cba.321 30.11.-0001, 00:00 Uhr 37 25

Borderline. Monolog.

Du bist gewillt, dich zu zerstören und reißt mich mit in deinen Abgrund.

Höre auf zu hoffen,
Du machst mich krank.
Du machst mich kaputt.
Höre auf, immer und immer wieder zu vertrauen.
Du weißt genau, es ist nicht richtig.
Du weißt genau, warum du das tust.
Du bist so naiv, so selbstlos.

Du stolperst auf dich zu, in dich hinein.
Du verlierst dich immer wieder, immer mehr
in deinem Wahn.
Wie lange schon ist dir egal.
Dein Zeitgefühl ist dir in einem deiner endlosen Gänge abhanden gekommen. Und du wirst einen Teufel tun, danach zu suchen.

Stillstand.
Dein Zerbrechen. Deine erbärmliche Sichereit.

Es war ein seltsames Gefühl, nicht wahr?
Zu erwachen, aufzustehen und dich nicht mehr von der Stelle, sondern nur noch innerhalb deiner selbst zu bewegen.
Plötzlich warst du gefangen in deiner eigenen Gestalt und gehst seit dem bei jedem Schritt ein Stück weiter verloren.
Als dir klar wurde, dass du den Ausgang sowieso niemals finden würdest, hast du dich im Stillstand eingerichtet.

Wo gehörst du hin?
Wo kommst du her?
Ist es das, was dir wichtig ist?
Weißt du überhaupt, wonach du suchst?

Du suchst die Nähe, weil du es hasst, allein zu sein.
Du stößt alles von dir, weil das Wort "gemeinsam" nicht mehr in deinem Wortschatz zu finden ist.
Du trinkst zu viel und denkst zu wenig.
Du suchst nach dieser Tür, die sich dir öffnet.
Du suchst nach der reichenden Hand, die du zu ergreifen so gewollt warst. Doch tust du nichts anderes, als um dich zu schlagen und alle Hände von dir zu weisen.
Du bist wie ein kleines Kind, welches du damals nicht sein durftest.
Höre auf, zurückzublicken. Sieh` gefälligst nach vorn.
Greife nach der Veränderung, tu es endlich!
Höre auf, deinem Selbstzerstörungstrieb zu verfallen.
Reiß dich endlich zusammen und mach dir das Leben nicht so schwer.
Du bist die, die sich die Steine in den Weg legt. Aber das weißt du natürlich. Du weißt, dass du immer schon ein schlechtes Kind warst.
Du weißt, dass so vieles nicht der Wahrheit entspricht.
Aber es muss deine Wahrheit sein, um damit Leben zu können.
Doch du machst es mir unerträglich, mit dir zu leben.
Ich will dich nicht aufgeben. Du bist alles, was ich noch habe.
Mach` es mir bitte nicht mehr so schwer.
Hilft mir doch, ein Teil deines Lebens zu sein.

Lasse zu, was da ist.
So viel Wut, so viel Trauer. Ewige Verzweiflung. Höre auf, nach den falschen Gründen zu suchen. Verlange nicht von dir, deine Schwächen zu verstecken.
Diese machen dich nicht zu einem schlechten Menschen.
Aber womöglich ist das dein Problem, mh?

Verbiete es dir nicht, glücklich zu sein.
Du musst nicht existieren. Du darfst leben, wenn du es dir erlaubst.


Tags: Borderline, Selbsthass, Hoffnung, Verzweiflung, Depression
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37 Antworten

Kommentare

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  • 1

    Ich versteh das auch nicht. Wenn sich die psychisch Kranken einfach alle mal ein wenig zusammenreißen würden, könnten wir die psychischen Kliniken und die Psychotherapeuten sparen. Das würde dem Haushalt der BRD total gut tun!

    28.01.2015, 16:28 von quatzat
    • 3

      sicher ist die (mental)dorfläufig blasierte Haltung, jemand müsse sich nur zusammenreißen, um eine psychische Erkrankung/Beeinträchtigung oder gar eine sog. Persönlichkeitsstörung in den Griff zu kriegen dämlich. all die Weil sie von jenen weder fundiert erkannt, geschweige denn verstanden wird. 

      Der Mensch kann nicht den "Schaden", bzw. ein Trauma zusammenreißen. Aber fast jeder (erwachsene) Mensch kann, unabhängig davon wie er beeinträchtigt ist, sich zur Bereitschaft entschließen, sich selbst zu hinterfragen, bspw. zu erkennen, welches Verhalten Menschen schädigt oder verletzt, insbesondere jene, von denen er sich Akzeptanz, Anerkennung bis hin zu Liebe wünscht.

      Angst bzw. Aggression ist ein Reflex, wäre ihm der Mensch so ausgeliefert wie Tiere, wären wir keine Menschen geworden.

