Das schwarze Nichts
Was kann man nur tun, um den Fall in dieses tiefe schwarze Loch zu vermeiden? Nichts… Nichts bleibt mehr zu sagen. Oder doch?
Man hat vieles zu sagen, doch man tut es einfach nicht.
Man kann nicht, man will nicht. Das Innerste bremst einen, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen, denn die Vernunft übernimmt und versucht den größten Schaden zu vermeiden.
Denn was ist wohl besser für den Organismus; beschadet überleben oder völlig kaputt zu gehen und sich in der Schwärze zu verlieren?
Die Sperre, die die Vernunft dem Ausbruch von Innen vorschiebt ist nicht besser als ganz in das schwarze Loch zu fallen. Eigentlich ist es schlimmer.
Denn manchmal schafft es einer von den kleinen schwarzen Gedanken hinaus.
Er rumort in einem und verschafft einem dieses innere Gefühl der Beklemmung.
Man spürt es in sich, hat keinen Hunger, kann auch tagelang nichts zu sich nehmen und nichts tun als irgendwo zu sitzen und zu weinen, zu schreien und zu grübeln.
Langsam schleicht er sich aus der Magengegend nach oben, durch den Hals und man denkt, man könnte ihn einfach auskotzen…
Nichts…
Er bleibt stecken und frisst sich in den Kopf.
Was bleibt ist ein flaues Gefühl und das Unvermögen einfach zu schlucken.
Gedanken im Kopf werden ausgelöst und bahnen sich ihren Weg durch alle Synapsen.
Jeder noch so banale Gedanke wird befallen und führt zum Ursprung des Unwohlseins.
Der Ursprung den keiner bestimmen kann, weil er doch tief vergraben ist.
Die Gedanken, die einen so missmutig stimmen bekommen einfach kein Bild, keinen Gegenstand.
Was denkt man da eigentlich?
Was macht einen so traurig, so schwerfällig?
Wo kommt es her das Gefühl in einem dicken zähen Urschleim zu stecken und sich einfach nicht fortzubewegen?
Keine Ahnung.
Nun, immer noch Schadensvermeidung.
Und ist es nun besser? Immer wieder in das Loch zu fallen, angefressen zu werden und vom reinen Überlebenswillen, basierend auf Vernunft wieder hinaus gezogen zu werden?
Ein Schaden bleibt immer, nach jedem Sturz. So wie auch die Haut Narben bildet, ein Knochen nach einem Bruch nie wieder der Alte ist, so ist auch ein Gedankenhaus nie wieder das gleiche, wenn es einmal angerissen wurde von Hilflosigkeit, Trauer und Depression
Manchmal überschreitet man eine Grenze, schafft es den Verstand fast gänzlich auszuschalten, wird überflutet von einer Traurigkeit und Schwerfälligkeit, die einen zu Boden reißt. Die einem den Atem nimmt, die einen begreifen lässt, das all das wofür man sich so Quält es nicht wert ist.
Wer es dann schafft, schätze sich glücklich. Den Absprung zu schaffen und aus dem tiefen schwarzen Loch eine weiche graue Wolke zu machen, die einen auffängt und weit davon trägt. Was dann folgt sind nur noch Torturen von außen, denn er, sie, es ist da, wo keine Außenwelt mehr Einfluss nehmen kann.
Doch das ist nur der Idealfall.
Meist schafft sich der Überlebenswille einen Zutritt und schreitet ein.
Die schwere Ohnmacht folgt und hält einen lange gefangen.
Eine Schwebe zwischen schwarz und weiß, zwischen Leben und Verblassen…
Man ist zu schwach um den Verstand weiter zu verdrängen.
Er bohrt sich durch all die Wege, die der alte dunkle Gedanke genommen hat, reinigt sie und verbannt den Unruhestifter wieder hinter seiner Grenze.
Doch das Gefühl in deiner Magengegend wirst du nie los… und auch nie in Worte fassen können.
Was aber von dieser überwältigenden Ohnmacht übrig bleibt ist…
Nichts.
Denn es bleibt Nichts mehr zu sagen....




Kommentare
bis vor ein paar monaten hätte ich diesen text nicht wirklich nachvollziehen können - inzwischen schon.
26.02.2009, 16:38 von happy-little-idiotdieses nicht wahrhaben wollen, nicht begreifen wollen - nicht begreifen können. um die veränderung wissen und dennoch nichts tun können. sinnlos durch die gegend fahren - mit gedanken, die immer und immer wieder um die selben fragen kreisen, das gefühl haben, nirgends eine ausfahrt aus diesem inneren chaos zu haben. einfach gefühlsmäßig gelähmt zu sein und trotzdem irgendwie funktionieren zu müssen.
ich würde sagen, ich hatte glück - ich hatte leute, die mir die richtigen fragen gestellt haben, um aus diesem chaos rauszufinden. und ich hab gesagt, was ich sagen musste - weil ich es nicht länger runterschlucken konnte, ohne kaputt zu gehen. ich weiß, dass ich anfangs oft gesagt habe, es geht wieder und es eigentzlich nur verdrängt habe. inzwischen aber ist nach dem schwarzen loch die "graue wolke" gekommen, die langsam anfängt auch wieder weiß zu werden. für mich ist es definitiv besser "beschadet zu überleben" , weil ich mir das wert bin und die anderen es eben nicht wert waren.
ich wünsch dir alles gute. denk dran - du selber bist am wichtigsten, also sprich es aus, wenn dir was unter den nägeln brennt.
du sprichst mir aus der Seele!
14.02.2009, 01:23 von freakyphaquigefällt mir unheimlich gut....trifft ziemlich ins schwarze für mich...ich fühl mich sehr oft ganz ähnlich und man weiß nie vorher wie das ganze ausgeht
16.01.2009, 17:12 von blackleavenicht gerade erheiternd, dieser text - aber vollkommen in ordnung - nicht alles im leben ist geprägt von freude und eierkuchen. schwermut, melancholie und depressive schübe gehören genauso dazu und niemand wird sich davon freimachen können.
15.01.2009, 17:18 von magnusgefährlich wird es allerdings, wenn die ohnmacht zur allmacht wird und der verstand und somit die person handlungsunfähig.
ich hoffe, du lässt dich nicht von dieser schwärze überwältigen und findest wege, sie zu überwinden.
grüsse!