Liljuja 22.11.2012, 16:11 Uhr 37 27

Angst. Dein Feind und Begleiter.

Ein Kampf gegen die Angst ist zwecklos. Sie ist dein natürlicher Feind. Sie kann dich schützen. Sie kann deine Lebensfreude stehlen.




2011. Die Angst hat mich gefunden und nicht mehr verlassen.


Ich saß in einem großen Schulungsraum. Mit mir 100 andere Studenten. Plötzlich verspürte ich  Angst. Angst,die ich sonst höchstens fühle, wenn ich einen Horrorfilme gucke. Aber diese Angst war lebendig. Sie saß in mir und ich konnte nur eines-weglaufen!!! Es ist schwer in Worte zu fassen. Das Gefühl ohnmächtig zu werden. Vor fremden Menschen umzukippen und sich peinlich zu machen. 

Sich peinlich zu machen, war nie ein Problem für mich. Ich bin eher ein extrovertierter Mensch, als einer, der schüchtern durch die Welt spaziert. Doch das hat sich 2011 geändert. Seit dem Vorfall im Seminarraum hatte ich täglich das Gefühl, ich würde jeden Augenblick  umkippen. War das vielleicht eine Krankheit? Hatte ich zu wenig gegessen? Die ersten Wochen war ich überzeugt, dass ich zu ungesund lebe, vielleicht eine Herz-Kreislauf Krankheit hätte. Die Cola als Kreislaufretter wurde  mein ständiger Begleiter, so wie die Angst. Das Rauchen gewöhnte ich mir sofort ab. Ich war der Überzeugung, dass ich sofort umkippe, wenn ich eine Zigarette rauche. Ich kannte nur eine Alternative :Entweder still und leise durch die Welt spazieren zu gehen oder rauchen und umkippen-sich peinlich zu machen. Das Angstgefühl kam täglich.

Ärzte sagten mir, ich sei gesund. Cola konnte ich nicht mehr sehen. 

Die Angstzustände gingen nicht weg. Sie kamen häufiger. Nicht nur einmal bin ich aus öffentlichen Verkehrsmitteln geflüchtet, da ich das Gefühl hatte, umzukippen. In Restaurants ging ich nicht mehr, Bars wurden eine Tabuzone, Kinobesuche ein no-go !Selbst in Vorlesungen saß ich in der hintersten Reihe am Rand, um den schnellsten Fluchtweg zu sichern. Ich wollte die Starke bleiben. Dass ich verrückt bin, davon war ich immer mehr überzeugt. Mit mir stimmte etwas nicht. Ich wurde zum Meister der Ausreden , um am Wochenende nicht weggehen zu müssen. Zwei Menschen konnte ich mein Problem anvertrauen und über meine Gefühle sprechen. Es war schwer die Worte zu finden, um die Gefühle und Ängste zu beschreiben, die mich begleiteten. Richtig verstehen kann man es nur, wenn man vielleicht selber davon betroffen ist. 


Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl allein zu sein. Ein Außenseiter ! Niemand kann dir helfen. Das Problem liegt schließlich bei dir selbst. Das waren meine Gedanken, die mich täglich begleiteten. Man fühlt sich wie ein Versager. Man ist schwach und machtlos. Die Angst ist dein Feind und man selbst ist nur noch eine Marionette. 

Meine Leistungen an der Uni ließen nach.Meine Hände zitterten, wenn ich Referate halten musste. Mein Selbstbewusstsein ließ  mich allein. Meine Lebensfreude schwand. 

Alles, was einem Menschen Freude macht, wurde für mich die reinste Tortur.

Nachts lag ich im Bett und dachte an mein altes ICH . Ich wollte wieder normal sein. Das Leben genießen. Eine Zigarette rauchen. Ein Weinchen trinken in einem Restaurant mit Freunden.


"Geh zum Psychater" sagte ich zu mir. Zweifel kam hoch :Wie sollte der mir helfen? Ich kann mit ihm reden und sonst?  Aber das Problem liegt in mir verborgen. Reden kann ich auch mit Freunden. Und auch die sagten stets, dass ich einfach nicht an die Angst denken darf.


Eines Tages suchte ich dann doch das Gespräch mit einem Fachmann. Geholfen hat es bestimmt.Resume: Es könnte der Leistungsdruck der Gesellschaft sein ,stark sein zu müssen. Erfolg zu haben. Der krankmachende Vergleich mit anderen - vermeintlich stärkeren - Menschen in der Umgebung. 


