its-just-me 09.07.2012, 22:00 Uhr 57 14

Das eine Bild

... oder die Macht der vielen Bilder?

Viele kleine bunte Pixel. Natürlich digital. Einsortiert in Ordner. Manchmal bekommen diese noch einen denkwürdigen Namen wie "Geburtstagsfeier", "Urlaub09" oder "Gemischtes". Betitelt von einer kleinen Digicam mit einer Nummerierung in mehrstelliger Höhe. So verweilen wir als denn bestehend aus vielen Nullen und Einsen auf den meisten Laptops. Die Bilder sind manchmal unscharf, zeigen ein gequältes Lächeln, einen Sonnenuntergang, Erinnerungen. Bei Gelegenheit werden die Ordner durchgeklickt, oft nur mit dem Gedanken "Wie sehe ich da denn aus?" oder "Weißt du noch?". Irgendwann geraten auch diese Bilder in Vergessenheit, landen aus Versehen hinter einer unauffindbaren Ordnerstruktur oder lösen sich gar beim nächsten technischen Wechsel in Luft auf. 


Aber wieso machen wir dann all diese Schnappschüsse? Wieso haben wir zum Teil den Zwang alles und jeden mit diesem kleinen Wunderwerk der Technik festzuhalten. Finden wir plötzlich alles schön und wichtig und wollen es für unsere Nachwelt festhalten. Machen wir die unendlich vielen Fotos für uns oder wollen wir unseren Hinterbliebenen tausende Gigabyte mit bunten Bildern hinterlassen? 


Sollte ersteres der Fall sein, so stellt sich mir die Frage, ob wir nicht mehr in der Lage sind uns an schöne Erlebnisse ohne verschwommenes buntes Bildchen zu erinnern. Oder müssen wir unseren Freunden selbst die Geburtstagstorte, die Palmen am Strand oder das Hotelzimmer präsentieren. Wäre es nicht wunderbar unseren Freunden von unseren Erlebnissen zu berichten, wie es unsere Großeltern in aller Ruhe bei einer Tasse Tee tun. Auch sie haben so viel zu berichten. Können stundenlang und minutiös von wunderbaren Geschichten berichten, die sie geprägt haben. Bis ins kleinste Detail kann mir mein Opa von seiner ersten Schokolade berichten, die er damals als Kind bekommen hat. Ich kann das nicht und leider finde ich dazu auch nichts passendes unter den tausenden Bildern. Wobei ich zugeben muss, dass ich nach dem 157ten Bild auch nur noch wenig Lust verspüre nach einem Foto zu suchen, auf dem meine erste Schokolade zu sehen ist. 


Natürlich ist es wunderbar sich in einer ruhigen Minute Bilder aus alter Zeit anzusehen. Bilder aus der Kindheit, spielend und glücklich. Fotos aus meiner Schulzeit. Man schmunzelt meist darüber, alte Erinnerungen kommen hoch. Nur wenn mich jemand fragen würde, erzähl doch mal aus deiner Kindheit, finde ich wohl mehr Fotos als mir Geschichten dazu einfallen. Ja die 20 Geschichten die man eben so auf Lager hat. Aber die kleinen Details. Die Gerüche, der erste Geschmack, die Gefühle. Darüber müsste ich lange nachdenken. Meine Großeltern nicht. 


Auch meine Großeltern haben Bilder aus alten Zeiten. Sie sind in einer geheimnisvollen Schachtel aufbewahrt. Holt sie meine Oma hervor, hat der Akt eine Theatralik als würde sie einen ewig verschollenen Schatz hervorholen. Behutsam streicht sie einmal über den Deckel der vergilbten Schachtel. Vorsichtig öffnet sie diesen mit einem tiefen Durchatmen. Ein Strahlen in ihren Augen. Dort drin verbergen sich die wenigen Aufnahmen aus ihrer Kindheit. Sie sind etwas ganz besonderes für sie. Vielleicht sind es ein Dutzend Bilder. Das ist alles was ihr an visuellen Erinnerungen geblieben ist. Und hat sie sich dann für ein Bild entschieden, kann sie stundenlang jedes Detail zu diesem Bild erzählen. Wenn sie die Portraits ihrer Eltern hervorholt beschreibt sie jedes kleine Detail und malt mit ihren Worten ein komplettes Fotoalbum dazu. Aber eben mit Worten. 


