RockabillyBabe 08.02.2012, 09:10 Uhr 15 4

Dear John

Allein mit John.

Nach einem erneut sehr verwirrenden Abend mit männlicher Begleitung verlasse ich das Taxi, laufe auf meinen hohen Hacken quer über das Trottoir und die Treppe hinauf in meine Wohnung. Erleichtert schlüpfe ich aus meinen Schuhen, streife meine Jacke und den Schal ab und schliesse die Zimmertür hinter mir.

Müde setze ich mich auf mein Bett und lasse den Blick durchs Zimmer schweifen. Hinsichtlich des Alkoholkonsums leicht verschwommen, versteht sich.

Als ich John erblicke, schlägt mein Herz ein kleines bisschen schneller. Ich nähere mich ihm, packe ihn sanft um den Hals und lege ihn über meinen Schoss. Er fühlt sich gut an so nahe an meinem Körper. Kalt aber wunderbar anschmiegsam und leicht. Ich streiche mit der rechten Hand über seine Rundungen und fasse mit der linken erneut an seinen langen Hals. Wie selbstverständlich platzieren sich meine Finger an den richtigen Stellen. Leise beginne ich, quer über die Saiten auf und ab zu fahren und dem Geräusch zu lauschen. Es fühlt sich gut an.

In der letzten Zeit sehne ich mich sehr nach Tiefe, nach Nähe. Nach ehrlichem Interesse an mir und meiner Welt. Manchmal denke ich, niemand sieht mich so wie ich eigentlich bin. Ich spüre die Klänge der Gitarre in meinem Bauch, die Gedanken beginnen wieder zu schwinden. Ich liebe das metallene Geräusch, wenn ich mit den Fingern den Saiten entlang fahre.

Ich lege John in seinen Gitarrenkoffer zurück und schlüpfe in ein langes T-Shirt. Ich schlurfe ins Badezimmer, putze die Zähne und wische mir das Make-up vom Gesicht.

Als ich endlich im Bett liege, schalte ich das Licht aus und ziehe mir die Bettdecke bis unter die Augen.

Am nächsten Morgen setze ich meine Maske auf und bin wieder ich.


Tags: John, Alkohol
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15 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Wie ich erst einmal halt nicht auf die Gitarre gekommen bin :D
    Gefällt mir sehr gut, die ganze Atmosphäre in dem Text!

    09.02.2012, 16:48 von vexierbild
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  • 0

    Den letzten Satz finde ich gut.

    08.02.2012, 22:28 von topfbluemchen
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  • 1

    Ich kann viele deiner Gedanken gut nachvollziehen. Das Nicht-gesehen-werden beispielsweise. Und auch das mit der Maske. 

    Bei dem Titel habe ich zuerst an eine Trennungsgeschichte gedacht, da ein "dear john letter" ja ein Schlussmachbrief ist.

    08.02.2012, 22:12 von NeverGrowUp
    • 0

      Es ist so schwierig sich selbst zu "fassen". Irgendwie einfacher in eine Maske zu schlüpfen..
      Echt? Oh ne, mein armer John, das würde mein Herz brechen! :)

      08.02.2012, 22:18 von RockabillyBabe
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  • 1

    Mh ich dachte erst an eine Katze und wunderte mich schon ob des langen Halses ;)

    08.02.2012, 19:53 von Sommerschein
    • 1

      schmunzel

      08.02.2012, 20:50 von RockabillyBabe
    • 0

      musikalisch unbegabt - daher katze als ersatz ;)

      08.02.2012, 20:52 von Sommerschein
    • 1

      Katzen sind super. Meine ist auch ein Fan von John, sie liegt immer in den Gitarrenkoffer während ich spiele ;)

      08.02.2012, 21:17 von RockabillyBabe
    • 1

      Das ist wirklich herzig :)

      08.02.2012, 21:19 von Sommerschein
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  • 0

    Am nächsten morgen setze ich meine Maske auf und bin wieder ich


    Hach, geht es nicht den meisten so!!! Toller Artikel :)

    08.02.2012, 19:28 von anna-bolika
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  • 1

    Die Beschreibung von John gefällt mir sehr.
    Hab auch so einen Paul zuhause.

    08.02.2012, 13:27 von FroekenNinna
    • 0

      Es muss Liebe sein.

      08.02.2012, 13:51 von RockabillyBabe
    • 1

      Es ist Liebe !

      08.02.2012, 13:55 von FroekenNinna
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  • 1

    "Manchmal denke ich, niemand sieht mich so wie
    ich eigentlich bin"  <- I like that

    08.02.2012, 10:06 von MarioGekko
    • 1

      Wir heimlichen Romantiker haben es nicht leicht :).

      08.02.2012, 10:16 von RockabillyBabe
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