Heute weiß ich, dass man mit dieser Krankheit nicht alleine ist. Es geht mir heute wieder besser. Ich habe mich mit der Angst arrangiert.  Versucht sie zu verstehen und sie als Warnsignal zu sehen. Vielleicht wollte mir die Angst nur sagen, dass man sich selbst nicht zu ernst nehmen sollte. Das man schwach sein darf!! Dass es nicht peinlich ist,wenn man umkippt vor vielen Menschen. Sondern diejenigen sind peinlich, die einem nicht helfen. "Die Kunst ist, einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird." So schwer es ist, man sollte sich seinen Ängsten stellen und nicht weglaufen.Man sollte es nicht zulassen, dass uns unsere Lebensfreude gestohlen wird.


Eines hat mich die Angst gelehrt: Ich habe mich selbst besser kennengelernt . Ich habe  erkannt, die kleinen Dinge des Lebens zu schätzen.

Ist es nicht schön einen kleinen Zettel von seiner besten Freundin in der WG- Küche vorzufinden mit den Zeilen " Bin gleich wieder da! Dann trinken wir auf dem Balkon eine heiße Kakao ! Es gibt News :)"

 Nein, man ist nicht allein !


Eine Kommilitonin hat eine ähnliche Geschichte wie ich. Sie hat das erlebt, wovor ich immer Angst hatte. Sie hatte eine Panikattacke am Campus und ist zusammengebrochen. 


Als der Notarzt kam, war sie umgeben von Schaulustigen . Ich dachte, dass Studenten schlauer seien!


Für meine Kommilitonin und alle, die davon betroffen sind, ist dieser Artikel gewidmet. 












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37 Antworten

Kommentare

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    Ich kann dich verstehen. Nachdem ich gestern Morgen im Zugabteil bei meiner Sitznachbarin los geworden bin, "wie schlecht doch dort die Luft ist", musste ich anschließend doch aufstehen um in ein besser belüftetes Abteil zu wechseln, in dem weniger Menschen saßen.

    Meine Gedanken im vorherigen Abteil drehten sich genau wie bei dir um Atemnot und ihre Folge das Ohnmächtigwerden.

    19.12.2012, 19:45 von Tora
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    Bin eine Leidensgenossin und kann an dieser Stelle nur sagen: Die Angst wird dadurch "entwaffnet", indem man sich ihr tagtäglich stellt!

    2007 war meine Angststörung am schlimmsten. Mir ging es so wie dir. Ich habe alles gemieden, was mit Menschen und Öffentlichkeit zu tun hatte. Ständig auf der Suche nach einem Ausgang und dem bestmöglichen Fluchtweg. Irgendwann war ich sozial fast komplett isoliert.
    Aber ich bin aufgestanden und habe mir selbst gesagt, dass ich so nicht leben kann und will. Ich habe mir Hilfe gesucht und gelernt, mit der Angst umzugehen. Sie wird nie ganz weggehen, aber ich führe dennoch ein ganz normales Leben. Letztes Jahr bin ich sogar nach Australien geflogen. Ich hatte Megaschiss vor den insgesamt 25 Std. Flugzeit ans andere Ende der Welt. ABER: Ich habe es geschafft, gemacht, geliebt und bin unheimlich stolz auf mich. Die Angst kann mich nicht unterkriegen. Und das ist, glaube ich, das wichtigste: Du musst dein Leben leben.

    Heute sind meine Angst und ich Freunde geworden. Ich achte auf sie wenn sie kommt und versuche zu verstehen, was sie mir sagen will. Wenn du es einmal schaffst, sie an der Hand zu nehmen, ist sie nicht mehr dein Feind!

    Alles Gute!!!

    25.11.2012, 20:43 von LadyL
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    Wirklich ein Aufmacher. Ob der Psychologe die Lösung war oder nur eine Hilfe zum Weg, den man eigentlich schon in sich bewusst trägt lasse ich mal offen.

    Der Erwartungsdruck der Gesellschaft ist so stark wie die eigene Reflektion schwach ist, leider.

    Das wäre doch was für Günter Wallraff, vielleicht beschäftigt der mich dann steuerfrei.

    25.11.2012, 18:48 von herzvorkopf
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  • 2

    »Ich dachte, dass Studenten schlauer seien!«

    Wie kommst du denn auf das schmale Brett?

    25.11.2012, 18:10 von sailor
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    "Angst" ist schon ein saudämlicher Name für eine psychische Störung. So was wie "Phobie" träfe es viel besser. So hat der/die Leidende obendrein noch mit einem Nomen als Stempel zu kämpfen, der von seiner miesen Konnotation schon mal gar nicht geht.

    Ich als Außenstehender empfehle, Deine Angststörung "Phobie" zu nennen, wenn Du mit jemandem darüber redest. Da hebst Du Dich gleich aus dieser Unterlegenheitsgeschichte ein Stück raus.

    Für den aufschlussreichen Text war das Wort "Angst" aber voll i.O.