      30.01.2015, 15:35 von schauby
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  • 1

    Wo gehörst du hin?
    Wo kommst du her?
    Ist es das, was dir wichtig ist?
    Weißt du überhaupt, wonach du suchst?

    Genau das sind die Kernfragen dieser Problematik. Genau diese machen es so schwer.

     

    Gut geschrieben!

     

    28.01.2015, 15:28 von whitepearl
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  • 0

    Ups. In Teilen des "Du" erkenn ich mich selbst wieder. Starker Text.

    26.09.2013, 19:56 von Pflomp
    • 0

      vielen Dank.

      26.09.2013, 19:59 von cba.321
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  • 4

    Menschen mit seelischen Defiziten suchen sich zur Lösung und Aufarbeitung ihrer Konflikte immer Menschen mit ähnlichen Kernproblemen.
    Das geschieht unbewusst und ist kaum steuerbar.

    Der Kernkonflikt der Bewältigungspartner ist in der Verbündungsphase phasisch verschoben. Man stelle sich eine Grunderkrankung in verschiedenen Stadien vor. Lösung innerer Konflikte funktioniert grundsätzlich nur über Auslagerung bzw. Spiegelung im/durch den Bewältigungspartner.

    Auf einer unterbewussten Ebene und meist mithilfe eines gemeinsamen Präsentationskonfliktes sind die Partner nun stetig bemüht, ein duales wie duellierendes Gleichgewicht aus Verständnis/Assimilation/Verbündung und Ablehnung/Kontradiktion/Abspaltung zu verhandeln.
    Positionen werden getauscht und dem Gegenüber auf diese Weise wartenverschoben erlebbar gemacht.
    Dieser Prozess geht zwangsläufig mit starken Gefühlen der Ablehnung einher. Der in das Gegenüber projizierte Konflikt wird natürlicherweise ad hominem in- und exkludiert, was zur Folge hat, dass es in den verschiedenen Ablaufphasen zu schweren Zerrüttungen zwischen den Partnern kommt.

    Eine scharfe Kritik und Verurteilung des anderen ist - simplifiziert betrachtet - nichts anderes als ausgelagerte Selbstkritik und -verurteilung.
    Je gravierender und damit hilfloser einer der Partner dem Mutterkonflikt ausgeliefert ist und je hilfloser er somit den Reflexionspartner erlebt, desto vehementer und harscher werden seine Appelle an diesen. Eigene Fehlbarkeiten und vermeintliche Abwehrmechanismen werden überstellt.

    Der Text zeigt wunderbar beispielhaft auf, wie das in der Regel vonstatten geht. Im Zentrum dieser Bewältigungsphase steht gern der an den Partner gerichtete Vorwurf, unfähig und bisweilen sogar ungewillt zu sein, Hilfe anzunehmen. Analytisches wird vermischt mit Vorwürfen, Verboten und Generalappellen, die, sofern offen geäußert, im Gegenüber eine zuerst personell und nachgehend übergeordnet intendierte Abwehrreaktion provozieren.

    Je nach Fortgeschrittenheitsstatus der Ursprungsthemenbewältigung und Partnerstruktur wird in dieser Phase nun entweder eine erneute Abspaltung des Konflikts (ebenenübergreifende Negation) oder eine beidseitige Konfliktauslagerung eingeleitet. Es kommt also entweder zu einer Trennung von Partner und Konflikt oder zu einer Hinwendung zu Partner und Konflikt.

    Passiert Letzteres, spricht man von liebesintendierter Transzendenz, an deren Ende die Auflösung des Mutterkomplexes steht.
    Durch Abspaltung hingegen entsteht eine (so erlebte) Verstärkung des Mangels, ein erneutes Versprengen des Konflikts und letztlich eine Intensivierung des Leids und der Verstrickung darin.

    Unglücklicherweise, doch nicht weniger trostreich, ist der Prozess an dieser Sollbruchstelle kaum willentlich steuerbar. Die Entscheidung, ob jemand bereit ist, sich gegen die Linderung und damit in die Heilung auszurichten, hat er nämlich vielfach bereits getroffen, bevor sie ihm unterbreitet wurde.

    Nun ja, Gott ist und bleibt ein spaßvögeliger Dandy.

    03.09.2013, 13:06 von JackBlack
    • 0

      Dein Kommentar hat das Layout durcheinander gebracht.

      03.09.2013, 14:17 von EliasRafael
    • 0

      Nö, das war der Bewältigungskommentar am anderen Ende von jetzt.de.
      Völlig durchschaubare, aber funktionale Strategie: Ablenkung vom Kernthema durch Platzierung eines themenkonträren Aufhängers, in Flachkreisen besser bekannt unter dem Begriff "Kind Bomb".

      Aber vielleicht kommt nun Misi zurück.