Es ist ein einziges Bild und dieses Bild sagt und zeigt für sie alles ihrer Eltern. Jeden Charakterzug, alle Lebensstationen, alles negative und positive. Bei mir ist das nicht so. Und das ist schade. 


Wieso gehen wir mit diesem Wunderwerk so unachtsam um? Wieso müssen wir alles und jede Situation festhalten? Wäre es nicht wunderbar wir hätten ein Bild das uns berührt, das wir nicht nach zwei Sekunden weglegen. Ein Bild das wir in die Hand nehmen können. Ein Bild in dem wir versinken können. Das so viele Erinnerungen, Gefühle und Gedanken hervorruft? Ein einziges Bild. 


Ich schließe meine Augen und habe diese einzige Bild vor Augen.


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57 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Die einzige Frage, die ich mir stelle ist: Wieso kannst du das nicht? Das finde ich schade.

    17.07.2012, 23:50 von verpixelt
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    Trotzdem Empfehlung für Nachdenklichkeit, das Thema und die Heranführung.

    12.07.2012, 09:47 von LudwigMartin
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  • 3

    Ich hab im Keller drei Kisten mit Photos, dazu natürlich die auf der Festplatte (okay, die versuch ich durch Löschen möglichst zu reduzieren).


    Trotzdem kann ich am Einzelbild durchaus verweilen und mich vertiefen.


    Die Frage ist: wohin geht meine Aufmerksamkeit? Wenn ich Bilder durchblättere und an einem verweile, dann ist dies das Besondere. An einem anderen Tag ist es ein anderes.


    Unsere Großeltern hatten nur die wenigen Bilder, ihren Schatz. Sie hatten auch viel weniger freie Zeit, die sie durch Rituale aufwerteten. Wir brauchen keine Angst zu haben, daß wir zu wenig Bilder und Erinnerungen hätten. Wir haben genug Zeit. Wenn wir unsere Zeit ritualisiert gestalten und auch dem digitalen einen Wert zumessen und Aufmerksamkeit schenken - dann haben wir das Glück, die Vielfalt unserer Erinnerungen für unsere Selbstidentifikation zu nutzen.


    Wir sollten nur darauf achten, daß wir nicht das abwerten, was wir ohne Aufmerksamkeit wahrnehmen. Der Wert ist nicht per se vorhanden - er entsteht heutzutage durch Aufmerksamkeit im Moment.

    12.07.2012, 09:37 von LudwigMartin
    • 0

      Zuhause hab ich ein ausgewähltes Bild meiner Tochter als Desktophintergrund. Ausgewählt aus vielen. Manchmal sitz ich einfach nur minutenlang vor dem Bildschirm, lasse sinnlos die Maus herumfahren, das kleine Gesicht nachzeichnen, es kaum fassen...


      Es könnte ein anderes Bild sein. Aber in diesen Momenten ist es genau dieses, welches mich hypnotisiert quasi.

      12.07.2012, 09:41 von LudwigMartin
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  • 1

    Der Text soll keine Kritik an den neuen Möglichkeiten der Technik sein. Ich finde es schön, dass ihr euch auch kritisch mit der Materie auseinandersetzt. Bilder bedeuten mir sehr viel. Bilder können interpretiert werden. Man kann in ihnen versinken. Über Bilder in meinem Kopf finde ich die Worte. Ich sehe es nur kritisch, dass manchmal scheinbar alles fotografiert wird und das eben ohne dass man sich mit dem Kontext auseinandersetzt. Wobei das eine sehr subjektive Meinung ist und für andere hat sicher auch ein Katzenbild oder das Urlaubsbild eine individuelle Bedeutung. Ja das mit den sozialen Medien ist ein ganz anderes Thema. :) Das hat finde ich einfach sehr viel mit Selbstdarstellung zu tun. Was mich allerdings wirklich fasziniert ist wie sich zum Beispiel meine Großeltern mit den Raritäten namens Porträt der Eltern oder Familienbildern auseinandersetzen und welche emotionale Verbindung sie dazu haben. Ich liebe es einfach ihnen stundenlang zuzuhören, wenn sie über ein einziges Bild sprechen können. Ich finde es wunderbar, wenn Menschen heute noch so behutsam mit diesem Medium umgehen und ein Abbild egal von was zu schätzen und lieben wissen.