    25.11.2012, 15:44 von TilmannKleye
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      Im medizinischen Sprachgebrauch gibt es aber schon nen Unterschied, zwischen Angst(störung) und Phobie.


      26.11.2012, 09:05 von Tanea
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      Mein Beitrag hat sich auch eher an TK gerichtet.


      26.11.2012, 10:19 von Tanea
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      Lieber forst - Wunder gibt es immer wieder. Schön, nichts anti-mäßiges von Dir zu hören. Ehrlich.

      @Tanea: Trägt ja nicht jeder einen Zimbardo mit sich rum. Ich leide an "Angst" klingt schon a weng seltsam für jemanden, der sich auf dem Gebiet nicht gut auskennt und lieber schnell "stempelt", was in Großstädten sogar probates Mittel sein muss.

      Vielleicht eine weitere Empfehlung, die dem Patienten gar etwas nebulös-interessantes verleiht, wenn er so sagt:
      "Ich bin eine hochnervöse Person."
      Das schmückt doch schon fast ein bisschen!?, sagt der Optimist.

      26.11.2012, 11:30 von TilmannKleye
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      Und was ist, wenn ich als erster "zurückgespiegelt" habe? Klingt kindisch, aber mein neuerdings neuerliches Erscheinen und der darauf folgende Empfang auf den Seiten der Bertelsmann AG, wurde doch durchaus hier und da recht hämisch und mit nicht wenig Arglist aus so mancher Hecke heraus  kommentiert.

      26.11.2012, 17:55 von TilmannKleye
    • 0

      Aber Schwamm drüber.

      26.11.2012, 17:55 von TilmannKleye
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  • 1

    Wo die Angst ist, geht es lang. - Auch wenn der Weg oft steinig und unendlich erscheint, es lohnt sich! :)


    Sehr offen und mutig ausgesprochen!


    Alles Gute!! :)

    25.11.2012, 00:20 von XeNia79
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  • 0

    Gut auf den Punkt gebracht. Vor allem in dem Anfang konnte ich mich gut wiedererkennen, man denkt erst, es stimmt physisch was nicht und zieht sich furchtbar zum Psychologen zu gehen... Und das Vermissen des 'alten' Lebens...Aber man rappelt sich Schritt für Schritt wieder und es stimmt: Man bekommt einen anderen Blick auf die kleinen schönen Sachen im Leben.

    24.11.2012, 16:19 von Popsipil
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  • 1

    Hmm... Kann das alles aus eigener Erfahrung sehr, sehr gut nachvollziehen, aber irgendwie fehlt mir der Tiefgang im Text. Du schneidest vieles an, bringst es aber zum Ende... Dadurch geht viel verloren. Schade. 

    24.11.2012, 11:39 von Pusteblumenwiese
    • 0

      meinte natürlich: Du schneidest vieles an, bringst es aber NICHT zum Ende.

      24.11.2012, 11:40 von Pusteblumenwiese
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      Da hast du recht. Ich habe versucht nicht zu sehr ins Detail zu gehen, damit viele sich identifizieren können. Bei jedem Läufen die psychischen Prozesse anders ab. An die schlimmsten Momente mag ich mich vielleicht auch nicht zurückdenken..

      24.11.2012, 21:31 von Liljuja
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      Ich finde der Text brauch nicht so viel Tiefe. Das Wichtigste kommt rüber, viel mehr ging es Dir nach dem Schreiben gut oder? So.. "raus damit" mäßig.

      25.11.2012, 18:50 von herzvorkopf
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      Ich bin der Meinung, dass das Schreiben über Problem hilfreich ist. Also, ja es hat mir geholfen :) 

      26.11.2012, 18:38 von Liljuja
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  • 3

    Leider ist das Gefühl, das der Text transportieren soll, nicht bei mir angekommen, obwohl ich sehr gut weiß, wie es ist, wenn die Angst einen lähmt und bisweilen lebensunfähig macht.

    Das liegt aber mit Sicherheit auch daran, dass der Text scheinbar mit einer solchen Unachtsamkeit geschrieben wurde. Mir brennen die Augen.

    24.11.2012, 10:04 von lalina
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      Kannst du Beispiele nennen. Ich kann mir vorstellen, was du meinst. Es ist nicht leicht über das Thema zu schreiben 

      24.11.2012, 21:33 von Liljuja
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      Du bleibst mir zu sehr an der Oberfläche, die Verzweifelung ist durch deine Sprache nicht greifbar. Ich hätte mir gewünscht, dass du zumindest eine Situation im Detail zu Ende denkst, niederschreibst und dem Leser so einen besseren Einblick gibst.


      Außerdem stören mich Rechtschreibfehler wie Psychiater oder Résumé sehr. Die katastrophale Zeichensetzung behindert den Lesefluss ebenfalls.

      25.11.2012, 14:16 von lalina
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