      03.09.2013, 14:36 von JackBlack
    • 0

      Bestimmt, jetzt wo das Layout wieder für interne Konfikte sorgt.

      03.09.2013, 14:44 von EliasRafael
    • 0

      "Der Text zeigt wunderbar beispielhaft auf, wie das in der Regel vonstatten geht. Im Zentrum dieser Bewältigungsphase steht gern der an den Partner gerichtete Vorwurf, unfähig und bisweilen sogar ungewillt zu sein, Hilfe anzunehmen."


      Recht hast du wohl, ich widerspreche an dieser Stelle nicht.

      Dennoch geht es - für mich - in diesem Text nicht um eine Beziehung. Nicht um eine Partnerschaft, eine Freundschaft oder Familie.

      Es geht um das eigene Gehirn. Und den Spiegel, in welchen dieses "blickt".

      Gerade in Beziehungen wird von dem (weniger kranken) Partner irgendwann vergessen, dass er nicht der/die Einzige ist, die mit dem betroffenen Menschen zu "kämpfen" hat.

      Es ist die eigene Hilflosigkeit, die hilflos macht.

      03.09.2013, 20:42 von cba.321
    • 0

      Sag ich doch.

      03.09.2013, 21:18 von JackBlack
    • 0

      So you said.

      26.09.2013, 20:37 von EliasRafael
    • 0

      @ Jack Black
      fachlich gut gebündelt, hab ich ja damals schon erwähnt.

      sach, wo sind die "defizitsfreien Menschen", abgesehen vom Idealselbst, das das Realselbst nich akzeptiert ? 

      29.01.2015, 02:59 von schauby
    • 0

      In einer Holzkiste, etwa zwei Meter unter der Erde.

      01.02.2015, 13:57 von JackBlack
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  • 1

    Ich liebe deinen Text und glaube, ihn verstehen zu können. Grandios, ganz im Ernst.

    03.09.2013, 10:44 von Schmuistmeinname
    • 0

      wie verstehst du den Text (für dich)?

      Ich bin neugierig, welche Worte angekommen und vor allem - wie.

      Und, merci!

      03.09.2013, 20:43 von cba.321
    • 0

      Ich kann zumindest sagen, welche Dinge für mich zentral sind und was mir so echt erscheint. Die Leere und das ständige wie du sagst "sich in seiner selbst zu bewegen".

      Man kommt nicht voran und fühlt sich auch so. Man existiert nicht, ist gar nicht da. Und hat keine Daseinsberechtigung.

      Dass man sich immer wieder selbst das Mantra der Hoffnungslosigkeit, des Endes und der Verzweiflung vorsagt und glaubt. Man weiß all das von der Selbtszerstörung und davon, dass man sich selbst sabotiert, denn man muss sich unter Kontrolle halten.

      Doch ändern kann man es nicht. Es ist, als ob man sich immer im Kreis drehen und dabei rennen würde. Man hofft immer anzukommen.

      Und das ist für mich das, was du letztendlich schreibst: Der Ausbruch. Dass man versucht, sich selbst ein kleines Türchen zu öffnen, das Mantra in eine positive, wenn auch leise Stimme im Hinterkopf zu verwandeln und vielleicht sogar einen Schritt nach vorn und nicht zurückzugehen.

      Das ist das, was ich aus deinem Text mitgenommen habe :)

      03.09.2013, 22:44 von Schmuistmeinname
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  • 0

    Ich finde dieses Thema schwierig in Worte zu fassen, aber ich finde, das ist dir sehr gut gelungen.
    Zudem finde ich es mutig es anzusprechen, weil es ja leider irgendwo immernoch ein Thema ist, das missverstanden, gar nicht verstanden oder totgeschwiegen wird.

    02.11.2011, 10:59 von independentdreamer
    • 0

      und ich habe viel zu oft "Ich finde" gesagt.... schrecklich... :)

      02.11.2011, 11:01 von independentdreamer
    • 0

      "ich finde", dem ist nicht so;) herzlichen dank nochmal.
      und ja, leider hast du recht.
      auf der einen seite wird es überwiegend missverstanden, man kann mit diesem begriff kaum etwas anfangen und dennoch -
      es scheint zum trend zu werden. was für die menschen, die wirklich damit zu kämpfen haben, niederschmetternd ist.

      07.11.2011, 16:50 von cba.321
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  • 1

    gefällt mir :) Die ganze Situation wurde von dir sehr gut erfasst und hier dargestellt!

    22.10.2011, 21:19 von sarex92
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  • 0

    Problem wurde gut erkannt von Dir,man kann aber auch als Partner etwas tun...Beziehungsarbeit der anderen Art.Natürlich nur wenn es zugelassen und gewollt ist-schwer ist es allemal.Alles Gute.

    22.10.2011, 21:08 von thedarkelf
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
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