    11.07.2012, 23:30 von its-just-me
    • 0

      Das Viel-Fotografieren dient in meinen Augen nur dazu, eine hohe Auswahlmöglichkeit zu generieren, was v.a. für Laien-Fotografen wichtig ist, da unter ca. 25 Schnappschüssen ein sehr professionell wirkendes Motiv sein kann.


      Problematisch sehe ich da nur die Zeit, die man beim Fotografieren nicht ins Erleben stecken kann und Außenseiter einer Situation ist. Der Klassiker war mal eine Hochzeit: Bräutigam schneidet die Hochzeitstorte an und will das erste Stück verteilen, aber keiner nimmts, weil alle eine Kamera in der Hand halten. Wäre da kein Junge dagewesen, der's genommen hätte, hätte es wohl der Hund fressen müssen. ;-)

      12.07.2012, 11:10 von LudwigMartin
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  • 0

    Das ist so wahr und irgendwie selbstkritisch, wenn man sich beim Lesen selbst erkennt..

    Es regt zum Nachdenken an und das gefällt mir sehr!

    11.07.2012, 21:34 von FraeuleinLiebtMusik
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  • 3

    Hier kann man gut erkennen, wie Personen mit diesem Medium umgehen, bzw. jenen Umgang auch bewerten.


    Jeder strickt sich seine eigenen Kausalstrümpfe & läuft damit durch die Zeit.




    Ja, Fotografieren (bis zum Print) ist konsumfreundlicher und und inflationär geworden. Mich daran zu stören ist mir zu anstrengend.




    Ausgesprochen oft erfreuen oder inspirieren mich Fotografien, die andere Personen erstellt haben.




    Es gibt auch solche, die mir nicht gefallen oder mich sogar ankotzen.




    In jedem Falle beobachte ich stets wie ich mit oder zu dem jeweiligen Foto in Resonanz schwinge.




    Ich liebe einfach dieses Medium, welches direkt & non-verbal mit dem Unbewussten kommuniziert.




    Und ich liebe dieses geile Phänomen der selektiven Wahrnehmung. Sich mit fremden Personen auf einer Vernissage oder sonst wo über ein Bild zu unterhalten - oft sehr interessant.




    Und der im Artikel verwendete Terminus des "einzigen Bildes" beschreibt letztlich einen generellen Zustand, der weniger von dem Außen (Fotomania & Konsortien), als mehr von dem Innen abhängt.




    Das Konsumieren jeglicher Art von Bildern ist natürlich ein passiver Vorgang, dessen aktive Anteile sehr aufschlussreich im Hinblick auf das eigene Innere sein können.




    Der Prozess des Fotografierens … bis hin zur Präsentation ist für mich stets ein Füllhorn an Faszination wortloser Sprache, von der ich mich gerne berühren lasse.

    11.07.2012, 16:23 von owo
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  • 0

    Du schöne Welt in meinen Bildern. Sie erinnern mich an Momentaufnahmen, die ich für MICH festgehalten habe. So habe ich es immer gehalten. Da ich die Technik aber nicht beherrsche mache ich viele Bilder und verwerfe 95% davon, nachdem ich sie mir am Monitor angesehen habe. Mit der Zeit liegen rund 2000 Fotos auf meinen Rechnern. Natürlich sind sie alle sortiert uns spiegeln das Familienleben, gesammelt aus 30 Jahren. In einem Ordner, den ich liebevoll nach einer Aussage meiner Frau als tote Bilder bezeichnet habe, zeigen keine Menschen. Wer mag schon Landschaftsaufnahmen, Sonnenaufgänge, Schmetterlinge, Raupen und sonstiges Getier?  Es sind aber genau die Bilder, mit denen ich schöne Momente verbinde, an die ich mich gerne erinnere und mich gedanklich an ihren Entstehungsort zurückführen. An einen Ort der Stille z. B.  Je nach Stimmung und Anlass laufen die einzelnen Ordner als Bildschirmschoner über den Monitor. Manche davon lasse ich in DIN A1 ausdrucken und hänge sie auf.


     


    Ganz anders verhält es sich mit bewegten Bildern. Über 130 Stunden habe ich hinter der Kamera gestanden und gefilmt wie ein wild. Jeder Moment musste eingefangen und für die Ewigkeit gebrannt werden. Darin sehe ich mittlerweile keinen Sinn mehr. Der x-te Geburtstag, die x-te Feier ist beliebig austauschbar und hat für mich micht den Wert festgehalten zu werden.   

