht in Matthäus 11,28:

    Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich will euch erquicken.

     

    Psalm 146,8:

    Der HERR richtet auf, die niedergeschlagen sind.

     

    Mit guten Segenswünschen

    Claus F. Dieterle

    25.03.2013, 22:05 von Claus-F-Dieterle
    • Kommentar eines gelöschten Benutzers
    • 0

      Troll

      15.06.2013, 14:43 von yuhi
    • 0

      Ich glaube, der glaubt das wirklich.....

      15.06.2013, 14:48 von miss_mel
    • 0

      ich nicht :D

      15.06.2013, 14:53 von yuhi
    • 3

      Fußball kommt auch von der Bibel...

      »Jesus stand im Tor von Nazareth, doch seine Jünger standen Abseits...«

      15.06.2013, 15:30 von sailor
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