EndlichAmLeben 30.11.-0001, 00:00 Uhr 44 55

Brief ans verschwundene Ich

Ich weiß nicht so recht, wie ich dich erreichen kann - denn ich weiß nicht, wo du bist.

Liebes verschwundene Ich,


ich weiß nicht so recht, wie ich dich erreichen kann - denn ich weiß nicht, wo du bist.

Du musst mir glauben: Ich habe dich gesucht und noch habe ich nicht aufgegeben. Denn du fehlst mir, im wahrsten Sinne des Wortes. Seitdem ich dich verloren habe, fühlt sich mein Leben seltsam platt an, leer, schlaff. Mein Kopf in einer Wolke. Ein einziger Witz. 

Ohne Zweifel, ich lebe. Mein Herz schlägt und auch ansonsten erfreut sich mein Körper bester Gesundheit. Doch leider scheint er völlig vergebens so prächtig zu funktionieren. Denn es ist niemand in mir, der sich daran erfreuen könnte. Du hast dich nämlich versteckt. Ziemlich gut sogar. 

Ohne dich ist es mir nicht möglich, wie ein Mensch zu fühlen und zu leben. Alles erscheint mir überschattet, dumpf, in Watte gepackt. Und an deiner statt scheint sich etwas anderes in mir eingenistet zu haben. Etwas, dass ich nicht mal beschreiben kann.

Zweifellos ist es ein Teil von mir, von dir, von uns - denn sonst wäre es nicht da. Aber es ängstigt mich zu Tode! Es ist selbstzerstörerisch, nur schwer zu kontrollieren, alle Aufmerksamkeit fordernd - nicht immer, aber stets zuverlässig wiederkehrend. Ich zerstöre mich selbst.

Doch wenn du zu mir zurückkommst - worum ich dich inständig bitte -, musst du damit rechnen, dass diese beklemmende Seite bleiben wird. Sie wird sich nie wieder ganz verdrängen lassen. Und das will ich auch nicht. Denn so sehr ich sie hasse, so sehr ist sie auch ein Teil von mir. Die Wahrheit ist: Sie sorgt für die Verrücktheiten, Absurditäten, Sinnlosigkeiten, an die wir uns gemeinsam in 10, 20, 30 Jahren mit einem Schmunzeln erinnern können. Sie passt darauf auf, dass ich nicht irgendwann das Gefühl habe, etwas verpasst zu haben. Ich brauche sie für ein zufriedenes Leben. Paradox, oder?

Doch sie ist auch unberechenbar, kaum zu kontrollieren. Lass mich nicht allein mit der Beklemmung. Also bitte komm - komm wieder zurück. Sonst bin ich nicht vollständig. Ich werde dich wiederfinden. Doch wo?

Bei den Männern, beim Alkohol, beim Feiern, beim Ritzen warst du nicht. Du hast dich immer mal gezeigt, dein warmes, weiches, zufriedenes Wesen. Aber so kurz du dich zeigtest, so schnell zogst du dich auch wieder zurück. Und hast nichts Weiter hinterlassen als stechenden Abschiedsschmerz. Aber ich gebe nicht auf. Irgendwann sind wir wieder komplett, irgendwann finde ich dich und du kommst zu mir zurück. Denk' drüber nach!

Deine EndlichAmLeben

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44 Antworten

Kommentare

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  • 3

    Es war schön, den Text zu lesen. Ich denke Beschriebenes ist eine mehr oder minder normale Auswirkung der ständigen Veränderung, die man als junger Mensch durchmacht. Die einen kommen gut damit zurecht, andere nicht. Jene anderen verlieren sich irgendwo und dann beginnt die Suche. Aber seit wann findet man schon etwas im Moment des Suchens?

    03.02.2014, 19:59 von moje.bi
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  • 0

    In der Überschrift fehlt ein s bei verschwundenes. Der Text gefällt mir sehr gut. Die Erkenntnis, dass alle unsere Abgründe zu uns gehören, ist heilsam.

    27.01.2014, 20:42 von pyromantik
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    Super gefühlvoll und die Suche als grundlegendes Thema des Lebens... Das erfasst jeden irgendwo.

