SakiSuspicious 27.03.2012, 11:36 Uhr 5 3

An einem Morgen im März

Ich zünde mir eine Morgen-Zigarette an, mehr aus Gewohnheit, dem Bedürfniss nach Coolness und der Sucht heraus...

...als aus Geschmack oder gar dem Pseudo-Wissen, es würde irgendwas besser machen. Ich komme mir heute irgendwie zerbrechlich und dünn vor. Wenn ich mich mit einem passend theatralisch-sehnsüchtigen Blick in die Ferne auf die Bettkante setze und meine Beine in ihrer ganzen Pommeshaftigkeit entsprechend anwinkel, dann gäbe das sicher Futter für ein klasse Foto.
Ich male mir ein Bild:
Zerzauste Haare, die schon fast aussehen wie gewollt scheiße. Altes Make Up, quasi die Smokey Eyes des echten Lebens. Die Frustzigarette in den spinnenartigen Fingern und der Rauchatem der über die trockenen weißen Lippen zieht.
Ich finde das toll! Jedoch weiß ich nicht, ob ich das toll finden soll, dass ich das toll finde. Ich beschließe den Tag nichts zu essen, außer vielleicht ein Apfel und möchte mir prompt in den Kopf schießen, für diesen Pro-Ana-Gedanken. Haut und Knochen sind nicht schön und dennoch mag ich meine herrausstehenden Hüft- und Handgelenkknochen und erst recht mein Schlüsselbein. Ich will so dünn sein. Jede Auswölbung meines Bauches stürzt mich in die totale Selbstkrise. Ich esse zu gern, um mich in der Hinsicht einzuschränken aber bin auch zu faul und zu wählerisch, um wirklich gesund und genug zu essen. Ich esse wann ich es mag und was ich mag und das ist in der Regel nicht nährreich und nur schlecht für mein Hautbild.
Ich fühle mich schrecklich und frage mich ob ich vielleicht bei diesen kaputten Gedanken mal einen Sachverständigen aufsuchen sollte. Es ist ja nicht nur dieser Wahn des Dünn-Seins. Es ist so viel mehr in meinem Kopf, das mir Angst macht. Die spontanen Heulattacken, die Überforderung bei Fragen wie "Tee oder Kaffee?" und vorallem die ständig herranschleichende spontan Panik die mich immer wieder aus heiterem Himmel überfällt. Kombiniert mit all diesen Gedanken, die man einfach nicht denken sollte, fühle ich mich stetig durchaus hilfsbedürftig und krank. Die Frage ist nur, wenn ich in diesem Fall um meine krankheit weiß, reicht es dann nicht, dass ich mich auf meinen Hosenboden setze und erwachsen und vernünftig werde. Die Faust auf den Tisch hau und mich einfach zusammenreiße? Wenn ich weiß, dass es krank ist, bin ich dann wirklich krank?

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5 Antworten

Kommentare

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    krank sein ist nicht „krank”, das wissen darum kann aber gesund sein.

    07.01.2013, 15:56 von magnus
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    kenn ich!

    04.04.2012, 18:00 von SabiCherie
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    Kenne die Gefühle nur zu gut.. bei mir ist es mit dem Essen zwar die andere Richtung, eher Frustfressen... Aber diese Panikattacken oder Hilflosigkeit die bei so trivialen Entscheidungen wie "Tee oder Kaffee" entstehen, kenn ich. Und so muss es echt nicht sein. Seit ich Medis habe und bald wieder regelmässig zur Seelenklempnerin gehe, geht's mir viel besser. Das Leben hat endlich wieder Farben und Klänge und fühlt sich nicht nur scheisse an. Glaub mir, irgendwann geht's bergauf! Ist krass wie ich das Gefühl hab wir sind total ähnlich, auch wenn ich Sachen auf deinem Profil lese :) Wünsche dir alles Gute und denk dran: in der Schweiz sitzt eine missweiss, auch mit Suchtizigarette und zersaustem Haar und denkt manchmal: "jetzt geht's nicht weiter". Aber das tut's. Und das Leben ist zu kurz und zu schön um aufzugeben. Sei gedrückt *

    30.03.2012, 16:02 von missweiss
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      Vielen vielen Dank für diesen wundervollen Kommentar :') Es ist immer ermutigend und "schön" zu wissen, das man mit seiem verkorksten Selbst doch nicht alleine ist. Dein Kommentar hat mich wahrlich gerührt und sehr glücklich gemacht. Ich wünsche dir natürlich auch alles alles erdenklich gute und du hast vollkommen recht, es ist zu kurz und zu schön um aufzugeben <3 Ich werde sicherlich nicht umhinkommen hier und da in so manchem schlechten Moment an Missweiss zu denken :)

      30.03.2012, 16:18 von SakiSuspicious
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    ähnliches Krankheitsbild...

    27.03.2012, 16:36 von _Cookie7
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  • Haben wir sie noch alle?

    Burn-Out, Internetsucht, Depression - immer mehr Deutsche lassen sich therapieren. Braucht es all diese Therapien wirklich?

  • Apokalypse Wow!

    Die Mode ist die Message: Die pro-russischen Kämpfer in der Ukraine sehen mit Macheten, Masken usw. aus wie Figuren aus den »Mad Max«-Filmen.

  • Der Witz geht nicht mehr weg!

    Jeder kennt den Moment, in dem der Send-Balken hochgeht und man noch denkt: Stop! Was würdet Ihr gern aus dem Netz löschen?

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