    11.07.2012, 15:38 von jetsam
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  • 1

    Ich finde es ebenfalls uneingeschränkt gut, unendlich viele Fotos machen und aufbewahren zu können. Allerdings muss man dann auch ein wenig Zeit investieren, um die Ordnung zu behalten: aussortieren, benennen, verschlagworten, sonst endet das in deinen unauffindbaren Ordnerstrukturen, die du natürlich nie wieder anklickst. 

    Und egal wie viele Fotos man auch macht: Einen kleinen Teil davon, die schönsten, tollsten, privatesten, was auch immer, die kann man doch immer noch entwickeln lassen, aufhängen, in eine Box packen und später wieder hervorkramen und dazu eine Geschichte erzählen.

    Was mich viel eher stört: Warum muss man jedes neue Foto auch immer gleich irgendwo hinposten?Warum posten manche Leute ihre Abendbrot-Salami-Semmel? Warum fotografieren so viele ständig ihre Schuhe? Und würde nicht auch ein Katzen- oder Hundebild pro Monat locker ausreichen? 

    11.07.2012, 14:52 von Oliver_Kucharski
    • 1

      Und warum rennen eigentlich auf jeder Party hunderte Fotographen rum,
      die einen unbedingt ablichten wollen um die Mordsstimmung festzuhalten?
      Das geht mir dann ja wieder aufn Sack. Genauso wie die Leute die diese,
      meist eher unschönen Schnappschüsse permanent auf Facebook hochladen.

      11.07.2012, 15:31 von ThereSheGoes
    • 0

      Hundebilder reichen auch. Katzenbilder müssen nicht mal sein.

      11.07.2012, 20:23 von topfbluemchen
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      Du meinst, warum fotografieren alle ständig ihre abgeranzten, bekritzelten Chucks oder High Heels? Weil bestimmt die dreckigen Chucks für Individualität, Lockerheit, wahtever stehen sollen, und High Heels die doch vorhandene Weiblichkeit signalisieren sollen.^^

      11.07.2012, 20:25 von topfbluemchen
    • 1

      Meine Chucks stehen im Keller, die sind zwar nicht bekritzelt aber stinken ziemlich. Mir fällt ein, dass ich sie nie fotografiert habe. Schande über mich.

      11.07.2012, 20:28 von ThereSheGoes
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      Mensch, ThereSheGoes, das geht aber nicht, wir sind doch nicht zum Spaß hier! ;)

      (Ich hab bei deinem Usernamen übrigens immer, aber auch wirklich immer, nen Freud'schen Verleser...ich lese immer irgendwas mit Shoes und nicht mit She und Goes...)

      11.07.2012, 20:31 von topfbluemchen
    • 0

      Na also, dann wäre das Schuhbild ja umso mehr angebracht! :)


      11.07.2012, 20:34 von ThereSheGoes
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      He he he :)

      11.07.2012, 20:40 von topfbluemchen
    • 1

      nee, da geht's gar nicht um chucks, das ist immer dasselbe bild. da fotografieren die leute so an sich runter, gerne auch zu zweit nebeneinander stehend, und dann sieht man da noch so ein bisschen bein oder hose und dann die schuhe wie sie da so auf dem boden stehen. und dann schreiben die immer so sachen wie "wir" oder "us" oder "waiting" dazu. und ich verstehe einfach nicht, warum leute das tun. hat da jemand eine idee?

      12.07.2012, 10:22 von Oliver_Kucharski
    • 0

      Vielleicht finden se sich selbst nicht ansehnlich genug um genau in diesem wichtigen Moment ein Foto von sich zu machen. Schuhe hingegen sehen immer gut aus (von einigen Ausnahmen mal abgesehen).

      12.07.2012, 11:05 von ThereSheGoes
    • 0

      Außerdem sagt doch son Schuh auch viel darüber aus wer man ist, oder wer man sein will. Zumindest meinte das letztens irgendjemand zu mir.

