weAreAnimals 20.06.2011, 22:38 Uhr 9 11

Bohnenmädchen

Ich nenne sie das Bohnenmädchen, denn das ist was ich sehe, das ist, was sie nun ist.

Bohnen. Kleine bunte Bohnen. Überall lagen sie auf dem Boden.
Nicht weit entfernt von einer kreisrunden Ansammlung dessen saß ein Mädchen im Schneidersitz.
Sie hatte einen Eimer voll Jelly Beans und sie legte sie auf den Asphalt und aß nur die rosafarbenen.

"Sie tut es also immer noch?"
Ihre Mutter nickte stumm. Eine lange Pause trat ein, in der nur ab und an die scharfen Luftzüge des Mädchens zu vernehmen waren. Jedes Mal wenn sie eine rosa Bohne in der Hand hatte.

Ihre Mutter, weiter Elsbeth, denn so hieß die gute Frau, die das Bohnenmädchen großzog, zog an ihrer Zigarette, dass ich meinte, sie wolle sie in einem Zug verschwinden lassen. Mitsamt dem Filter.
Sie tat es nicht. Stattdessen sprach sie, den Blick auf ihre Tochter gerichtet.
"Das sie von dem ganzen Süßzeug nicht aufgegangen ist wie ein Windbeutel, wundert mich immer noch. Für jemanden, der fast nur rosa Bohnen frisst, schaut sie erstaunlich gut aus. Darauf bin ich stolz. Ich kann sie manchmal ansehen und mir wegdenken, dass sie verrückt ist.? Mit einem zweiten Zug vernichtete sie die Zigarette.

Ich wandte meinen Blick dem Bohnenmädchen zu. Ihr Eimer Jelly Beans war fast leer, ebenso wie ihr Blick. Doch jedes Mal wenn sie auf ihre Lieblingssorte traf, war sie kurz aufgeregt. Kurz da. Dann wieder fort.

Elsbeth schüttelte den Kopf. "Ich hätte nie geglaubt, dass ich eines Tages so enden würde." Traurigkeit lag in ihrem Blick. Ich drehte mich zu ihr. "Du?", fragte ich ungläubig. "Was ist mit ihr?" Ich zeigt nicht auf das Bohnenmädchen, denn wir alle wissen, dass ich sie meinte, genauso wie es Elsbeth wusste. Sie schüttelte erst nur den Kopf, dann seufzte sie und schaute mich an, als sei ich unreif und unwissend. "Sie kennt doch nichts anderes. Sie ist so glücklich wie sie sein kann, auch wenn das nicht viel ist." Sie schmiss ihrer Tochter eine rosa Bohne zu, die sie in ihrer Tasche hervorgekramt hatte. Das Bohnenmädchen folgte der Bohne gierig als sie an ihr vorbeirollte und stürzte sich dann auf sie."Ro-saaa!"
Ich wollte mich damit nicht zufrieden geben, doch ich wusste, dass ich es musste.

Die Hände an der Schürze abwischend erhob sich Mutter Elsbeth, die mit ihren 43 Jahren schon aussah wie ihre eigene Mutter. Sie schaute ihre Tochter an. Ihre einzige Tochter. Ihr ehemals ganzer Stolz von nunmehr siebzehn Jahren saß dort auf dem Boden und bemerkte-

"Rosa? WO? Es ist weg!"
Sie schaute hoch, zum ersten Mal in unsere Richtung, knapp gemessen jedoch zwei Meter an ihrer Mutter vorbei und trotz der Leere ihrer Augen waren die Brauen wütend verzogen. Ein gutturaler Schrei entsprang ihrer Kehle und ich hielt mich an der Lehne des Stuhles fest. Das Bohnenmädchen machte mir Angst.

Während sich die alte Elsbeth einen Weg durch die Bohnen suchte kramte sie in ihren Schürzentaschen bunte Bohnen hervor. "Rosa. Rosa.", sagte sie und schmiss ihrer Tochter Bohnen in den Schoß.
Die Junge kümmerte es nicht, dass ihre Mutter herzlos mit ihr umsprang. Es kümmerte sie nur eins. Ihre Bohnen. Sie lag auf dem Boden und kümmerte sich nicht um die Welt um sie herum. Sie lag auf ihren bunten Bohnen während sie zwei rosane in der Hand hielt. Plötzlich lachte sie laut. "Rosa! Rosa! Da bist du!", und aß sie auf.

Ich nenne sie das Bohnenmädchen, denn das ist was ich sehe, das ist was sie ist. Seit mehr Jahren, als sie zählen kann, ist sie nun das Mädchen mit den Bohnen. Ihre Haare sind blond und ihre Augen sind grün, aber das sieht keiner. Keiner versteht, was mit Rosa passiert ist, denn als sie vor vielen Jahren verloren ging, blieb nur noch das übrig, was dort auf dem Boden sitzt.

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9 Antworten

Kommentare

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  • 0

    Ist das eine wahre Geschichte? ?




    24.06.2011, 00:58 von whippoorwill
    • 0

      @whippoorwill nein,nich wirklich.

      25.06.2011, 00:04 von weAreAnimals
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  • 0

    Gefällt mir sehr. Nur der Name Elsbeth- da denke ich nicht an eine 43 jährige

    21.06.2011, 20:54 von Onkel_Fester
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  • 0

    Toll! Fantastische Perspektive! Hat mich sehr berührt, schöner Stil!






    21.06.2011, 14:37 von Hermine-bei-neon
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  • Kommentar eines gelöschten Benutzers
  • 0

    komisch, aber komisch gut! Trotz Schleichwerbung für die bunten Bohnen.
    Auch gut:Ihre Mutter, weiter Elsbeth, denn so hieß die gute Frau, die das Bohnenmädchen großzog, zog an ihrer Zigarette, dass ich meinte, sie wolle sie in einem Zug verschwinden lassen
    das Aufziehen des Kindes direkt vor dem Ziehen der Zigarette zu nennen ist fabelhaft- gefällt mir ;)

    21.06.2011, 10:23 von some_kind_of_nature
    • 0

      @some_kind_of_nature danke!
      aber ich muss dem vorwurf der schleichwerbung widersprechen:
      Jelly BEans ist die bezeichnung für diese süßigkeit. die heißen so. ich erwähne keinen markennamen.haha! :D

      21.06.2011, 12:01 von weAreAnimals
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  • 0

    Fand es fürchterlich anstrengend zu lesen. Ein paar weniger Schachtelsätze würden helfen denk ich.

    21.06.2011, 10:23 von Pinzepu
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  • 0

    Beklemmend. Gefällt mir sehr.

    20.06.2011, 23:57 von Fieseise
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  • 0

    Der Ansatz ist gut...

    20.06.2011, 23:13 von topfbluemchen
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  • 0

    oha. krass. das hat was...

    20.06.2011, 23:04 von MyaBeer
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