Dear John
Allein mit John.
Nach einem erneut sehr verwirrenden Abend mit männlicher Begleitung verlasse ich das Taxi, laufe auf meinen hohen Hacken quer über das Trottoir und die Treppe hinauf in meine Wohnung. Erleichtert schlüpfe ich aus meinen Schuhen, streife meine Jacke und den Schal ab und schliesse die Zimmertür hinter mir.
Müde setze ich mich auf mein Bett und lasse den Blick durchs Zimmer schweifen. Hinsichtlich des Alkoholkonsums leicht verschwommen, versteht sich.
Als ich John erblicke, schlägt mein Herz ein kleines bisschen schneller. Ich nähere mich ihm, packe ihn sanft um den Hals und lege ihn über meinen Schoss. Er fühlt sich gut an so nahe an meinem Körper. Kalt aber wunderbar anschmiegsam und leicht. Ich streiche mit der rechten Hand über seine Rundungen und fasse mit der linken erneut an seinen langen Hals. Wie selbstverständlich platzieren sich meine Finger an den richtigen Stellen. Leise beginne ich, quer über die Saiten auf und ab zu fahren und dem Geräusch zu lauschen. Es fühlt sich gut an.
In der letzten Zeit sehne ich mich sehr nach Tiefe, nach Nähe. Nach ehrlichem Interesse an mir und meiner Welt. Manchmal denke ich, niemand sieht mich so wie ich eigentlich bin. Ich spüre die Klänge der Gitarre in meinem Bauch, die Gedanken beginnen wieder zu schwinden. Ich liebe das metallene Geräusch, wenn ich mit den Fingern den Saiten entlang fahre.
Ich lege John in seinen Gitarrenkoffer zurück und schlüpfe in ein langes T-Shirt. Ich schlurfe ins Badezimmer, putze die Zähne und wische mir das Make-up vom Gesicht.
Als ich endlich im Bett liege, schalte ich das Licht aus und ziehe mir die Bettdecke bis unter die Augen.
Am nächsten Morgen setze ich meine Maske auf und bin wieder ich.
Tags: John, Alkohol




Kommentare
Wie ich erst einmal halt nicht auf die Gitarre gekommen bin :D
09.02.2012, 16:48 von vexierbildGefällt mir sehr gut, die ganze Atmosphäre in dem Text!
Den letzten Satz finde ich gut.
08.02.2012, 22:28 von topfbluemchenIch kann viele deiner Gedanken gut nachvollziehen. Das Nicht-gesehen-werden beispielsweise. Und auch das mit der Maske.
Es ist so schwierig sich selbst zu "fassen". Irgendwie einfacher in eine Maske zu schlüpfen..
08.02.2012, 22:18 von RockabillyBabeEcht? Oh ne, mein armer John, das würde mein Herz brechen! :)
Mh ich dachte erst an eine Katze und wunderte mich schon ob des langen Halses ;)
08.02.2012, 19:53 von Sommerscheinschmunzel
08.02.2012, 20:50 von RockabillyBabemusikalisch unbegabt - daher katze als ersatz ;)
08.02.2012, 20:52 von SommerscheinKatzen sind super. Meine ist auch ein Fan von John, sie liegt immer in den Gitarrenkoffer während ich spiele ;)
08.02.2012, 21:17 von RockabillyBabeDas ist wirklich herzig :)
08.02.2012, 21:19 von SommerscheinAm nächsten morgen setze ich meine Maske auf und bin wieder ich
Die Beschreibung von John gefällt mir sehr.
08.02.2012, 13:27 von FroekenNinnaHab auch so einen Paul zuhause.
Es muss Liebe sein.
08.02.2012, 13:51 von RockabillyBabeEs ist Liebe !
08.02.2012, 13:55 von FroekenNinna"Manchmal denke ich, niemand sieht mich so wie
08.02.2012, 10:06 von MarioGekkoich eigentlich bin" <- I like that
Wir heimlichen Romantiker haben es nicht leicht :).
08.02.2012, 10:16 von RockabillyBabe