rebeccatwloha 05.08.2014, 21:15 Uhr 0 1

An(n)a Reloaded #2

- and you're my obsession, I love you to the bones & ana wrecks your life like an anorexia life.. -

337 Tage war ich in der Klinik, um dir und mir in den Arsch zu treten und um dich verdammt nochmal endlich weg zuschicken. 337 verschissene Tage, in denen ich gekämpft habe, geheult habe, fast aufgegeben habe. Aber ich hab es nicht. Ich hab mich zusammengerissen, hab zugenommen, gelernt, mich im Spiegel anzugucken und hab Sachen gegessen, die ich mir jahrelang verboten habe. Ich habe einen tollen Therapeuten und den tollsten Freund der Welt und bin jetzt zu ihm gezogen. Ich habe mit 20 meinen verschissenen Realschulabschluss mit nem 1 vor dem Komma gemacht. Und ja, irgendwo bin ich ein bisschen stolz auf mich.


Das alles hört sich ziemlich gut an. Doch schon Wochen vor meiner Entlassung hab ich dich wieder gesehen. Du standest hinter der nächsten Weggabelung, halb versteckt hinter einem Baumstamm und hast mir zugewunken. Hast nett gelächelt und bist auf mich zugehüpft. Deine knochigen Hände haben mich an dich gedrückt, ich war geschockt. Dachte ich doch, dass ich dich endlich los bin. Falsch gedacht. Die letzten Wochen haben wir wieder so verbracht, wie in den Kliniken davor - haben den Therapeuten gesagt, wie gut es mir geht und das Essen doch kein Problem mehr ist. Vor dem Wiegen haben wir wieder geschummelt und das Essen öfter mal ausfallen lassen. In den Ferienwar ich wieder daheim. In meinem alten Zimmer, in dem ich soviele Nächte geheult und mich ihr gewidmet habe. Im Bad, wo ich so oft Blut weggewischt hab und in der Küche, in der ich so so oft stand und mir Messer ins Fleisch gedrückt habe, damit der unbändige Hunger dem Schmerz weicht und in roten Tropfen auf den Boden fällt. 


Ich bin jetzt, nach meiner Entlassung, statistisch gesehen, auch dünn. Mir geht es gesundheitlich seit 7 Jahren das erste mal einigermaßen gut. Ich habe seit Jahren das erste mal ein stabiles Gewicht. Aber ich vermisse das Früher. Ich vermisse die schlaflosen Nächte voller Schmerzen von Hunger und den Knochen, die auf der Matratze aufliegen. Ich vermisse den Schwindel nach Tagen ohne Essens. Ich vermisse meine Knochen so sehr. Und ich vermisse An(n)a. 


Ich habe das Schloss im Kopf noch nicht ausgetauscht und An(n)a besitzt noch den alten Schlüssel. Vielleicht sollte ich langsam mal ein neues Schloss einbauen mit Sicherheitsketten und dem ganzen Schnickschnack. Aber vielleicht hat sie einen Generalschlüssel. Wer weiß.


Liebe An(n)a, ich vermisse dich. Du warst so lange bei mir, hast mich so lange begleitet aber ich glaube, es ist Zeit, loszulassen. Du von mir und ich von dir. Ich weiß, dass es nicht leicht ist, weil wir uns so gut kennen. Aber es ist an der Zeit. Lass’ mich gehen und lass mich glücklich werden. Verschwinde in dem Niemandsland, aus dem du kamst. Geister’ zwischen deinem Reich aus Spiegeln und Lust und Sünde umher aber bitte bitte zeig mir den Weg nach draußen. Es tut so weh, das zu schreiben, wirklich. Es tut so sehr weh. Gott im Himmel, du warst solange mein und ich solange deins und du hast mich begleitet und mir geholfen und jetzt soll ich dich loslassen wie einen Luftballon. Ich weiß, dass ich muss und irgendwo will ich. Aber du zeigst mir unsere gemeinsamen Jahre und in meinem Kopf blitzt alles wie ein Sekunden-Film auf. Klinik reiht sich an Klinik, Sommer an Sommer, Spiegelbild an Spiegelbild. FUCK! Ich mach es jetzt endgültig. Ich hab dich geliebt. Sehr. Du mich nie. 


Du wirst mir fehlen.


Dein Mädchen. 


PS: LASS MICH NICHT ALLEIN!


Tags: Magersucht, Loslassen, Gesund werden, Hölle
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