      12.07.2012, 11:15 von ThereSheGoes
    • 1

      Ha ha, jetzt fühl ich mich leicht ertappt. Ich erinnere mich vage, dass ich neulich ein Selbst'portrait' gemacht hab, als ich am Hafen gelesen hab, wo man nur noch nen Stück vom Rock, den am Boden stehend Schuh, meinen linken Fuß, und ich mein, man sah auf der Bank neben mir noch n Stück vom Kaffeepott :D Scheisse, jetzt fühl ich mich schlecht ;)

      12.07.2012, 18:59 von topfbluemchen
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  • 1

    Also ich finde das man das nicht so verallgemeinern kann. Es gibt auch heute noch Leute die Fotos für sich machen und sie auch anständig aufbewahren. Es kommt immer auf die Person an, die die Fotos macht und wie sie später mit den Bildern umgeht. Wenn jemand tausende Fotos macht und sie dann irgendwo in den Untiefen des Rechners verschwinden lässt ist das schade, aber dann hat es der Fotograf auch nicht anders gewollt.
    Wenn ich die Möglichkeit habe zwei, drei oder auch vier Aufnahmen zu machen, dann nehme ich diese doch auch wahr und suche mir dann die Beste aus. Und ich überlege auch nicht erst eine halbe Stunde ob ich jetzt nun ein Foto machen soll, oder nicht, bis ich eine Entscheidung getroffen habe ist das Motiv schon nicht mehr das gleiche.
    Alles in allem finde ich auch, hat das mit der Erinnerung nicht unbedingt was mit den Bildern zu tun, dein Opa kann sich noch an seine erste Schokolade erinnern, weil es damals was ganz besonderes war. Heute ist für uns Schokolade essen selbstverständlich geworden. Wir wollen immer schneller immer mehr erleben, da können Fotos schon mal ganz hilfreich sein, um sich an alles erinnern zu können. Ich glaube nicht das der Grund für die Lücken deiner Erinnerung die vielen Fotos sind, die deine Großeltern nicht hatten, das war einfach eine ganz andere Zeit. Nichtsdestotrotz mag ich den Text :)

    11.07.2012, 13:07 von Buttercup12
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  • 1

    Grundsätzlich sollte man vermeiden zwei Dinge miteinander zu vermischen. Photographie und deren Präsentation in sozialen Netzwerken.

    Fotos sind mal etwas semi-privates gewesen, das man nur mit guten Freunden auf Dias oder bei Fotoabanden geteilt hat.

    Was sich geändert hat ist folgendes: Bilder werden immer häufiger nicht für uns selbst gemacht, sondern für die breite Öffentlichkeit. Man kann das in verschiedener Hinsicht als eine gewisse Form des Statuserwerbs bezeichnen. Man präsentiert sich im Urlaub an einem tollen Strand, an einer tollen Hotelbar in einem extravaganten Land (im besten Falle). Und wie es bei anderen Posts in sozialen netzwerken auch der fall ist, geht es dabei um Bestätigung. Man lässt sich gewissermaßen über Bilder seinen Lebenslauf durch andere anerkennen.

    Das lässt sich natürlich vielfältig weiterführen. Bilder vom neuen Auto, vom eigenen Heim/ der Wohnung. Man möchte sich so präsentieren, dass man anderen gefällt, Stufen im sozialen Ansehen höher steigen.

    Gleichsam ist auch die pseudo-professionelle Photographie zu verstehen. Ich habe dazu gestern auf einem Bild eines users hier einen interessanten Kommentar dazu gelesen. Der lautete in ungefähr: Nehme ein schlechtes Bild, bearbeite es als Sepia und schreib etwas in einer gewissen Schriftform darauf und es wird toll. Ich will dabei natürlich in keiner Weise das Talent einer weniger Menschen übergehen. Allerdings macht es das Phänomen der Masse schwierig zu unterscheiden.

    Ergo:

    Photographie macht uns heute mehr öffentlich als früher und gibt uns bei Bestätigung ein gutes Gefühl. Früher war es beispielsweise das Urlaubsziel selbst, mit dem um Anerkennung geworben wurde. Heute sind es die Fotos davon.

    Davon abgesehen ist einigen Beiträgen vor mir natürlich auch Gehalt zuzurechnen. I.S. von Verbilligung der Entwicklung und der Digitalisierung, welche die Massenphotographie allen zugänglich machte.
     

    11.07.2012, 11:12 von srsly_improvable
    • 0

      Wenn es nicht fotografiert wurde, hat es nicht stattgefunden.

      11.07.2012, 11:19 von sailor
    • 0

      Ironie, aber in dem Zusammenhang richtig.

      11.07.2012, 11:20 von srsly_improvable
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