    27.01.2014, 15:44 von Josho1
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  • 0

    ich finds eine schöne idee, aber leider geht die Form ein wenig verloren und somit die Bildhaftigkeit.
    Der letzte abschnitt scheint völlig entfremdet von dem ersten Abschnitt.
    Trotz alledem kann man ertasten was du meinst und es ist eine wirklich schöne Idee

    26.01.2014, 23:24 von gluecksinsel
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  • 0

    Ich muss einigen hier zustimmen. Der Text handelt nicht nur von der Suche, er ist auch eine. Man sucht den Faden - in meinem Fall vergeblich, leider...
    Dennoch versteht man die Thematik, das Problem. Also kein Labyrinth, eher wie ein Sudoku...

    26.01.2014, 17:04 von DerWesir
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  • 4

    voll schön.bzw traurig.aber du hast für etwas sehr komplexes worte gefunden, die jeder verstehen kann.


    und diese ständigen neider und möchte-gern reich-ranickis in den kommentaren gehen mir mehr und mehr auf den senkel....

    25.01.2014, 00:03 von Julskiii
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    • 0

      :) sachlich und konstruktiv ist doch wunderbar. die meinte ich auch sicher nicht.

      28.01.2014, 19:51 von Julskiii
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    • 1

      zum thema neid: guck mal ein bisschen weiter unten...

      ich beziehe mich auch nicht ausschließlich auf diesen artikel, bzw. dessen kommentare. ich hatte nur in letzter zeit oft das gefühl, das einige hier, geschützt durch die anonymität des Internets, ganz schön "drauf hauen" und ich mich des öfteren frage "was hat der autor/die autorin jetzt konkret davon, bzw. was willst du ihr oder ihm sagen? wenn man einen schreibstil zum bsp nicht mag, zwingt einen ja niemand weitere artikel zu lesen. neon.de sollte das bleiben was es ist. eine plattform für alle die gerne schreiben und/oder lesen. und natürlich setzt man sich damit einer öffentlichen kritik aus. doch auch wenn ich meinungsfreiheit liebe- man muss doch nicht immer überall seinen bösartigen senf dazu geben....

      28.01.2014, 20:11 von Julskiii
    • 0

      und sorry für die rechtschreibfehler, war ein langer tag ;-)

      28.01.2014, 20:13 von Julskiii
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    • 1

      sach ich doch... total verschwurbelt

      24.01.2014, 14:16 von Tanea
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  • 0

    Sehr, sehr, sehr verwunderlich diese NEON....
    Da gibt es ein Mitglied, was ganz neu auf dieser Seite ist (sein soll) und landet sofort mit seinem Text auf der Startseite. (lange aktive Mitglieder haben das noch nie geschafft)
    Als Vowort.

    Zum Text:
    Wenn ich denn wüsste wie alt jenes Mitglied wirklich ist, würde ich mich wagen den Begriff Neurosen zu verwenden.
    Eine 16 jährige Schülerin kennt diesen Begriff wahrscheinlich nicht.
    Eine Ü20 könnte diese Begriff kennen und schreibt dann einen neontypischen Text, der es dann - warum auch immer - auf die Startseite schafft, weil s halt genau das Nivea(u) von NEON trifft.
    Auch noch irgendwie ok.
    Wenn dieser Text von einer U20 stammt, die sich grad mal selbst mit sich beschäftigt und dann dies hier schreibt, ist er gut.

    Aber - und damit schließ ich den Kreis - es gibt jene Merkwürdigkeit, die ich im Vorwort ansprach, die mich stutzig macht.
    Und deswegen dieser Kommentar.

    Wichtige Begriff: Neurose, Fremdbild/Selbstbild, Merküwrdigkeit, NEON, Männer, Alkohol, RItzen....

    24.01.2014, 11:29 von Filousoph
    • 6

      Hier habe ich eine Verbildlichung des von dir oben geschlossenen Kreises gefunden.

      24.01.2014, 11:38 von quatzat
    • 0

      der Link funzt bei mir nich... wahrscheinlich liegts am Niedlichkeitsfilter oder so...

      24.01.2014, 14:16 von Tanea
    • 0

      1.hast du psychologie studiert?

      2.warum bist du so neidisch?

      25.01.2014, 00:49 von Julskiii
    • 0

      1. hast du gelesen was ich ZUM TEXT geschrieben hab?

      2. du hast nix gecheckt - bzw. du verstehst das Wort merkwürdig nicht
      3. Kommentare gibt man ZUM TEXT ab - und nicht zur Selbstdarstellung 

      25.01.2014, 08:02 von Filousoph
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    • 0

      filousoph, komm mal wieder runter. ist ja markus-lanz-niveau....

      25.01.2014, 13:27 von Julskiii
    • 0

      wer ist markus lanz???? der beweis, dass fernsehen deine seele gefickt hat?! ich lese, ich habe kein tv-gerät....aber bitte tu mir einen gefallen: akzeptier, dass du noch sehr jung bist und bleib bei deinen EMOTIONEN, wo ich von Fakten spreche....
      und zausel queen: ich bezieh mich auf den kommentar eines kommentars, in dem ich dies sage. und genau jenes  blablba unter einem text entsteht NACH meinem kommentar - und beweist hiermit, dass keiner von euch das liest, was ich zum text geschrieben hab: wenn die Merkwürdigkeit nicht wäre, dann ist der text GUT....aber lesen is bekanntlich glückssache, wenn man auf facebook seine freunde sammelt...

      25.01.2014, 16:08 von Filousoph
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    • 2

      Humba!

      25.01.2014, 16:25 von quatzat
    • 5

      Ich frage mich, WER hier grade emotional durchdreht. Was sollen diese Boshaftigkeiten und Unterstellungen?Du wirkst total frustriert.


      Wenn du so viel liest, dürfte dir dieses Zitat von Adorno bekannt sein:
      "Wer hart gegen sich ist, der erkauft sich das Recht hart auch gegen andere zu sein und rächt sich für den Schmerz, dessen Regungen er nicht zeigen durfte."

      Ich glaub, hier hat keiner Bock auf deine Rache.

      ps: Bin 26. Na, hat dich das jetzt "gefickt"?

      25.01.2014, 20:18 von Julskiii
    • 4

      Na, hier ist ja was los! Aber interessant, ein Verschwörungstheoretiker! Im Ernst: Warum der Text auf der Titelseite ist? Weiß ich doch nicht, bin ja erst seit ein paar Tagen dabei. ;) Um dem Rätseln von filousoph ein Ende zu bereiten: Ich bin 30 und habe den Text vor 7 Jahren in mein Tagebuch geschrieben. Jenes Tagebuch habe ich vor einigen Tagen noch einmal hervorgeholt, ein Stück gelesen und die Papiertonne damit gefüttert. Wie sagt meine Mutti immer so schön? Man muss auch mal loslassen können. Allerdings kam mir spontan die Frage in den Sinn, was passiert, wenn ich einen Teil davon öffentlich mache. Also reine Neugierde, keine Verschwörung. Aber was filousoph auch immer vom Text halten mag (und das ist ja nun jedem freigestellt), eine Sache fand ich bedauernswert: Dass Probleme wie Depressionen, Neurosen, Autoaggression und Alkoholmissbrauch auf ein simples Klischee - höchstens noch dazu geeignet, einer Zeitschrift ein Profil zu verpassen- reduziert werden. Aber das tun vermutlich auch nur Leute, die Betroffenen sagen: "Reiß dich mal zusammen und stell dich nicht so an!" Das finde ich nicht nur ignorant, sondern auch ziemlich "nivea(u)los".

      25.01.2014, 23:08 von EndlichAmLeben
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  • 0

    Ich finde es schwierig, dem Text zu folgen. Also, was ich sagen will... ein "Ich" anzuschreiben und sich gleichzeitg als "Ich" zu interpretieren ist sehr schwer textlich rund darzustellen.

    Vielleicht ist das auch ein Teil der Lösung.... nicht entweder oder "Ich" zu sehen, sondern, alles als "Teile vom Ich" zu begreifen.

    24.01.2014, 10:48 von Tanea
    • 0

      Achso... und NIcs, die so sehr gut zu nem Text passen sind mir auch irgendwie suspekt... was, wenn sich die befindlichkeit mal ändern sollte? Neues Profil?1

      24.01.2014, 14:18 von Tanea
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  • 1

    EndlichamLeben ist gut.
    Diese beklemmende Seite hat wohl jeder mehr oder weniger ausgeprägt in sich. Man muß sie vielleicht nur zu bändigen wissen. Oder auch nicht.
    EndlichamLeben ist gut.

    24.01.2014, 10:33 von smillalotte
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